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23.06.2010

Die Geisterseher

Man sollte Bücher wirklich in der richtigen Reihenfolge lesen.
Ich bin ja persönlich wenig Serien affin - wenn ein Buch nicht zum Punkt kommt innerhalb von 500 Seiten, werde sogar ich ungeduldig und Fortsetzungsbücher habe ich genau einmal toleriert (bei Harry Potter, wo die Story auch irgendwie egal war, hauptsache Stephen Fry liest es mir vor;).
In sich abgeschlossene Bücher mit denselben Personen allerdings (was ja bei HP eigentlich auch so ist) kann ich schon lesen, habe aber bei meinem neusten Ausflug in die Belletristik festgestellt, das man sich auch hier besser an die vorgesehe Reihenfolge halten sollte - und das Romane lesen sehr viel schneller geht, wie man an dem Zeitfenster seit dem letzten Buch sieht.;)

Mein Nachttisch Begleiter der letzten 4 Tage also: Die Geisterseher von Kai Meyer

Das Cover mag es vielleicht schon verraten, hier handelt es sich um das erste Buch rund um die Gebrüder Grimm, aus dem dann irgendwann Die Winterprinzessin hervorging.
Und damit fing mein Problem eigentlich an, denn wenn ihr euch erinnert, hatte mich die Winterprinzessin dazu veranlasst lang und breit über das Pro und Contra von Ich-Erzähler Motivation nachzudenken. Und das führte leider dazu, dass ich Die Geisterseher nicht ganz unbeeinträchtig genießen konnte - manchmal kann dieses automatische Meta-Ebene Denken, das sich wohl hauptsächlich Literaturwissenschaftler, Lektoren und Autoren aneignen schon etwas nervig sein.;) Andererseits weiss man ein wirklich gutes Buch auch mehr zu schätzen!

Also lange Rede kurzer Sinn, wie war das Buch denn nun?
Die gute Nachricht ist: Die Erzählschwächen aus dem 2. Buch lassen sich hier kaum erkennen. Der Ich-Erzähler ist eigentlich konstant ein Feigling.;)
Die schlechte Nachricht ist: Mit der Motivation seiner Charaktere zu tun, was sie aus dramaturgischen Gründen nunmal tun müssen, damit die Handlung weitergeht, tut sich das Buch immer noch schwer - manchmal wirkt das sehr gezwungen, nach dem Motto "Ich will das wir das machen! - Aber das macht doch gar keinen Sinn! - Ich will aber! - Ok...".
Die Geschichte an sich dürfte jedem Germanisten die Freudentränen in die Augen treiben: Die Grimm Brüder auf der Jagdt nach dem letzten Teil von Schillers Geisterseher Roman, verfolgt von Goethe und unterstützt von E.T.A. Hoffmann und was der Literatengrößen mehr sind.
Der frühneuzeitliche Thriller lässt sich (akzeptiert man einfach mal die "Wir machen das aber jetzt" Attitüde;) eigentlich recht nett an und rührt einen ähnlichen Exotik&Mytery Mix mit ganz vielen Mordopfern, wie schon die Faustus Triologie (übrigens immer noch die besten Meyer Bücher!).

Abzüge gibt es allerdings für das Sherlock Holmes Ende, das nach 300Seiten Intrigen, Mord und Mytery eine 2seitige Auflösung präsentiert, die irgendwie lieblos hingeworfen scheint und auf die man beim besten Willen niemals hätte kommen können. Lasst euch gesagt sein: Es ist nicht der Gärtner.

Insegesamt gibt es von mir für eine solide Geschichte, die allerdings ruhig noch 10Seiten länger hätte sein dürfen, immerhin noch 3 von 5 Kamelen.
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