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16.07.2011

Monster in der Realität - Cloverfield vs. The Host (vorsicht Spoiler!)

Ich gebe es gerne und ganz offen zu: Ich mag Action-Filme! Und ich mag Tentakelmonster. Also mag ich Tentakel-Monster-Actionfilme, ergibt sich ja von selbst!;)

Mein unsterlicher Favorit ist natürlich Alien, ganz klar, aber auch die neueren Monster sind ganz brauchbar, vor allem wenn sie sich an guten, althergebrachten Klassikern orientieren - ich sage nur Godzilla und King Kong.
Der neuste Trend in diesem Genre scheint aber der "Reality-Impact" zu sein - also mehr "normale" Menschen gegen das unverständliche Grauen und weniger spektakuläre Helden und Special Effects.
Dieses Konzept an sich finde ich eigentlich begrüßenswert, Heldenfilme rutschen nämlich schnell in unfreiwillig-komischen Pathos ab - ich sage nur Idependence Day...
"Aliens are Mac-compatible?!?"
"Yes, all higher life-forms are Mac-compatible!"

Aber auch in diesem "mittendrin-statt-nur-dabei" Erzählmodus kann man noch so manches richtig oder falsch machen, wie gestern gesehen bei Cloverfield.
Ich bin ja prinzipiell skeptisch bei sogenannten Hype-Filmen, viralesch Margeting macht mich aggressiv und gegen Handheld-Kameraoptik habe ich eine reflexartige Abneigung seit Blair Witch Project, oder auch "the lamest monster movie EVER" (uuuund noch mehr Hassmails!;).
Trotzdem war der Film nicht so übel, wie ich reflexartig angenommen hätte, oder zumindest hatte er einige Features, die ich mochte:
+++ Das "zu groß, um ganz ins Bild zu passen" Stilmittel für das Monster fand ich nett umgesetzt - zugegeben hatte ich die ganze Zeit das Gefühl eine Realversion von FinalFantasy X zu sehn (hey, ich bin doch kein so schlechter Geek;), aber das macht ja nichts, gefallen hat es mit trotzdem.
++ Die Handheld-Kamera war zwar unrealistisch professionell (NIEMAND zoomt, während er um sein Leben rennt!), aber das machte den Film als solchen etwas besser und hatte ganz nette Spielereieffekte. Ich mochte den Schock-Effekt mit dem Nachtsicht-Modus.;)
+ Die Hauptfiguren waren glaubhaft, aber nicht hysterisch. Ich glaube hier hat man aus den 1000en Blair-Witch-Verarschen gelernt. Ja, Menschen geraten in Panik und manche rotzen und kreischen dann nur noch - aber für 120Min Film sind solche Reaktionen nicht geeignet. Da hat mir die "einfach weiterlaufen und überleben" Einstellung bei hier besser gefallen - ist auch schonender für die Ohren.
+ Der Film verkneift sich eine "Auflösung". Das mag Menschen, die immer alles haarklein erzählt haben müssen, stören, aber ich fand es konsequent. Ich hätte eine erzwungene "wir belauschen jetzt irgendein wichtiges top-secret Gespräch" oder eine ähnliche Lösung sehr übel genommen - wenn schon Realität, dann richtig.

- Der Kameramann nervt. Dazu kann ich kaum was anderes sagen, es ist als hätte man Doug aus King of Queens in einen Monsterfilm transferiert.Menschen mögen ja viel und sinnlos reden, wenn sie traumatisiert sind, aber der Typ ist schon dämlich bevor irgendwas Schreckliches passiert. Falls das der comic-relief sein sollte, hat es bei mir nicht funktioniert, der Film ist einfach nicht Humorkompatibel.
-- Ein eindeutiger Minuspunkt in dieser Realitätsgeschichte ist aber eindeutig die völlige Unfähigkeit zur Pop-Kultur bei den ach-so-stylischen Hauptfiguren. Bei allem Verständnis für "OMG wir sind so überfordert mit der Situation und alles ist so furchtbar schrecklich", habe ich es doch ein wenig übel genommen, dass scheinbar Niemand dahinter kommt was passiert sein könnte, wenn jemandem neben dir gerade der Brustkorb explodiert ist und jemand im Ärztekittel schreit "Wir haben einen Wirt!" - ehrlich Kinder, habt ihr in eurem New York noch nie Alien gesehen?;)
--- Die Hauptmotivation der Geschichte war mir zu pathetisch. Man hätte eine kleine Gruppe von Menschen auch quer durch eine Stadt im Kriegszustand schicken können, ohne dieses "Oh nein, ich habe mit meiner Freudin gestritten und erst jetzt erkenne ich, dass sie die Liebe meines Lebens blaaaa". Jeder halbwegs gute Spielleiter kann dir erklären, wie man dieses Rettungstruppe-Aufie! Element ohne dieses abgedroschene Klischee hinbekommt. Geeks an die Front!;)

Alle diese Dinge führen dazu, dass ich sagen kann: Man muss den Film vielleicht nicht gesehen haben, aber so wirklich schlecht war er jetzt auch nicht.;)
Ich möchte aber zum Vergleich noch einen anderen Monsterfilm anführen, der mit ähnlichen Stilmitteln arbeitet - wenn auch ohne Handheld Optik, zum Glück! - aber sich dabei noch ein wenig mehr traut. Liegt vielleicht daran, dass The Host kein Hollywood Film ist!;)
Während Cloverfield es sich immer noch nicht verkeifen kann seine "Normalos" zu Helden des Alltags zu stilisieren - inklusiver unnötig kitschiger Lovestory - kommt The Host mit einer völligen Looser-Figur als Hauptcharakter aus und macht das wirklich gut! Und ich meine hier nicht den amerikanischen Peter Parker Typ Looser, der eigentlich schon immer durchtrainiert und gut aussah  und jetzt nur seine Brille nicht mehr braucht, sondern einen echten Looser.;) Das hat einen Realitätsanspruch, der schon mehr als nur einen Tentakel in die Comedy-Ecke streckt, aber dennoch ist der Hauptkern der Story nicht komisch.
Der Film nimmt sich nur nicht zu 100% ernst, was für Blockbuster-Gewöhntes Publikum etwas befremdlich sein kann. Aber für mich bringt gerade das die Hauptaussage dieser Art von Reality-Monster-Filmen noch deutlicher heraus: Wir wissen nicht was wir tun, was passiert oder wie wir dagegen vorgehen sollen, aber wir müssen es trotzdem tun.


Beiden Filmen gemeinsam ist auch das mehr als ambivalente Nicht-Wirklich-Happy-End, das mir als weiteres Realitätsstilmittel auch gefällt, aber auch hier sind die Koreaner einfach weniger kitschig, was ihnen bei mir einen eindeutigen Pluspunkt einbringt!;)

Ich muss daher für Cloverfield einige Anbzüge geben und bleibe bei 2,5 von 5 Freiheitsstatuen, während die koreanische Monster Variante die Comedy-Einschläge nur minimal übertreibt und dafür 4,5 von 5 Molotov-Cocktails bekommt!
IMDB sagt übrigens es soll eine Cloverfield Fortsetzung geben - ob das wohl Not tut?
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