Falls man meinen Juli-Vlog gesehen hat, weiß man schon, dass zum sehr begrenzten Urlaubsprogramm in diesem Jahr ein Besuch in der Elbphilharmonie gehörte. Und ich gestehe, dass ich vor allem neugierig war, ob sich das Ding "gelohnt" hat was die Akustik angeht, denn soweit ich das erinnere, kamen alle anderen Features (Architektur, Tourismusappeal etc.) nicht unbedingt so gut an, dass sich die massiv ins bodenlose ausufernden Kosten irgendwie gerechnet hätten? Man korrigiere mich gerne, falls ich das falsch im Kopf habe, aber da sie gerade darüber nachdenken sämtliche kostenlosen Zugänge zu den Aussichtsplatformen abzuschaffen und Eintritt zu verlangen, kann das nicht so ganz rechnen, no?
Bevor wir aber gleich ein bisschen über das Gebäude sprechen, sollte ich vermutlich mal erzählen welches Konzert wir gesehen haben - keine Angst, ich werde nicht so tun, als wäre ich plötzlich ein Musik-Connaisseur oder so. ;-) Wir sahen ein Potpourri von Klassikern (pun intended) der Dyastie Strauss, dargeboten vom Strauss Orchester aus Wien. Und ich werde auch nicht so tun, als könnte ich Vater, Sohn, Enkel und Schwipp-Schwager auseinanderhalten, die hier irgendwas komponiert haben, aber zumindest die Melodien (Wiener Blut, Schöne Blaue Donau, Radezky Marsch) wird man kennen, es sind quasi die Charthits ihrer Zeit und damit als solche vor allem erstmal Unterhaltungsmusik, was definitiv nicht als Kritik gedacht ist. Strauss Konzerte - so erzählte uns das Programm - waren schon immer weniger streng und prätentiös high-brow, als die gemeine Wagner-Oper und sich selbst nicht ganz so ernst zu nehmen, ist ein sympathischer Charakterzug in fast jedem. ;-)
Dementsprechend gab es hier auch ein wenig Komödie zwischendurch, ein paar Zugaben, Einbindung des Publikums etc., also Dinge, die man in sinfonischen Konzerten vielleicht nicht immer erwartet, aber die auch definitiv nicht stören, wenn man keinen Stock im Arsch hat. Wir hatten ein paar Lieblingsmusiker im Ensemble, denen man ihren Spaß an ihrem Job deutlich ansehen konnte und auch wenn ich persönlich immer finde, Dirigenten spielen sich unnötig in den Vordergrund dafür, dass ihre Arbeit bei der Aufführung eigentlich schon getan ist, war es schon auch lustig jemanden mit vollem (!) Körpereinsatz mitgehen zu sehen.
Ich habe im Internet eine Aufnahme der Fledermaus-Ouvertüre gefunden, mit der auch "unser" Konzert eröffnet wurde, aber man merkt dem Ensemble leider an, dass sie wissen, dass eine Kamera auf ihr Gesicht gerichtet ist und die Energie ist zu 100% zurückgenommen - man stelle sich das also entsprechend dramatischer vor. ;-)
Das alles hatte also schon viel Schönes, aber ich muss nochmal auf die Sache mit dem bodenlosen Kostenloch zurückkommen, das dieses Gebäude war. Um mal die positiven Punkte vorwegzunehmen: Die Aussicht ist toll und die Akustik der Hammer. Besser kann man Orchestermusik kaum live hören, auch wenn wir jetzt ziemlich nah an der Action waren und ich nicht sagen kann, wie es auf den billigeren Plätzen war. Das lag aber auch daran, dass die Tickets erstaunlich erschwinglich waren - wir hatten tatsächlich die teuerste verfügbare Kategorie gebucht, die bei 130€/Ticket lag. Für die Köln-Arena haben wir schon mehr Geld ausgegeben und die hat definitiv weniger Flair.
Aber - man wusste, dass da jetzt ein Aber kommt, oder? ;-) - was ich nicht verstehe, ist nicht nur Finnisch, sondern auch warum die Logistik dieses Gebäudes so unfassbar seltsam ist? Auf unserem Ticket stand "Etage 13" und das war der 1. Oberrang, es gab insgesamt 4, man kann sich also vorstellen, selbst wenn man es noch nie gesehen hat, wie fucking hoch diese Schuhbox ist. Vom Taxistand bis zum Eingang im 8. Stock (don't ask me, es ist irgendwie im Hang gebaut im Hafenbecken, ich bin kein Architekt^^) fährt man noch über eine gefühlt 5km lange Rolltreppe, was noch kein so großes Hindernis für den Publikumsflow darstellt. Aber ab der 8. Etage klettert man entweder über Stufen weiter, oder hat die Option ganz genau 2 Aufzüge zu nutzen, die bis zur 16. Etage fahren - es gab zusätzliche, die nur zwischen 2 Etagen pendeln, aber will man 4x den Aufzug wechseln? Was bringt das? - und DAS ist ein Nadelöhr, das ich mir nicht erklären kann in einem Gebäude, das modernen Zugänglichkeitsstandards genügen sollte??
Wir waren ein wenig fußlahm aus verschiedenen Gründen, aber prinzipiell noch in der Lage ein paar Stufen zu gehen. Ich will mir nicht vorstellen was für ein absoluter Alptraum es sein muss diese Tortur mit dem Rollator oder Rollstuhl zu unternehmen. Und das in einem Gebäude, das - soweit mein böses Vorurteil^^ - in seinem Rahmenprogramm vermutlich nicht unbedingt ein Zielpublikum Mitte 20 hat?
Es erschließt sich mir nicht, dass wir es im 21. Jahrhunder a) immer noch nicht schaffen die Aufträge öffentlicher Gebäude so zu vergeben, dass nicht (aus böser Absicht, oder schierer Inkompetenz) massiv fahlkalkuliert wird, oder massic Gelder im Korruptionssumpt verschwinden und b) öffentliche Teilhabe für nicht-körperlich-vollkommen-fitte-Menschen immer noch so ein lahmer Nachgedanke ist. Wir sind alle nur vorrübergehend vollkommen körperlich fit, alt werden ist nichts für Feiglinge, egal wie sehr uns die Werbung weismachen will, dass wir für immer jung bleiben können. Also denkt das gefälligst mit, wenn ihr mit Steuergeldern um euch werft, damnit!!
Naja, trotz meinem kleinen Wutausbruch über 200 Menschen in 2 Aufzügen, würde ich das Konzerterlebnis an sich schon empfehlen - plant nur entsprechend und zieht vielleicht im Zweifel die bequemen Schuhe an. Style over Substance hat das Gebäude schon, ihr könnt es andersrum machen! ;-)














