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12.04.2010

Ich, er und der Andere

Spannend, was man im Internet so findet...wenn man beispielsweise "Erzählperspektive" als Suchbegriff bei Google Bildersuche eingibt, um ein Bild für seinen nächsten Blogeintrag zu finden, kommen dabei a) ausschließlich Ergebnisse von Lehrer-Materialien-Seiten raus und b) lustige bunte Bilder, die ich in meinem Deutsch LK wirklich gut hätte gebrauchen können.
Deutet das auf die technologische Revolution im Lehrberuf hin? Man weiss es nicht...;)
Ich denke gerade über die verschiedenen Vor- und Nachteile von Erzählperspektiven nach und muss das leider mal formulieren, das hilft mir denken und vielleicht interessiert es ja den Einen oder die Andere sogar, auch wenn ich das eher bezweifle.;)

Aber sonst gibt es in meinem Leben auch sehr wenig Neues zu erzählen, weil ich Samstag 12Stunden und Sonntag immerhin noch fast 7 nur die Revision vom Rosenfriedhof weitergepeitscht habe - leider verfällt mir nämlich im nächsten Monat meine reservierte ISBN, wenn ich die neue Version nicht bald mal zur Freigabe online bringe und das wäre sehr schlecht, weil die jetzt schon in der Werbeeinlage in den Perlen und bei den Sinnstiftern gelandet ist...Leben saugt mit mindestens 2000 Watt. Aber die gute Nachricht - durch die Aufgabe meines Wochenendes nähert sich die Überarbeitung langsam aber stetig der 50% Marke von 250Seiten...also nur noch 100 weitere Arbeitsstunden und das Ding ist durch...*headtodesk*

Naja anyway, Erzählperspektiven!;)
Ich habe mich im Rosenfriedhof ja (leider) irgendwann zu einer Mischform von Erzählperspektiven aus Ich Erzähler für die Gegewarts-Szenen und Personalem (aber nicht personal festgelegtem) Erzähler für die Vergangenheits-Szenen entschieden - klingt kompliziert, ist aber so.;)
Der nicht festgelegte Personale Erzähler ist eigentlich mein Liebling, denn er bietet die Möglichkeit die Introspektiven mehrerer Personen darzustellen - auch wenn ich festgestellt habe, dass man im selben Kapitel nicht, oder nur wenig springen sollte. Trotzdem kann man damit wunderschöne Situationen kontruieren, in denen der Leser schon mehr weiss, als die Charaktere, was eigentlich immer sehr reizvoll ist.;)
Der Ich Erzähler ist eben festgelegt auf die gewählte Erzählerfigur und kann andere Personen nur an ihren Aussagen und Handlungen beschreiben - was interessante Effekte haben kann, was z.B. die Konstruktion von Missverständnissen oder fehlgeschlagener Kommunikation angeht. Außerdem kann man hier einen legereren "Umgangston" wählen, ist aber eben festgelegt auf eine oder nur wenige Personen - mehrere Ich Erzähler innerhalb einer Geschichte sind eher anstrengend, finde ich persönlich, denn dann ist die engere Assoziation mit der Ich-Stimme irgendwie nicht mehr gegeben...

Der Personale Erzähler hat aber auch Nachteile und das stelle ich gerade in der Überarbeitung extrem fest: z. B. wirken Charakter interne Gedankengänge sehr schnell repetetiv, wenn eine Situation aus mehreren Sichtweisen beschrieben wird. Da muss man sehr gut abwägen, welche Sichtweise gerade für den Leser die Wichtigere ist.
Interne Gedankengänge beim Ich Erzähler sind essentiell notwendig, aber ich habe auch da leider die Tendenz alles zu wiederholen, so nach dem Motto:
Oh mein Gott, sollte das bedeuten, dass Bla?
"Oh mein Gott, meinst du etwa, das bedeuted Bla?"
Es konnte doch nicht Bla bedeuten...
Na gut, ist ein wenig überspitzt dargestellt, aber schon in der Essenz so, mein Lektorat wird das bestätigen.;P
Also setze ich gerade den Rotstift an und habe durch negative Verbesserung bestimmt schon 5-6Seiten an unnötigen Gedankengängen eingespart. Wie ich letztlich über ein anderes Buch zu meinem Schatz sagte: Die denken und fühlen immer soviel, das ist voll langweilig...Amen!;)

Ich denke, wenn ich den Rosenfriedhof durch habe, werde ich mich vom Ich Erzähler erstmal verabschieden (ich hab da noch so eine epische Jugendstilverherrlichung im Schrank, die bisher unter dem internen Titel "120Seiten Langeweile" vor sich hindümpelt...irgendwann bestimmt, aber mit viel Betonung auf irgendwann!;) und mich mehr personal betätigen, man hat einfach mehr Freiheiten, auch was Beschreibungen angeht. Der Ich Erzähler muss im Tonfall immer konstant bleiben, Personale Erzählen können wunderschön beschreiben und trotzdem einen Trottel als Hauptfigur präsentieren.;)

Apropos Freiheit: Was ist denn mit dem Auktorialen wird man sich fragen?
Die Wahrheit ist: Ich mag den "Anderen" als Erzähler nicht.
Vielleicht habe ich es einfach noch nie ausprobiert, aber so theoretisch sehe ich nicht, wo die Vorteile gegenüber dem Personalen Erzähler sind, ausser natürlich, dass man von aussen das Verhalten der eigenen Charaktere kommentieren kann...das kann der retrospektive Ich Erzähler aber auch und ich mag einfach diesen "Hätte er damals gewusst, das", oder "Er sollte noch früh genug lernen, bla" Effekt nicht.
In der Ich Perspektive verkneife ich mir das und dem Auktorialen Erzähler würde ich das auch nur sehr widerwillig erlauben - diese Art von vorausschauendem, moralischen Zeigefinger liegt mir einfach nicht...

Wenn irgendwer bis hierher nicht eingeschlafen ist und mir ein tolles Pro-Auktoriales Argument liefern kann, bin ich aber natürlich für alles offen!;)
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