Publikationen, Projekte, Persönliches

17.06.2024

Workshop Talk Juni 2024 - etc Folge 154

Unser Thema heute:

Wir sind wieder mal der Meinung, dass wir nicht viel getan haben in den letzetn Wochen und auch eigentlich kaum was zu erzählen - natürlich wird also eine fast 2stündige Folge daraus, man sollte uns inzwischen kennen. ;-) Diesmal reden wir vor allem darüber was Programmieren mit Schreiben zu tun haben könnte, wie man Selbstzweifeln begegnet und wie wir persönlich entschieden haben die Handlungsbrüche unserer mehrteiligen Serien zu planen. #deathbeforemarketing wird auch da wieder mal wichtig. ;-)

Enjoy!



14.06.2024

The Silent Sea. Oder auch: Ein weiteres Nicht-Problem

Ich war ja auf einem kleinen hard Sci-fi Binge und natürlich wollte mir Netflix dazu auch Dinge vorschlagen. Aber inzwischen bin ich ja glücklicherweise älter und klüger - man könnte auch sagen zynischer^^ - was Serien angeht, die Netflix mir vorschlägt und recherchiere jetzt immer erstmal ob die Sache auch ein Ende hat.^^ Nach einer Staffel abgesetzt? Nope, nicht mit mir. Man weiß noch nicht, ob die Serie abgeschlossen ist? Haha, ja nein danke, kein Bedarf mehr.

Das schränkt natürlich den Medienpool ein, aber im Zeitalter von soviel Auswahl, dass es schon zu Entscheidungsmüdigkeit führt, ist das ja nun nicht unbedingt was Schlechtes, no?;-)

Was uns zu The Silent Sea führt, einer koreanischen Serie, die auch keine 2. Staffel bekommen, aber grade deswegen auf ein Cliffhanger-Ende verzichtet hat. Könnten wir das bitte wieder normalisieren, danke?!

10.06.2024

Drive to Survive & Break Point. Oder auch: Anatomie einer Sport-Doku-Soap

Ich weiß nicht, ob Netflix jedem und seinem Hund immer alle Netflix Exclusive Formate empfiehlt, oder ob ich vielleicht doch eine Bad Sports, oder FIFA Skandale Doku zuviel gesehen hatte, jedenfalls war der Algorhytmus der Meinung ich müsste dringend mehr Sport Dokus in mein Leben integrieren. 

Es war eine Art digitaler Gruppendruck, unterstützt davon, dass quasi 99% meiner Kollegen und selbst ein paar YouTuber, mit denen ich nur eine parasoziale Beziehung pflege, immer wieder meinten "Drive to Survive ist so gut und ich interessiere mich eigentlich gar nicht für Sport/Formel1/Was auch immer".

Irgendwann war ich also weichgeklopft und so gelangweilt von True Crime Netflix, aber gleichzeitig so gelangweilt von Hausarbeit ohne Doku-Hintergunrdbeschallung (ja, mein Leben wäre einfacher, wenn mein Hirn Musik als interessant empfinden würde, what else is new?;-), dass ich bereit war das mal auszuprobieren.

Kann eine Doku-Serie nicht nur über Sport, sondern über den unnützesten, überprivelegiertesten, verschwenderischsten, umweltzerstörensten Sport ever (alledgedly in my opinion^^) wirklich interessant sein?

Und die Antwort ist ja - und nein.

Drive to Survive macht eines wirklich gut: Es präsentiert einen unnützen, überpriveligierten, verschwenderischen und umweltzerstörenden Sport als eine Art Soap-Opera mit kleinen und großen Dramen und Charakteren irgendwo zwischen halbwegs symphatisch, großmäulig-aber-ironisch und daher likeable und völlig absurd. Und die Doku ist zumindest ehrlich was die Politik und den ungezügelten Nepotismus angeht, der diesen Sport überhaupt möglich macht. "Du bist ein guter Fahrer? Tja dumm für dich, unser neuer Billionär-Sponsor will, dass sein Sohn für uns fährt, Ende der Geschichte."

Habe ich mich also regelmäßig gefragt, wie diese Leute leben können, ohne zu verstehen, dass ihr Lebensinhalt nutzlos Ressourcen verschwendet und das in keinster Weise irgendwie reflektieren? Ja schon. War die Doku grade wegen dem Soap-Opera/Geld&Politik Drama unterhaltsam? Schon auch.

Tatasächlich so unterhaltsam und für mich in diesem schwer zu erreichenden Sweet-Spot von "interessant genug, dass ich unterhalten werde beim Kochen & Putzen, aber über ein Thema, dass mich nicht so sehr interessiert, dass ich das Kochen und Putzen vergesse beim zuschauen", dass ich mich danach noch in eine andere "von den Machern von..." Doku habe reinziehen lassen. Quasi dasselbe Format, but make it Tennis, oder auch Break Point.

Diese Serie war nicht halb so interessant und wurde auch schnell wieder eingestampft und ich kann sehen warum. Einige "Internetstimmen" waren der Meinung, dass es vor allem daran lag, dass die großen Namen des Sports keinen Bock auf Netflix hatten, aber die Netflix Teams in der Formel1 mussten auch 1,5 Staffeln warten, bevor die Top Teams angefangen haben mit ihnen zu sprechen, das alleine kann es also nicht sein.

Für mich war das ausschlaggebende Argument, dass das ganze Boxengassen-Team-Drama fehlte. Tennis scheint ein sehr insulärer Sport zu sein und wie oft kann man die "Einzelkämpfer" Geschichte erzählen, während man Menschen dabei zuschaut wie sie am Druck ein Einzelkämpfer zu sein kaputtgehen - also körperlich, genauso wie mental, weil Leistungssport ist offensichtlich eine der ungesundesten Entscheidungen, die man so treffen kann im Leben und ich wünschte wir würden aufhören so zu tun, als wäre das nicht so.^^ 

Wenn man sich für Tennis interessiert, könnte es trotzdem vielleicht interessant sein, aber ansonsten ist die Formel1 (und wenn ich das sage...) hier einfach spannender, weil es fehlte mir einfach die Faszination des ungezügelten, quasi schon fatalistischen Nepotismus und der mafiösen Strukturen, die zumindest meine bösen Vorurteile bestätigen und wer will nicht ab und zu einfach gerne Recht haben? ;-)

07.06.2024

Historische Romane & ihre Sachbücher der 2. Versuch

Unser Thema heute:

Wir starten einen 2. Versuch mit dem Thema "Wenn euch diese (Art von) historische Geschichte gefällt, dann könntet ihr dazu dieses Sachbuch lesen".

Das Format ist diesmal ein wenig weiter gefasst, denn meine historischen Bücherregale sind nicht so ergiebig und außerdem wollte ich lieber über ein paar meiner liebsten Sachbücher sprechen - aber es hat tatsächlich alles noch mit dem Format zu tun, versprochen! ;-)

Enjoy!



TIMESTAMPS

00:00 Intro
04:19 The Personal Recollections of Joan of Arc (Mark Twain) & Joan of Arc - A Life Transfigured (Kathryn Harrison)
08:15 Josephine (Sandra Gulland) & Josephine - A Life of the Empress (Carolly Erickson) + Napoleon - The Man Behind the Myth (Adam Zamoyski)
15:23 Sherlock Holmes - The Definitive Collection (Arthur Conan Doyle) & The Invention of Murder (Judith Flanders)
19:24 From Hell (Alan Moore + Eddie Campbell) & The Five (Hallie Rubenhold)
23:18 1984 & Animal Farm (George Orwell) & Wifedom - Mrs. Orwell's Invisible Life (Anna Funder)
28:21 Outro

31.05.2024

Wifedom. Oder auch: Die Quellenkritik zu feminist rage Pipeline

Ein weiteres Buch meiner Women's Prize Long-List lag in der Post und wie vielleicht schon der Titel, das Cover, oder überhaupt alles daran verraten, befinden wir uns hier in einem leicht anderen "Genre" von Biographie.

Bevor wir aber dazu kommen, worum geht es ungefähr in Wifedom: Mrs Orwell’s Invisible Life geschrieben von Anna Funder?

Looking for wonder and some reprieve from the everyday, Anna Funder slips into the pages of her hero George Orwell. As she watches him create his writing self, she tries to remember her own . . .

When she uncovers his forgotten wife, it's a revelation. Eileen O'Shaughnessy's literary brilliance shaped Orwell's work and her practical nous saved his life. But why - and how - was she written out of the story?

Using newly discovered letters from Eileen to her best friend, Funder recreates the Orwells' marriage, through the Spanish Civil War and WW II in London. As she rolls up the screen concealing Orwell's private life she is led to question what it takes to be a writer - and what it is to be a wife.

Compelling and utterly original,
Wifedom speaks to the unsung work of women everywhere today, while offering a breathtakingly intimate view of one of the most important literary marriages of the 20th century. It is a book that speaks to our present moment as much as it illuminates the past.


27.05.2024

Workshop Talk Mai 2024 - etc Folge 153

Unser Thema heute:

Ein wenig verspätet wegen unerwarteter Krankmeldung, aber immerhin doch noch im Mai sprechen wir darüber was wir in den letzten Wochen so geschrieben haben - oder auch nicht geschrieben haben und dafür welche Serien wir gesehen und Bücher wir gelesen haben. Und kommen dabei natürlich nicht umhin über Handwerk, emotional Slapstick und Archetypencharaktere zu sprechen bzw. wie man mit Klischees trotzdem etwas interessantes erzählen kann (oder eben auch nicht;-).

Enjoy!


24.05.2024

Across the Spiderverse. Oder auch: Kampf der Tropes

Ich bin ja weiterhin bereit auf dem Hügel zu Sterben, dass Everything Everywhere der beste Multiversum-Film im "Kampf" der Multiversums-Filme ist, aber das Sony Spiderverse kommt auf einen sehr respektablen 2. Platz in meinem ganz persönlichen Ranking. ;-)

Von daher war es quasi unumgänglich, dass ich natürlich Spider-Man: Across the Spider-Verse anschauen würde - wenn auch nicht im Kino und auch erst, als alle ihre Hot Takes schon losgeworden waren, aber das dürfte niemanden mehr überraschen, no?

Ich bin noch ein wenig unentschlossen was diesen Film angeht, was hauptsächlich daran liegt, dass es 2 Bereiche gibt, in denen 2 Tropes miteinander im Klinch liegen und ich dankt des Cliffhanger-Endes noch nicht sagen kann, ob ich mag, wie dieser Kampf ausgeht...

Bevor wir aber dazu kommen, hier mal kurz der Trailer, damit wir wissen worum es geht. ;-)


20.05.2024

Listening to: A Closed and Common Orbit. Oder auch: Wholesome/Dark Sci-Fi?

Wir haben ja beim 1. Teil der Wayfarer Serie schon darüber gesprochen, dass cozy Sci-Fi eigentlich ein gutes Gegenkonzept zu diesem ganzen Plot über Alles Denken ist. Charaktergetriebene Genre-Fiktion, bei der auch mal nichts explodieren muss (und wenn ich das schon sage...;-). Das 2. Buch funktioniert aber auch ganz gur, als Gegenkonept zu GrimDark - nicht "alles ist düster und grausam", sondern "manche Dinge sind düster und grausam und manchmal brechen Menschen aus dieser Welt aus und werden trotzdem glücklich".

Bevor es jetzt aber noch kryptischer wird, worum geht es erstmal in A Closed and Common Orbit geschrieben von Becky Chambers, gesprochen von Patricia Rodriguez?


Lovelace was once merely a ship's artificial intelligence. When she wakes up in a new body following a total system shutdown and reboot, she has to start over in a synthetic body, in a world where her kind are illegal. She's never felt so alone. But she's not alone, not really.

Pepper, one of the engineers who risked life and limb to reinstall Lovelace, is determined to help her adjust to her new world. Because Pepper knows a thing or two about starting over.

Together Pepper and Lovey will discover that, huge as the galaxy may be, it's anything but empty.

17.05.2024

The Amber Spyglass. Oder auch: Demokratische Religion?

Der kleine Kompletist in mir ist immer sehr glücklich, wenn wir Serien beenden, daher habe ich darauf geachtet nicht schon wieder zu vergessen, dass wir eigentlich grade die Dark Materials lesen - und es passte ja auch gut zum Gegentrend der Sachbuchpause.

Lasst uns also mal kurz über den letzten Teil sprechen: The Amber Spyglass geschrieben von Philip Pullman

“We're going to the land of the dead and we're going to come back.” Will and Lyra, whose fates are bound together by powers beyond their own worlds, have been violently separated. But they must find each other, for ahead of them lies the greatest war that has ever been – and a journey to a dark place from which no one has ever returned… 

13.05.2024

Das Signal. Oder auch: Meine Liste von Nicht-Problemen

Ich sah einen Beitrag im Frühstücksfernsehen, der mir berichtete, dass "der Deutsche Film" in der Krise steckt und dass aber die limited Series Das Signal noch gedreht wurde, vor Ausbruch besagter Krise und daher noch viele Dinge macht und "darf", die man jetzt nicht mehr findet.

Ich möchte den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen mal unkommentiert lassen, weil ich keine Ahnung von deutscher Film- und Fernsehlandschaft habe, außer der sporadischen Game- oder Kochshow konsumiere ich da wenig (und bin damit vielleicht Teil der Krise, keine Ahnung...). Nachdem man mir aber erzählt hatte, worum es in der Serie geht (Verschwörung mit Raumfahrt) und was die Dinge sind, die man heute nicht mehr so machen dürfe (Vorhersehbare Twists und Überlängen), war ich zumindest interessiert genug, um mir die 4 Folgen bei Netflix mal an einem Abend zu geben, als das deutsche Fernsehen nur den üblichen Schrott zu bieten hatte.

Schauen wir erstmal kurz den Trailer zusammen, damit wir auch wissen worum es geht - danach erzähle ich dann so un-rantig wie es mir möglich ist warum ich Vorhersehbarkeit und Überlängen für absolute Nicht-Probleme halte und dann noch was dazu, was ich stattdessen gerne besser gemacht gesehen hätte. Erwartungsmanagement ist also entsprechend zu justieren und falls ihr nicht zum exklusiven Club der Unspoilerbaren gehört (wir haben Kekse!;-), dann sei vielleicht noch erwähnt, dass meine Kritik sich hauptsächlich auf die letzte Folge bezieht, man also vermutlich zuerst die Serie kuken sollte. Ich kann das nur empfehlen!


 

Ich mag sci-fi, die tatsächliche Raumfahrttechnik enthält, das dürfte man inzwischen wissen und wenn es ein Symptom der Nicht-Krise ist, dass die Serie tatsächlich in überzeugend nach Weltraumstation (oder auch Wüste, DDR etc.) aussehenden Locations gedreht werden durfte, dann ist das schonmal ein großer Pluspunkt! Als Nicht-Konsument von deutschem Fernsehen kannte ich die Hauptdarsteller (wenn überhaupt...) auch eher aus den besagten Quiz- und Kochshows und kann trotzdem (oder grade deswegen...?) vermelden, dass ich das Casting durchaus gelungen fand. Wenn ich einem Kritikpunkt des Frühstücksfernsehmenschen zustimme, dann vielleicht dem, dass die kulturellen Klischees bei dem Nebencharakter-US-Astronauten vielleicht ein wenig weniger cringe hätten sein dürfen, aber da der so unfassbar wenig Screentime hat, wars dann auch schon Meckern auf hohem Niveau. ;-)

Und da wären wir dann auch schon bei meinem kurzen (ich versuche es!) Exkurs zur Kritik an der Kritik, denn ich fand beide vorgebrachten Punkte stachen in eine wunde Stelle und haben mich ein wenig aufgeregt, nicht nur, weil ich sie in Bezug zu dieser Serie unzutreffend finde, sondern auch im allgemeinen Mediendiskurs ... unhilfreich? 

Fangen wir mal mit der Vorhersehbarkeit an: In dieser Serie wird uns ein Mysterium (verschwundene/getötete Astronauten) präsentiert und jede Folge fügt ein wenig Neues zur Aufklärung bei. Ich fand das großteilig sehr gut gemacht, angefangen bei der "unzuverlässigen Erzählerin" Paula, bis zu den Genre-Konventionen von Militär- und Geheimdienstverschwörungen. Dass man so einen Plot als "vorhersehbar" kritisiert, zeigt für mich nur, dass wir verlernt haben ein gut gemachtes Foreshadowing wertzuschätzen, denn ich fand absolut, dass es genug Überraschungen im Wie und Warum des Plots gab, dass ich nicht im Traum daran gedacht hätte zu kritisieren, dass das Was passiert einigermaßen erwartbar ist, einfach weil das nicht der erste Verschwörungsthriller ist, den ich jemals gesehen habe und Genre-Konventionen zu folgen NICHT gleichbedeutend ist mit mangelnder Originalität. Aus dieser Gleichsetzung und der Erwarungshaltung von jedem Twist "weggeblasen" werden zu müssen, entstehen dann Serien wie 1899, die irgendwann nur noch absurde Wendungen einbauen, die deswegen niemand kommen sehen konnte, weil sie durch absolut nichts vorbereitet werden und deswegen progressiv weniger und weniger Sinn ergeben. Wenn Storytelling nur darauf ausgerichtet ist ohne Sinn und Verstand den größtmöglichen Schockeffekt zu erzeugen, kommt dabei irgendwann nur noch Bildsalat raus und ich bin absolut dagegen das zu unterstützen. Maybe that is also just me ...

Und bei der "Überlänge" sehe ich einen ähnlich schädlichen Trend - die kapitalistische Prozessoptimierung der Kunst. Klingt prätentiös, aber ich kann erklären, was ich meine. Diese Serie enthält einige Handlungsstränge, die die Zuschauererwartung in eine falsche Richtung lenken (kurzfristig) und am Ende hauptsächlich für die Charakterentwicklung (langfristig) interessant sind. So etwas als Überlänge zu definieren, folgt dem "alles raus was nicht essentiell zum Plot beiträgt" Trend des Storytellings, der sich mir nur unter Finanzoptimierungsgründen erschließt - warum Papier bezahlen für Buchszenen, die nicht absolut notwendig sind, warum Szenen bezahlen, die den Filmplot nicht zu 100% weiterbringen? Als Zuschauer fand ich gerade die Szenen interessant, die uns etwas über die Menschen erzählen - über diese Szenen habe ich im Nachhinein nachgedacht, nicht über das Jump N Run der Actionsequenzen, egal wie essentiell sie für den Plot waren.

Natürlich gibt es auch schonmal Geschichten, die länger sind, als sie sein müssten, weil es Szenen gibt, die weder für den Plot, noch für die (Charaktergetriebene) Story viel leisten, aber hier habe ich das absolut nicht gesehen. Und vielleicht bin das wieder nur ich, aber es enttäuscht mich immer ein wenig, wenn selbst Kritiker, die dafür bezahlt werden im Fernsehen ihre Meinung kundzutun oft die Arbeit von Kreativschaffenden so wenig wertschätzen, dass jedes Stilmittel, das sich nicht sofort erschließt, sofort zu einem handwerklichen Fehler, oder Makel erklärt wird. Und je weiter wir in dem Spannungsfeld von Kunst und Kapitalismus in die "Filme/Serien/Bücher sind Geldanlagen" Ecke tendieren, desto mehr werden wir mit dieser Prozessoptimierung konfrontiert, die alles was "riskant" ist herauskürzen möchte. Dieses Sicherheitsbedürfnis und der Wunsch eine Checkliste für finanziellen Erfolg an Geschichten anzulegen, kann man in vielen Bereichen beobachten, aber müssen wir dem auch noch unter die Arme greifen, indem wir gleich über Überlänge jammern, wenn nicht jede Szene dem Streamlining eines Plot folgt? Das ist genau die Art von "Storytelling" für die Produktionsfirmen am liebsten AI einsetzen würden, Roboter sind viel besser als wir darin ein Schema F immer und immer wieder zu reproduzieren. Aber wollen wir auf Dauer Unterhaltung, die wie Systemgestronomie funktioniert? Sicher, so ein McDonals Burger ist schnell verfügbar und "sicher", weil man genau weiß was man bekommt und manchmal ist das auch genau was man grade will - aber sollte das dazu führen, dass all unser Essen so gestreamlined ist, dass man schon komisch angekukt wird, wenn man sich lieber in Ruhe hinsetzen und 3 Gänge genießen will? ;-)

Ok genug Metapher und Mediendiskurs für heute, was war sonst noch? Ich fand die Serie sehr gut, hat man vielleicht gemerkt. Ich schaue nicht viel deutsches Fernsehen, aber Das Signal hat mich besser unterhalten, als so ziemlich alle Hollywoodproduktionen aus der näheren Vergangenheit. Das Ende war mir ein wenig coincevenient an Stellen - Spoiler: die böse Billionärin ist am Ende einfach zu blöd ihren Mordplan auch durchzuziehen, das schmeckte nach Protagonisten-Rüstung... - und ich hätte mir ein wenig mehr Alien-Message gewünscht. Die Sache mit der Sonde war auf ihre Art schon nett gemacht, aber zumindest ein Alien Grafiti oder so hätte man draufmalen können, oder? Das hätte auch die hehre Botschaft nicht wirklich gestört zum Schluss ...

Aber ich verbuche das mal unter Meckern auf hohem Niveau und vergebe trotzdem 4,5 von 5 Käfern (if you know, you know...), weil Kunst nicht perfekt sein kann und muss.

10.05.2024

Netflix für Übernatürliches: Death by Magic & Alien Prophet

Es war mal wieder Zeit ein paar Abende, an denen ich vor allem entweder konzentriert arbeiten, oder völlig ohne Hirnzellen einzusetzen zocken wollte, mit Hintergrundbeschallung zu füllen und wie man weiß, ist die gemeine Netflix-Dokuserie mein Format der Wahl was das angeht. ;-)

Die beiden Exemplare, die heute zur Begutachtung ausgewählt wurden, unterscheiden sich allerdings signifikant in Ton und Absicht, das eine ist mehr oder minder eine dramatisierte Zaubershow und das andere mehr eine True Crime Geschichte - nur damit wir das gleich mal klargestellt haben.

Fangen wir mal mit der leichteren Kost an, denn trotz des düsteren Titels wird es in Death by Magic selten wirklich morbide. Die Prämisse an sich klingt erstmal auch wenig kompliziert, der Host (selbst Illusionist) setzt sich die Aufgabe Magietricks zu wiederholen, bei denen andere Magier schon gestorben sind.

Das Ganze wird pro Folge als "Research Trip" mit finalem Showdown verpackt, aber ist es eigentlich nicht wirklich - hauptsächlich sieht man ihm dabei zu, wie er "willkürlich ausgesuchte Passanten" mit seinen Fähigkeiten verblüfft, meist nur sehr tangentiell mit dem nachzustellenden Trick verbundene Selbstexperimente macht und am Ende meistens nicht mal wirklich den Trick vorführt, um den es geht, sondern eine dramatischere, oder auch einfach schlicht abgewandelte, weil überlebbare, Variante davon. Das klingt jetzt alles sehr negativ und das vermutlich zu Unrecht, denn wenn man nicht so zynisch ist wie ich und alles im Fernsehen für gestellt hält, dann kann man sich schon ganz nett unterhalten lassen. Ich persönlich mag halt lieber die Art von Mentalisten, die einfach Menschen so unfassbar lesen können, dass sie ohne Smoke & Mirrors für ihre Tricks auskommen, but maybe that is just me. ;-)


 

Ich weiß jetzt nicht, ob wir bei Mentalisten, die Menschen lesen können eine gute Überleitung zu den Raelianern finden, aber irgendwie müssen Sektengurus das ja schon auch hinkriegen, weil die meisten davon sind so hässliche Buckelfipse (hallo Keith Raniere^^), dass ich absolut nicht verstehen kann wie Leute ihnen irgendwas glauben, oder ihnen auch nur die Hand geben wollen, geschweige denn Geld oder Sex. Aber das scheint definitiv ein Problem mit meinem Alltagszynismus zu sein, denn in der Netflix Doku lernen wir immerhin, dass es immer noch Leute gibt, die auf die Ankunft unserer Alien Götter warten - hat diese Sekte eigentlich die Drehbuchberatung für Prometheus gemacht? Das würde einiges über den Film erklären... Ansonsten geht es sehr viel im Menschenklonung, aber abgesehen davon, dass das scheinbar ein großer Publicity Stunt war, kann ich nicht wirklich daran glauben, dass wir in naher Zukunft (geschweige denn in den 90ern^^) Klonbabies zu erwarten haben.

Ich will mich nicht zu sehr lustig machen, dafür sind Sekten und was sie ihren Anhängern zumuten ein zu ernstes Thema, aber wenn - im Sinne von falls!! - die Vorwürfe von Kindesmissbrauch tatsächlich unwahr sein sollten, konnte ich hier zumindest außer der üblichen körperlichen und finanziellen Ausbeutung nicht viel an Hasspredigt oder Selbstmordglorifizierung finden. (Und ja, das ist eine sehr niedrige Hürde, man muss den Satz nur mal langsam lesen...) Aber in der Welt, in der wir nunmal leider leben, ist es mir ziemlich egal, ob Jesus ein Inka oder Marsmensch war, solange die Leute, die das glauben mich und andere in Ruhe lassen.^^

03.05.2024

Camp NaNo Vlog April 2024 Teil 2

Unser Thema heute:

Mit ein wenig Verspätung wollen wir dann doch noch über die verschiedenen Rückschläge (vor allem Zipperlein) und Erfolge (vor allem kreativ!) des April Camps sprechen.

Es gab Wetter, Gartenarbeit, viel Kaffee und am Ende einen produktiven Monat, auch wenn es sich zuletzt nicht so anfühlte! ;-)

Enjoy!



TIMELINE
00:00 Intro
00:46 18. April - Was bisher geschah
05:11 20. April - der Anfang des Endspurts
08:57 24. April - Ab hier folgt die Kür
16:48 27. April - Planänderungen Teil 1
21:26 29. April - Planänderungen Teil 2
26:18 02. Mai - Final Thoughts
33:21 Outro


29.04.2024

The Subtle Knife. Oder auch: Wie man Kinder schreibt

Ich sollte mich mal wieder daran erinnern, dass ich nicht ausschließlich Sachbücher lesen wollte dieses Jahr, wobei mir der Women's Prize shopping spree natürlich irgendwie dazwischenkam - falls es interessiert, es gibt natürlich ganz normal auch einen Preis für Fiction, aber irgendwie ist da Genreliteratur untervertreten und ich hab auf moderne Literatur in 9 von 10 Fällen keine Lust, also nicht so eine vielversprechende Quelle. ;-)

Bevor ich aber irgendwas neues anfange, dachte ich, sollte ich vielleicht mal die Serie zuende lesen, die ich im Dezember angefangen hatte, also kommen wir mal zu: The Subtle Knife geschrieben von Philip Pullman, Teil 2 der Dark Materials Trilogie.

Will has just killed a man. He's on the run. His escape will take him far beyond his own world, to the eerie disquiet of a deserted city, and to a girl, Lyra. Her fate is strangely linked to his own, and together they must find the most powerful weapon in all the worlds...

26.04.2024

Listening to: Young Queens. Oder auch: Neue Historienschreibung

Ich bin ja chronisch nicht gut darin - und oft nichtmal sonderlich interessiert daran - aktuell in meinem Medienkonsum zu sein. Ich finde es soviel entspannter einzusteigen, wenn alle anderen ihre Hot Takes schon verschossen haben und ich mich wieder in dem Bewusstsein sonnen kann, dass eh kaum noch wen interessiert, was ich jetzt noch zu sagen haben könnte. No pressure und so... ;-)

Aber nachdem ich herausfand, dass es in diesem Jahr einen Women's Prize für Sachbücher geben wird, konnte ich mich natürlich nicht zurückhalten. Die Longlist wurde im Februar herausgegeben und 3 Bücher habe ich mir schon gesichtert, das erste Young Queens geschrieben von Leah Redmond Chang.

Ist irgendwer überrascht, dass ich das Buch zuerst haben musste, das tangentiell was mit Tudors zu tun hat?! Dachte ich auch nicht. ;-)


Catherine de' Medici, Elisabeth de Valois and Mary, Queen of Scots lived together at the French court for many years – years that bound them to one another through blood and marriage, alliance and friendship, love and filial piety. When they scattered to different kingdoms, they would learn that to rule was to wage a constant war against the deeply entrenched misogyny of the sixteenth century. A crown could exalt a young woman. Equally, it could destroy her.

Young Queens masterfully weaves the personal stories of these three queens into one, revealing their hopes, dreams, desires and regrets at a time when even the most powerful women lived at the mercy of the state.

22.04.2024

Workshop Talk April 2024 - etc Folge 152

Unser Thema heute:

Wir sind eigentlich wieder mal der Meinung, dass wir nichts zu erzählen haben, außer dem üblichen schreiben - überarbeiten - wiederholen, aber schaffen es dann natürlich trotzdem 1,5 Std zu füllen. ;-)

Also eigentlich business as usual, aber ein paar interessante Beobachtungen zu Plotentwicklung, Selbstbeobachtung und Feedbackauswertung sind durchaus dabei zustande gekommen. 

Enjoy!

 



19.04.2024

Camp NaNo Vlog April 2024 Teil 1

Unser Thema heute:

Irgendwie ist es schon wieder April und irgendwie ist es schon 4 Monate her seit ich mal *nicht* überarbeitet habe. Es wird also dringend Zeit für den Anfang vom Ende - den Beginn von Rohfassung 5 von 5 und andere weniger einschneidende Ergebnisse. ;-)
 

 

TIMESTAMPS
00:00 Intro
00:40 4. April - Zeitreisen Intro & Plan
05:33 2. April - Nach-Feiertags-Koma & Beginn
09:20 3. April - Babysteps in jeglicher Hinsicht
16:58 8. April - Kein Gartenupdate Teil 1 & Wochenend-Recap
22:33 11. April - Kein Gartenupdate Teil 2 & Pausendisziplin
27:12 14. April - Generelle Unzufriedenheit & Motivationsversuche
31:39 16. April - Kurze Zusammenfassung
33:30 Outro


15.04.2024

Netflix Documentaries: Trip to Infinity & Einstein and the Bomb

Ich weiß, wir hatten ein wenig viel Bildschirm-Content in letzter Zeit und wenig Bücher - ich hatte einfach eine lange Phase von "ich lese 2 Seiten am Tag und das war's" und musste mich ein wenig davon ablenken, aber es wird besser, versprochen! :-)

Bis dahin, habe ich aber noch 2 eher kurze Netflix-Dokus für euch und ausnahmsweise geht es mal nicht um TrueCrime, es sei denn wir zählen Kriegsführung dazu, was mein pazifistisches Herz nicht ganz falsch fände, aber vermutlich nicht zutrifft.

Beide Dokus featuren auch Einstein, weswegen sie im selben Post gelandet sind, auch wenn sie in Ton & Inhalt wirklich nicht wirklich etwas miteinander zu tun haben.

Fangen wir mal mit Trip to Infinity an, eine Doku von der ich hauptsächlich das Infinity Hotel in Erinnerung habe und von der ich nicht wirklich weiß, wie ich sie beschreiben soll ... aber dafür gibt es ja Trailer, also here goes:


So wissen wir jetzt mehr? Nicht? Hmmm ... ja ich auch nicht. ;-) Mehr oder minder beschäftigt sich die ganze Doku damit wie schwer greifbar das Prinzip von Unendlichkeit für den menschlichen Geist ist und wie wir öfter mal so tun, als wüssten wir wovon wir sprechen, aber eigentlich immer immer immer viel zu klein denken, um das Konzept wirklich zu erfassen.

Hat das jetzt einen praktischen Nutzen? Brauchen wir wirklich ein gutes Verständis von Unendlichkeit, um im Alltag zu funktionieren? Vermutlich nicht, aber es hilft manchmal seine eigene Perspektive zu hinterfragen und Unendlichkeit ist eine perfekte Möglichkeit dazu. ;-)

Einstein and the Bomb ist dagegen eher das Dokuformat, das man erwartet, wenn man den Titel hört - zumindest thematisch. Stylistisch finden wir uns hier in einem anderen Sub-Genre von Doku, das bei Netflix auch öfter schonmal gefeatured wird und ich jetzt mal als "Schauspieler lesen Originalquellen" zusammenfasse.

Im College Scandal hatten wir das auch schonmal, Schauspieler, die vor allem originale Telefonprotokolle vorlesen, die während der FBI Operation abgefangen wurden. Hier haben wir Schauspieler, die vor allem Szenen spielen um einen "Einstein", dem man Dinge in den Mund legt, die die reale Person Einstein irgendwann mal gesagt hat.

Finde ich ein wenig fiktionaler trotz allem, weil Kontext schon auch schonmal wichtig ist ... außerdem tun alle um ihn herum so, als hätten sie sofort verstanden wie schrecklich gefährlich so eine atomare Kettenreaktion ist und ich so ... ja klar, jeder kapiert so eine theoretische neue Technologie sofort, warum auch nicht? Vielleicht bin ich auch einfach zu dumm, mag durchaus sein. ;-)

Insgesamt fand ich die Doku nicht uninteressant, aber über "Einstein und die Bombe" erfährt man relativ wenig - die meiste Zeit verbringen wir damit zu erklären warum Nazis böse sind, was ok zutreffend und so, aber ein paar Historiker:innen und ihre Einschätzungen reinzubringen, hätte mehr über Kontext und Zusammenhänge und evtl. Dinge erklärt, die man aus den Originalquellen und Aussagen herauslesen kann. Oder vielleicht höre ich einfach gerne Leute historische Zusammenhänge einordnen, mag eine Berufskrankheit sein. ;-)

12.04.2024

A Quiet Place. Oder auch: Das Problem des Over-Showing

Manchmal kann man sich ewig nicht entscheiden welchen Film man sich ansehen will und manchmal wird einem die Entscheidung abgenommen - zum Beispiel, wenn Netflix der Meinung ist, dass du Dinge auf deiner Liste nach Jahren eigentlich nie wirklich sehen wolltest und sie auf die Abschussliste setzt.

Bevor es aber dazu kam, habe ich mir auf den letzten Drücker dann doch noch A Quiet Place angeschaut, obwohl mir der Sinn eigentlich nicht so sehr nach Monster-Horror steht gerade - ich bin noch nicht sicher, ob das so eine gute Entscheidung war, denn mir gefiel der Film weniger gut, als ich gehofft hatte, aber das soll ja niemand anderen abhalten. ;-)

Bevor ich jetzt aber gleich dazu komme, warum ich die 2. Hälfte ein wenig unterwältigend fand, hier erstmal der Trailer, damit wir wissen worum es (ungefähr) geht.


 

05.04.2024

YouTube für Kultisten

Ich bin aus verschiedenen Gründen vor einiger Zeit mal in ein Recherche-Loch zu pseudo-religiöser Propaganda gefallen - nein, es hatte nichts damit zu tun, dass mal wieder irgendwelche Mormonen vor meiner Tür standen, die sind wenigstens immer relativ leicht abzuwimmeln ;-) - und bin unweigerlich irgendwann bei Scientology gelandet, weil ... naja wenn man Jesus und seine unbefleckte Empängnis schon weird findet, dann wird es mit "meine Religion beruht auf Pulp-Science-Fiction" ja nur weirder.^^

Lange Vorrede, kurzer Sinn, ich habe 2 YouTube Kanäle aufgetan, die sich hauptsächlich mit den vielen, vielen halbseidenen Geschäftspraktiken von Kirchen und Celebrities beschäftigen und manchmal auch den Überschneidungen.

Ich hab euch mal die Videos verlinkt, die in meinem Kaninchenloch auftauchten, aber beide Kanäle haben auch ein paar andere durchaus interessante Videos. Falls ihr also mehr Kultisten in eurem Leben braucht und so...

Not the Good Girl

&

Coffee & Cults helfen euch da weiter! ;-)

01.04.2024

23 "Wir lernen uns kennen"-Fragen aus dem Internet, weil es April ist

Unser Thema heute:

Es ist der 1. April und ich hatte nichts besonders gewichtiges zu besprechen, also machen wir heute mal ein just for fun Video mit 23 Fragen, die angeblich helfen sollen das Gegenüber besser kennenzulernen - schauen wir mal, ob es funktioniert, wenn ihr meine Meinung zu irgendeinem Thema ändern, oder einfach selber ein paar Fragen beantworten wollt, fühlt euch frei dem Impuls nachzugeben! ;-)

Enjoy!



TIMESTAMPS
00:00 Intro
02:15 23 Questions
20:05 Outro