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08.05.2026

Listening to: Stolen Crown. Oder auch: Neue Quellen in der Tudor-Forschung?!

Wir unterbrechen das übliche Programm für eine kleine Tudor-Pause - wobei man natürlich argumentieren könnte, dass Tudors in dieser Internetecke eher Standardprogramm, als Abweichung sind. ;-)

Aber ich war über Ostern bettlägerig mit einer fiesen Erkältung und brauchte Aufmunterung und daher schauen wir heute mal worum es geht in The Stolen Crown geschrieben und gesprochen von Tracy Borman:


In March 1603, Queen Elizabeth I, the last Tudor monarch, lies dying at Richmond Palace. The queen's ministers cluster round her bedside, urging her to name her successor - something she has stubbornly resisted throughout her reign. Almost with her last breath she whispers that James VI of Scotland should succeed her.

Or so we've been led to believe.

But, as enthralling new research shows, this is not what happened. Elizabeth went to her grave without formally naming an heir. The notion of an approved succession from Tudors to Stuarts is little more than an elaborately constructed fiction - a fiction that went on to have devastating consequences. The Stuart regime rapidly descended into turbulence and uncertainty, conspiracy and persecution, witchcraft and gunpowder.

With a combination of rigorous research and brilliant storytelling, The Stolen Crown takes us behind palace doors to reveal the secret history of the Tudor succession.

Archeologie und Geschichte haben ja zuweilen dasselbe Problem, wenn immer mal wieder behauptet wird "aber es gibt doch nichts mehr zu entdecken". Das ist natürlich völliger Humbug, denn wie wir in diesem Buch sehen, werden immer wieder mal neue Versatzstücke gefunden und neue Technologien ermöglichen ab und zu erstaunliche neue Einblicke in bekannte Quellen. Aber auch ganz allgemein ist GeschichtsSCHREIBUNG natürlich auch immer ein Narrativ und das beinhaltet eine eingebackene Sichtweise, Zeitgeist und Weltvorstellung, die es sich immer wieder lohnt neu zu hinterfragen (auch wenn sich Menschen wie Ms. Beard darüber beschweren, warum wir die guten alten Quellen ständig anzweifeln müssen^^).

Trotzdem kommt es nicht so oft vor, dass man mir neue Quellenerkenntnisse aus der Tudorforschung präsentiert, also war ich hier schonmal bereit wie ein kleines Kind zu Weihnachten um ein neues Geshenk herumzutanzen. ;-) 

Im konkreten Fall hat man die bekannte Camden Chronik um ein paar "stark überarbeitete" Seiten ergänzt und unter den diversen Streichungen mit Scannern die halbwegs "ursprüngliche" Version hervorzupuhlen versucht, die so gar nicht danach klingt, als wäre der gute James der so alternativlose Thronerbe gewesen, wie es in der königlich abgenommenen finalen Version so behauptet wird.

Und man muss vielleicht auch ein wenig Mitleid mit dem armen Autoren haben, der sich mit anderen Chronisten über das Übel beklagen konnte wie anstrengend es ist einen Mittelweg zwischen faktischer Darstellung und royaler Einmischung zu finden ... zumindest wollte ich ihm zwischendurch mal tröstend auf die Schulter klopfen. ;-)

Ob nun die "gestohlene" Krone auf irgendeinem Kopf der anderen Anwärter besser aufgehoben gewesen wäre, lasse ich mal dahingestellt. Ich bin kein Freund der Stuarts an sich, Hexenjäger sind einfach nicht mein Vibe allgemein, aber man muss zumindest festhalten, dass die meisten Alternativen entweder unwillig, oder unvorbereitet waren ... aber who knows, ich lasse mir gerne ein AU präsentieren, wenn jemand einen starken Kandidaten weiß?

Bis dahin habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und wieder mal ein annekdotisches Argument, um zu widerlegen, dass man schon alles weiß heutzutage - das allein verlangt ja eigentlich schon 5 von 5 Federkiele, no? ;-)

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