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13.08.2016

Elysion Reloaded - die zweite Textversion + der Kreative Genius

Eine Freundin hat mir letztlich dieses nette Video geschickt - ein TED Talk von Elisabeth Gilbert, der Autorin von Eat, Pray, Love, einem Buch, das ich zwar nicht gelesen habe (und das mir vermutlich auch nicht gefallen würde), aber von dem ich zumindest weiß und wenn ich in meinem kleinen Kokon von deinem Buch weiß, dann hast du's echt geschafft normalerweise.;-)

Und auch wenn ich mit ihrem literarischen Schaffen nicht soviel anfangen kann, bin ich immer wieder erfreut darüber, wenn Menschen eloquent und witzig über Schreiben sprechen können - siehe auch meine Berührungspunkte mit Stephen King, dessen Bücher mir nun wirklich nicht gefallen.



Dann stellte ich natürlich fest, dass jeder außer mir dieses Video schon kannte und dass T. z.B. auch schon einen Artikel darüber geschrieben hat....der Kokon hat wieder zugeschlagen! ;-)
Dieser Artikel bezieht sich hauptsächlich auf die Unnötigkeit von Erfolgsdenken, was ich prinzipiell genau so sehe, aber ich habe mich seit meiner Haderei mit Mr. King ein wenig darauf verlegt gnädiger mit Menschen zu sein, die tatsächlich vom Schreiben leben wollen, also damit ihr Geld verdienen, ihre Rechnungen bezahlen und nichts anderes im Leben tun wollen.
Ich glaube an diesem Punkt ist das ganz schön mit Ängsten belastet - zumindest kenne ich mich gut aus damit, nicht zu wissen wie ich Essen in den Kühlschrank bringen soll und das ist ein Gefühl, für das es das nette Wort "Existenzangst" gibt.
Nun könnte ich mich natürlich hinstellen und sagen "Hah Pech gehabt, wenn ich das schaffe 7 oder 8 Stunden 5Tage die Woche einem Job nachzugehen, der meine Rechnungen bezahlt und trotzdem ab und zu noch was schreiben kann, dann kann das ja wohl jeder." Finde ich aber irgendwie nicht cool, weil steht mir wie ich finde nicht zu und so überhaupt gefällt mir dieses "Selber Schuld" Denken in allen erdenklichen Lebenslagen nicht.;-)
Gleichermaßen könnte sich ja jemand, der sich anders entschieden hat, hinstellen und meine Kompetenz oder meine Dedication anzweifeln, weil ich ja nur so ab und zu mal irgendwas schreibe und mir die Bezeichnung "Autorin" absprechen wollen, weil's ja "nur" ein Hobby neben anderen ist. Und das fände ich auch wenig cool und wäre ziemlich angefressen.
Lange Rede, kurzer Sinn, dieses ganze Erfolgsthema sagt mir nichts, weil ich mich nie in die Situation gebracht habe, in der mich irgendwie interessieren musste was andere von meinen Geschichten halten, aber das war ja eine Entscheidung meinerseits und andere Menschen treffen eben andere Entscheidungen. Daher war für mich der ganze Anfangsdiskurs zu Versagensängsten und so auch weniger relevant, außer in dem Punkt, an dem es um die Unabsehbarkeit von Inspiration ging.

Ich weiß, man braucht keine Inspiration wenn man Handwerk hat, aber Fakt ist, Ideen als etwas Externes zu begreifen, liegt mir einfach auch nahe. Wenn ich eine wirklich gute Idee habe, dann sage ich gern "die ist mir an den Kopf geflogen", weil es sich genau! so! anfühlt, impact an der Schläfe und alles. Und das sind dann meistens die Momente, in denen das mit dem Schreiben richtig Spaß macht, wo man (aka ich, von mir auf andere schließen = nicht cool und so;-) das Geühl hat die Worte fließen nur durch einen durch auf die Seite, auf der plötzlich Dinge passieren, die sich völlig verselbstständigen und am Ende steht man da uns denkt sich. "Wo zur Hölle ist das denn hergekommen?" Vielleicht muss man ein wenig esoterisch angehaucht sein, um sowas toll zu finden, keine Ahnung, aber wenn ja, geht's mir offensichtlich nicht alleine so.;-)
Fakt ist, dass DAS die Momente und am Ende auch die Textpassagen sind, an die ich mich später erinnere mit diesem Wow-Gefühl, weil mir nicht ganz klar ist, was da passiert ist - nicht die ewigen Stunden, die einfach nur aus Handwerk bestehen.
Klar kann man - und das sagt Ms Gilbert ja auch - wie ein Maultier an einem Text arbeiten und 90% der Arbeit besteht vermutlich daraus. Aber das sind die Passagen, in denen sich Schreiben für mich so anfühlt wie kochen, Unkraut jähten oder Staub wischen. Am Ende hat man ein gutes Geühl, weil mans hinter sich gebracht hat und vielleicht ist sogar was Vernünftiges dabei herausgekommen, aber "Spaß" ist irgendwie anders.;-)

Ich hatte dieses Erlebnis gerade in der letzten Phase Arbeit an Elysion - es waren noch ein paar neue Szenen, neue Figuren und neue Handlungsstränge zu schreiben und für ein paar hatte ich tatsächlich ein sehr klares Bild vor Augen und dieses Wow-Gefühl, aber irgendwann ließ das nach und das übliche "das klappt alles nicht, das ist alles Mist, vielleicht sollte ich diese 500Seiten einach löschen und vergessen, das wird DAS schlimmste Buch EVER" Rad setzte ein. In solchen Momenten liegt es mir überhaupt nicht trotzdem weiter zu machen, weil ich viele andere Dinge in meinem Leben tun muss oder gerne tue und wenig Geduld damit habe meine begrenzte Freizeit mit Dingen zu verbringen, die mir gerade 0 Spaß machen. YMMV.;-)

Aber es stellte sich einfach kein "Flow" ein, es war einfach kein genialer Funke da. Und dann überwog irgendwann der Wunsch es hinter mich zu bringen, also hab ich mich auf den Arsch gesetzt und die letzten Szenen runtergehauen - ich glaube 20 Seiten an einem Sonntagnachmittag allein. Und ja, dazu braucht man Handwerk, denn man muss dafür sorgen, dass der Leser am Ende nicht merkt welches die Textstellen waren, an denen es absolut hakte. Was das angeht, kann ich zufrieden sagen: das Ergebnis ist ok, manches gefällt mir sogar richtig gut und ich habe das befriedigende Gefühl das abgeschlossen zu haben, aber der Entstehungprozess fühlte sich an wie Stein bergauf rollen.
Und dann ist es indeed nett sich auf die Schulter zu klopfen und sich zu sagen: Ich war hier und hab meinen Teil des Job's trotzdem gemacht, Olè for me.;-)

Und da kommt dann auch noch ein kleiner Funke Verstädnis für das Beispiel mit dem Tänzer um 11 Uhr morgens ins Spiel. Denn jetzt bin ich fertig mit dieser Geschichte (im positiven Sinne) - ich habe nichts mehr zu erzählen, meine Energie für diese Geschichte ist aufgebraucht, ich bin fertig mit ihr, sie ist so gut wie ich sie machen kann und wenn jemand anderes das besser gekonnt hätte, kann ich da auch nichts dran ändern.
Und wenn so ein Projekt, mit dem man Jahre verbracht hat, dann "zu Ende" ist, fragt sich eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf dann schon mal: Und wenn es das jetzt war? Wenn dieses Wow-Gefühl nie wieder kommt? Wenn das jetzt alles war, was du zu erzählen hattest, nicht nur für diese Geschichte, sondern für den Rest deines Lebens?
Wie gesagt, ich habe meine Lebensgrundlage nicht auf meinem "Talent" (was immer das ist), oder meinen "Erfolg" (wie immer man den bemessen mag) aufgebaut, daher ist das für mich ein trauriger Gedanke, nicht so sehr ein Existenzbedrohender, aber trotzdem schwer zu ertragen - und das obwohl ich es sehr ablehne, Ms Gilbert, dass kreativ zu sein einen zwangsläufig in Depressionen oder Alkoholismus treibt, meine geistige Gesundheit ist mir sehr lieb und teuer und auf Gin um 9 Uhr morgens hab ich auch keine Lust.;-)

Aber irgendwie ist es tatsächlich tröstend dem Universum (ich spreche gerne mit dem Universum, ist vielleicht so eine Heidenkrankheit) einach mal zu sagen: Ok, hör zu, ich bin jetzt fertig mit dem Ding hier, wenn du also jetzt noch irgendwelche tollen Ideen auswerfen willst, dann schick sie jemand anderem, oder behalt sie einfach für dich, oder schmeiß sie mir in 1, 2, oder 10 Jahren nach,wenn ich die Fortsetzung schreibe! Denn jetzt bin ich fertig. So.;-)

Und damit das jetzt nach der ewigen Vorrede doch noch irgendwie ein Zwischenstand-Post wird: Wie geht es jetzt weiter?
Momentan mache ich eine letzte Überarbeitungsrunde und dann hoffe ich, dass das Baby gewindelt und gefüttert zum Lektorat gehen kann. Während das läuft, sind noch das Cover zu finalisieren und das Problem mit der Landkarte zu lösen, es ist also noch einiges zu tun, ich werde davon berichten! :-)
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