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02.02.2018

Finding Dory. Oder: Die Sache mit der Intertextualität

Ich bin immer gerne bereit zuzugeben, dass mein Film-Geschmack nicht der breit gefächerteste ist und im Zweifel würde ich immer einen nett gemachten Kinderfilm einem total tiefgründigen, emotional anstrengenden Drama vorziehen.
Warum? Weil es nicht so viel von mir erwartet und weil es mich unterhält, ohne mich runterzuziehen oder mental zu fordern. Man mag das faul nennen, aber ich stehe dazu.;-)


Trotzdem möchte ich kurz anhand von Finding Dory, dem letzten installment von nicht-so-furchtbar-tiefgründigen Pixar Filmen versuchen etwas allgemeines über Intertextualität zu sagen, das mir durch den Kopf ging, nachdem ich das Video vom Nerdwriter dazu gesehen hatte:




Ich finde den Ausdruck weaponized in dem Zusammenhang etwas schwierig und das liegt unter anderem daran, dass ich Originalität für einen grade in Hollywood zu viel gefütterten Mythos halte.
Wenn man es genug abstrahiert, hat es jede Idee, jedes Konzept und jede Figur schonmal gegeben und daher kann man immer einen Anpack finden, um "Kennen wir schon" als Totschlagargument gegen jede Geschichte einzusetzen, wenn man sich genug Mühe gibt.

Das "Aufwärmen" von Ideen ist also quasi unvermeidlich und da ist doch die Frage zu stellen, ob es nicht in gewissem Sinne den Vorwurf vorweg nimmt, wenn man sich ganz klar an erkennbaren Vorlagen orientiert?
Natürlich ist mir bewußt, dass es bei dem Konzept, das der Nerdwriter kritisiert eher darum geht seine eigene - dünne - Story durch Emotionen aufzuwerten, die durch die Nostalgiemomente aufkommen. Das mag sein und ist sicherlich auch ein billiger Weg Mängel in der eigenen Storyline oder den eigenen Charakteren zu kaschieren. Aber eben nicht nur.

Und hier kommt dann für mich Finding Dory ins Spiel, denn ich bin sicherlich nicht die Einzige, die Finding Nemo mehr als einmal gesehen hat und den Film in guter Erinnerung aus Jugendtagen abgelegt hat. Weil das so ist, brauchen viele Dinge in dieser "Fortsetzung" nur noch angedeutet werden und erzuegen sofort die richtige Stimmung, ganze Teile der Handlung (wie 1x durch den ganzen Ozean von a nach b reisen) lassen sich so in 30Sekunden erzählen, weil man einfach mit wenigen Pinselstrichen darauf hinweisen kann, dass man ja schonmal gesehen hat, wie die Charaktere diese Aufgabe meistern, also geht es jetzt um was anderes.

Deswegen stört mich hier der Rückgriff auf Altbekanntes überhaupt nicht, weil es hilft die story at hand knackiger zu erzählen. Und deswegen finde ich die Fortsetzung eigentlich sogar besser als das Original, weil die Entscheidung eine Hauptfigur zu wählen, die alle 5Minuten vergisst, was ihre Motivation ist, einfach mutiger war. Das macht die Backstory facettenreicher und wichtiger, als im ersten Teil und führt neue Figuren auf eine interessante Art und Weise ein.

Ich ziehe ein Pünktchen ab, weil der Film zum Ende hin doch etwas sehr abstrus wird, was schade ist, aber 4 von 5 Kinderwagen ist ja immerhin noch ein gutes Ergebnis - für den besten Film 2017 hat es allerdings nicht gereicht, schauen wir mal was mit 2018 ist.;-)

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