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02.04.2011

Historische Romane, Probleme mit...

Wer sich einige Zeit lang meine LibraryThing Liste ansieht, wird feststellen, dass ich prinzipiell nicht viele Probleme mit Historischen Romanen habe.;) Im Gegenteil, trotzdem viele Mit-Historiker kein gutes Haar an diesen fiesen literarischen Enstellungen guter, langweiliger Fakten lassen können, finde ich es immer gut sich mit Geschichte zu beschäftigen, egal in welcher Form. Solange man nicht alles glaubt, was man so liest - und das sollte man sogar bei Sachbüchern nicht tun - sehe ich da kein größeres Problem.
ABER...

Natürlich muss ein Aber kommen, sonst würde ja der Titel dieser kleinen Exkursion keinen Sinn machen. Man sollte nicht so blauäugig sein, anzunehmen, dass es einfacher wäre ein Buch über Dinge zu schreiben, die tatsächlich passiert sind - eigentlich eher im Gegenteil. Je weiter die Geschichte von der Realität entfernt ist, desto mehr Spaß kann man als Autor damit haben (übrigens der Hauptgrund, aus dem ich Fantasy mal ausprobieren wollte - da muss man sich schlussendlich an gar nichts mehr halten, nicht mal Physik oder so;). Historische Romane haben sehr schnell das Problem, dass sie zu einer mehr oder minder nachvollziehbaren Motivationsstudie verkommen - frei nach dem Motto: Jeder weiß schon WAS passiert ist, wir schreiben jetzt noch das WARUM.

Meine Bettlektüre in der letzten Woche war eines dieser schwierigen Bücher: Die Sonne des Königs von Sandra Gulland.
Zunächst mal müssen wir eine wichtige Tatsache festhalten: Es ist unheimlich schwer einen Titel für eine Liebesgeschichte zu finden, der nicht völlig kitischig klingt. Das diese schwere Aufgabe hier also nicht wirklich gut gelöst wurde, soll uns also nicht gleich abschrecken.;)
Wie Coverbild und Titel uns vielleicht schon verraten haben, begegnen wir hier einer Motivationsstudie um Ludwig XIV. und seiner ersten Mätresse Louise de la Vallière (to the Land of Thruth, this way).
So weit ist das nicht überraschend, immerhin hat die Geschichte an sich einen gewissen romantischen Flair - ein großer König und die einzige Frau, die ihn je aufrichtig geliebt hat blabla und so weiter.
Die Geschichte und Personen in dieser komplizierten Hofscharade werden auch einigermaßen glaubwürdig präsentiert, auch wenn mir die ewige Gegenspielerin Mme de Montespan etwas zu sehr als das Ur-Böse stilisiert wird...aber irgendwo muss ja die Hexe vorkommen.;)

Worin sich das Buch allerdings furchtbar verrennt, ist die Kindheitsgeschichte einer Frau zu konstruieren, von deren Leben man vor ihrem Erscheinen bei Hof eigentlich nichts weiß. Also füllt man die Lücke mit Zigeunern, Knochenzaubern, mysteriösen Pferden, einem Kindheitstrauma und einem toten Vater, bis man sich als geneigter Leser fragt, wie viele Renaissance Klischees man denn bitte bis zum zarten Alter von 12 durchlebt haben kann. Und das bringt uns zurück zum eigentlichen Problem: Entweder man schreibt über das, was man schon weiß, oder man denkt sich etwas aus...die Kombination aus beidem, der "Historische Fantasyroman" ist zu Recht noch nicht erfunden worden, denn meistens geht es eben doch schief...

Von mir gibt es ein paar Pluspunkte für erstaunlich unkitschige Liebesszenen, aber das rettet die Bewertung leider nur unerheblich. Insgesamt 2,5 von 5 Spitzenhandschuhen.
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