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27.04.2018

The Crown. Oder: Die Kunst wenig zu sagen

Ich habe noch einen Grund gefunden über eine laufende Serie zu sprechen. Neben den schon genannten - Story-Arch, Selbst-Herbeigeführtes-Nicht-Weiterführen und Plötzlicher Menschwerdung - kann eine Serie auch aus technischen Gründen eine Transformation durchmachen; nämlich dann, wenn man in regelmäßigen Abständen ihren gesamten Hauptcast austauscht.

So demnächst wohl zu sehen in der Netflix Serie The Crown, einem Programm zu dem ich in meinem Netflix-Probemonat mehr so zufällig gekommen bin. Das scheint ein Netflix Phänomen zu sein, was vermutlich auch damit zusammen hängt, dass ich 99% der Dinge, die ich sehen *will* da auch wieder mal nicht finde, aber das ist eine andere Geschichte und muss ein anderes Mal erzählt werden.

Prinzipiell bin ich ja dem ein oder anderen Seredipity Fund nicht abgeneigt und ich hätte wohl kaum 2 ganze Staffeln durhgezogen, wenn es mir nicht gefallen hätte - also überspringen wir mal meine generelle Unzufriedenheit mit verfügbaren Streaming-Diensten und kommen zu dem, was ich eigentlich sagen wollte.;-)



Ich hatte zuerst überlegt am Bespiel dieser Serie was zum generellen Problem bzw. den Herausforderungen von Historischer Fiktion zu sagen und vermutlich mache ich das auch noch, denn ein wichtiger Punkt in diesem Fall ist ja der, dass die "Historie" noch so neu ist, dass a) viele Leute sich noch erinnern und b) viele der dargestellten Leute außerdem noch leben, was es noch schwieriger macht mit den "künstlerischen Freiheiten".
Das ist aber evtl. ein Thema, das sich mehr anbietet wenn die Serie in einer Zeit angekommen ist, an die sich yours truly auch noch erinnern kann...;-)

Da jede Staffel den Anspruch hat ca. 10 Jahre zu umfassen, dürfte das nicht so lange dauern und darin liegt auch der Grund, warum für Season 3 und 4 das Casting nochmal komplett neu angelaufen ist. Man fand - und ich kann das nur befürworten - dass es besser sei Schauspieler zu casten, die tatsächlich der Altersgruppe entsprechen, die hier dargestellt werden soll, statt CGI-Facing oder furchtbare Make-Up Masken zu bemühen, um Menschen 40 Jahre älter aussehen zu lassen.
Da es mich unfassbar - eins meiner Liebslingsworte, wie wie im etc. letztlich feststellten;-) - annervt, wenn Frauen Mitte 20 für Faltencremes werben, muss ich diese Entscheidung einfach mal begrüßen.

Es stellt allerdings - und auch diesen Mut muss man mal positiv hervorheben - eine nicht geringe Hürde da, denn abgesehen von Dr. Who kenne ich eigentlich keine Serie, die mit dem Absprung oder Wechsel ihrer Hauptfiguren nicht zumindest einen kurzzeitigen Dip in Populatity hinnehmen musste.
Gut, hier hat man es angekündigt und man hat gute Argumente, aber mutig ist es trotzdem.

Und es ist noch mutiger, wenn man die Serie aus Drehbuch/Dialog Sicht gesehen hat - denn dann sollte aufgefallen sein, dass die Skriptschreiber von The Crown vor allem eines tun: Sie lassen ihre Figuren viel mit wenig sagen.
Ich glaube, wenn ich einen Wordcount für die Rolle der Queen in manchen Episoden durchführen würde, würde ich vielleicht nicht unbedingt auf dem Niveau von Jason Bourne oder Rambo landen, aber auch nicht so weit davon entfernt.
Das funktioniert hervorragend und ist einer meiner Lieblingsaspekte der Figur - ich möchte dringed die Art, in der Claire Foy 'Goodness' sagt in meinen aktiven Sprachgebrauch übernehmen - aber das ist eben der Punkt, den ich versuche zu machen: Die Schauspielerin setzt das Skript in einer Art und Weise um, die überzeugt und schafft es tatsächlich eine ganze Reihe von Dingen in einem Wort und einem Naserümpfen oder einem verrutschten Lächeln auszudrücken.

Ich würde gerne daraus irgendeinen Schreibtipp ableiten - und in der Serie gibt es viele Dialoge und Beziehungsmuster, die sich gut als Charakterstudie für Autoren eignen by the way - aber ich fürchte man braucht das visuelle Medium dazu, einsilbe Figuren machen auf der Buchseite zwar auch Spaß (wenn man es richtig macht), aber irgendwie anders.;-)

Die Castinentscheidung dürfte in jedem Fall damit nicht einfacher werden, aber ich hoffe sehr, dass sie eine Schauspielerin mit genug Erfahrung finden, damit diese Charakteristik erhalten bleiben kann...es wäre sehr schade ansonsten!
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