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10.07.2011

How To: Vom Winde vernäht....

Ja, sorry, ich weiss, furchtbares Wortspiel, aber ich konnte es mir einfach nicht verkneifen...;)

Aber die gute Nachricht ist: Ohne Schmerzen lebt es sich besser und daher ist mein neustes "Baby" auch schon auf einem sehr guten Weg! Wollen wir aber nochmal zusammenfassen - das letzte Mal, als davon die Rede war, ist ja nun schon eine ganze Weile her....

Wir befinden uns epochenmäßig im 19. Jahrhundert und modemäßig auf einem ziemlich biederen Turf, denn die hübsch einsichtigen Renaissance-Ausschnitte waren schon out und die engen Tournüren noch nicht in. Statt dessen sprechen wir von unmengen an Stoff in weiten Ärmeln, Rüschenkaskaden und über 3-6m Durchmesser (!) Krinolinen, die der Dame nicht nur eine gewisse Privatsphäre sicherten (kam ja keiner nah genug ran;), sondern auch den Taschendiebstahl förderten (unter so einem Rock konnte man vermutlich auch ein ganzes Schaf verstecken^^) und bei Kerzenschein leider oft zu unschönen Brandkatastrophen führten (bis der Kopf merkt, dass der Hintern brennt, ist es leider meistens schon zu spät...).

Heutzutage ist es ja glücklicherweise relativ einfach sich von offenen Flammen fernzuhalten, also halten wir statt dessen lieber noch einmal fest, was wir für den "Gone with the Wind Look" so zusammentragen müssen:
1. Reifrock
Ganz wichtig, hier kommt man wirklich nicht mehr darum herum. Es muss nicht gleich das 6m Modell sein, aber 3m wären schon vorteilhaft (inzwischen gibt es sowas ja auch verstellbar, unheimlich praktisch!) - außerdem sollte man mindestens 3, am besten 5 Reifen wählen, damit diese Kaffeewärmer-Form zustande kommt. Es gibt im Netz auch Anleitungen, wie man solche Dinger selber näht, aber lohnen tut sich das nicht - ich habe meinen 5-Reifen-Rock (verstellbar) bei Tante Ebay für 25€ erstanden. Im Stoffladen hätte vermutlich schon der Stoff mehr gekostet.;)

2. Pettikoat
Muss man nicht unbedingt zwingend haben, aber empfiehlt sich sehr, damit der Rock weicher und weiter fällt und sich die Reifen weniger abzeichnen - sonst sieht man schnell nach Klorollen-Barbie aus.;) Es gibt auch Reifröcke mit Tüllschicht, aber die sind dann meist nicht verstellbar, daher habe ich hier auch wieder Tante Ebay befragt. Auch hier gillt - natürlich kann man Meter um Meter Tüll und Stoff auch selber zu einem kruden Unterrock zusammenzimmern, aber auch da dürfte der finanzielle Aufwand (von der Arbeit ganz zu Schweigen) größer sein, als einfach was von der Stange zu kaufen. Auch Karnevalsläden können sowas schonmal auf Lager haben!

3. Korsett
Man kann viel dagegen sagen und ich würde ich nicht behaupten, dass man sowas unbedingt "braucht", aber diese Kleider sind nunmal dazu da eine schmale Taille zu unterstreichen - mehr sieht man von der Figur auch kaum - daher finde ich schon, dass Frau hier ein wenig authentisch nachhelfen sollte. Schon der Eitelkeit wegen...;) Es gibt einen sehr schönen Simplicity Schnitt (2966) für Korsetts und Korsagen, aber ich habe da dann doch lieber ein paar Euro investiert und das einen Profi machen lassen. Kostenpunkt bei Ebay ca. 75-80€ - aber man kann es ja universell einsetzen!;)

4. Rock
Wie ich ja schon erwähnt hatte, habe ich es auch dieses Mal wieder so gehalten mir ein Grundgerüst-Kleid zu kaufen, anstatt vom Grundauf alles selber zu machen - man kommt schneller zu Erfolgserlebnissen und Kleider von der Stange kosten heutzutage im Netz auch kaum mehr, als man für den ganzen Stoff sowieso bezahlen würde. Wenn man aber den do-it-youself Ansatz bevorzugt, ist das bei dieser Art Röcken nicht wirklich schwierig:
Wie man einen weit fallenden Rock zusammennäht, hatte ich ja bei Miss Tudor schonmal gezeigt. Für unser Scarlett Kleid müssen wir aber viiiiieeeeel mehr Stoff nehmen. Am Ende sollte der Rockumfang bei mindestens 6m liegen, sonst passt der Rock am Ende auch gar nicht über den Reifrock. Am besten zielt man so auf 8m. Abändern muss man die Nähanleitung dafür aber nur wenig - man füge einfach solange Stoffkeil an Stoffkeil, bis für den unteren Saum die 8 oder 9 oder 26 (je nach Präferenz;) Meter Umfang erreicht sind.
WICHTIG: Was immer man als "normale" Hüfte-zu-Boden-Länge gemessen hat, muss hier mindestens 10-20cm länger werden!!! Durch den Reifrock und den Pettikoat "hebt" der Rock sonst ab und sichtbare Knöchel sind leider völlig inakzeptabel!;)
Nun ist ja dieses Riesenzelt viel zu weit in der Taille, um irgendwem zu passen, der nicht so breit wie hoch ist - diesem Problem hilft man aber schnell ab, indem man den Stoff beim zusammenfügen mit dem Taillenband gleichmäßig fältelt - so fällt der Rock dann gleich auch noch schöner!
Dann wie gehabt einen Schnürsenkel oder ähnliches durch das Taillenband ziehen und fertig!

5. Miederjacke
Dieser Teil war der Hauptgrund, weswegen ich mich für ein fertiges Grundgerüst entschieden habe - ich hatte genug Probleme mit dem Jäckchen für mein Edwardian Kleid (s. Foto;). Formvorgaben gibt es dabei wenig - spitz zulaufend im Mieder, oder mit Taillenbund, geknöpft, geschnürt, schmale Ärmel, weite Ärmel, Puffärmel, mit Schösschen oder ohne - alles erlaubt. Viele schöne Schnittmuster dazu gibt es bei Truly Victorian, oder man bedient sich einfach bei Simplicity (s.o.). Ich habe mich für die spitz zulaufende Variante mit Schnürung im Rücken und weiten Überärmeln,  entschieden - ähnlich dem Tudor Kleid - die sogar schon mit Spitzenbesatz geliefert wurde.
Nun haben Kleider von der Stange das Problem, dass immer an der Spitze gespart wird - auch wenn der Stoff nicht die üblich-grottige Karnevalsqualität hat. Ich habe daher tatsächlich kurz mit dem Gedanken gespielt die komplette Spitzenborte auszutauschen - wie bei Miss Tudor - aber mir dann im Angesicht der Schwierigkeit an und um Miederstäbchen herum zu nähen dagegen entschieden. Statt dessen habe ich für ein paar Euro ca. 25Meter weiße Borte gekauft und damit nicht nur die billige Spitze optisch gepimpt, sondern auch die eine oder andere schiefe Naht kaschiert (immer gut, grade auch bei Selbstgenähtem!;) und einige schwierige Ecken und Stoffverläufe verstärkt. Das einzig dumme an dieser Methode ist, dass man hier auf Handarbeit angewiesen ist - ich würde niemandem empfehlen rund um Stahlstäbe mit einer Nähmaschine zu hantieren - absplitternde Nähnadeln sind ganz schöne Geschosse!;) Aber was lange währt wird auch hier am Ende schön!


6. Ärmelstulpen
Man könnte meinen, man könnte auch einfach eine Bluse unter der Jacke tragen, statt Ärmel und Kragen einfach aufzumontieren und tatsächlich kann man das auch wahlweise tun - die Einzelteile sind aber die zeitgenössische Lösung aus einem ganze einfachen Grund: Die Dame von Welt braucht blütenweiße Krägen und Ärmel und die sind viel leichter auszutauschen und zu waschen, wenn sie einzeln an- und ausgezogen werden können - praktisch gedacht also!;)
Wie man Armstulpen näht, dürfte fast schon selbsterklärend sein - hier nochmal die Anleitung für Miss Tudor -  und auch der Stoff dürfte hier kein großes Problem darstellen: weiße Baumwolle verarbeitet sich fast von selbst!;)
Nachdem wir also zwei Arm-lange Stoffschläuche produziert haben, müssen nur noch oben und unten entsprechende Gummizüge eingezogen und eine kleine Rüsche am "Handende" angesetzt werden - fertig!
Bei meinen Schläuchen konnte ich ausserdem noch ein paar Reste verwerten und das Ganze ein wenig glamuröser gestalten - man gönnt sich ja sonst nix!;)

7. Kragen
Ein Halbkreis aud weißem (doppelt gelegtem) Stoff mit Spitze und Verzierungen nach wahl - vorne geknöpft oder gebunden...was soll man sagen? Gibt's für 2-10€ im Netz, oder auch in 30Min selber gemacht.;)


Das Einzige, was mir jetzt noch fehlt, ist eine Vorlage oder Inspiration für eine Haube oder andere Kopfbedeckung...to be continued also!;)
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