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15.12.2017

Kong. Oder: Affe ohne blonde Frau geht besser

Es ist vollbracht, unser neues Internet läuft und so kann endlich auch die Watchlist wieder in Angriff genommen werden - mit der Einschränkung, dass wir feststellen, dass man auch mit Maxdome und Amazon Prime manche Filme einfach nicht zu sehen bekommt, wenn man sie nicht kaufen will, aber das ist ein Rant für einen anderen Tag maybe.

Zum Neustart durfte der Mann einen Film aussuchen und hat für mindless monster movie (aka Kong: Skull Island) plädiert - ich war etwas sekptisch, weil der Reboot von Godzilla war jetzt mal sehr naja und der Rant zu Jurassic World ist ja auch hinlänglich bekannt, aber rules are rules.;-)


Um es mal vorab zu sagen:
Ich fand den Film nicht schlecht. In gewisser Weise fand ich ihn sogar besser als den Peter Jackson Kong, auch wenn der natürlich sehr viel näher an der Originalstory war. In anderer Weise wieder auch nicht, aber vielleicht besser mal der Reihe nach. (keine Spoilerrücksicht, wie immer)



1.  Ich muss einfach mal festhalten, dass Loki ein viiiiel besserer Zoo-Lord ist, als Zoo-Lord aus Jurassic World. Ehrlich, hätte ich Tom Hiddelston nicht zugetraut den schwitzigen Unterhemden Look, aber man hat ihm zum Glück nicht gesagt, dass er ständig die Brust rausstrecken und immer schön die Stöckelschuh-Frau retten soll. (ok jetzt wird's doch rantig, aber dieser Plot war auch so!! schlecht!!)

2. Der Affe funktioniert viel besser ohne die Weiße Frau. Natürlich bin ich mir bewußt darüber, dass auch dieser Film eine weibliche Hauptrolle hat, aber im Gegensatz zum Original hat man hier die Story ein wenig "wissenschaftlich" angehoben, also ist die übliche "Lone Woman" im Cast wenigstens Anti-Kriegs-Fotografin und nicht blondes Filmsternchen. Man mag mir vorwerfen ich würde die Vorlage zu wenig wertschätzen, aber ich finde das gut. Außerdem gibt es dem "Affe rettet weiße Frau" Thema, das sie ja beibehalten haben, eine ganz andere Motivation (ja, auch Monster brauchen eine Motivation, siehe Godzilla^^). Kong ist also nicht komisch, unwahrscheinlich in die weiße Frau verknallt, er rettet sie, weil Menschen retten/beschützen das Ding ist, dass er schon immer hatte und jetzt einfach von "seinem" Stamm Eingeborener auf die Good Guys der Story ausgeweitet hat. Über biologische Wahrscheinlichkeiten kann man jetzt immer noch streiten, aber symbiotische Lebenverhältnisse bekommen von mir weniger gehobene Augebrauen als cross-species Romanzen.

3. Das hier ist ein Film über King Kong, das heißt wir sehen King Kong Dinge zerschmettern ungefähr 2 Minuten nachdem der Film angefangen hat. Das lobe ich mir, hier kann man niemandem Irreführende Werbung vorwerfen, ein Film über ein Monster, in dem es um den Kampf gegen Monster geht und nicht um komische Daddy-Issues oder warum Business Barbie und Zoo-Lord sich nicht mögen, ist ja fast schon erfrischend. Und meistens gehen diese "wir wollen irgendwas tiefsinniges mit Monstern" erzählen Dinger ja sowieso in die Hose, weil die Leute wegen der Monster (oder Dinosaurier) ins Kino gehen und (wenn sie ich sind) sich sowieso nur die Stirn wundschlagen wegen der abgründig schlechten Dialoge.;-)

Soviel zum Positiven, jetzt noch der Abzug:
 Der Apocalypse Now Einschlag macht den Konflikt ein wenig glaubwürdiger, aber nur ein bißchen. Samuel L. Jackson hat es bei mir momentan nicht leicht, weil er schon wieder einen Bösewicht spielt, der sich mit einer (wie ich finde) sehr dünnen Argumentationsgrundlage in die Scheiße reitet...
Nun ist Kriegstrauma und Djungle-Madness noch ein wenig weniger unglaubwürdig als ein Plan, der den zentralen Bestandteil hat, dass Menschen damit einverstanden sein müssen sich Kontrollchips ins Hirn pflanzen zu lassen (wer würde da nicht Ja sagen?^^), aber auch irgendwann nicht mehr. Zum Beispiel wenn man sich fragen lassen muss, warum man 20 Leute auf eine Suicide Mission schickt, um den Tod von 7 Leuten zu rächen...da muss man wohl beim Bund für gewesen sein, damit das Sinn macht.
Geldgier und "wir fangen das Monster für einen Zoo/eine Las Vegas Show/Sonstwas" ist da ein wenig logischer - zumindest um dem Monster hinterherzulaufen, während die Militäreskorte hier eigentlich mal den Auftrag hatte, die Zivilisten zu schützen und von der Insel wieder runterzubringen. Aufgabe verfehlt, wie man bei Hausaufgaben sagen würde, wenn ihr mit dieser Einstellung zu Missionszielen eure Kriege führt, ist das klar warum ihr nicht gewinnt.^^
Und dann diese Slow-Motion Hero-Shots...wer auch immer hier so verliebt in die Napalm Nahaufnahmen gewesen ist, hat definitiv zuviel Apocalypse Now und Heart of Darkness konsumiert für meinen Geschmack - der "irgendwas taucht in Zeitlupe aus Feuer und Explosionen auf" Effekt ist also quasi die rausgestreckte Brust dieses Films, irgendwer hat's überstrapaziert und irgendwann wirkt es ein wenig unfreiwillig komisch.;-)

Da aber Jurassic World allein für den Look trotzdem noch 3,5 als Wertung abgestaubt hat, muss ich hier natürlich einen drauf legen. Für mindless monster Unterhaltung, die glücklicherweise auch nicht wirklich was anderes sein will - außer vielleicht noch die kleine "Soldaten kennen nur eine Konfliktlösung und die bringt niemanden weiter" Eingabe mitzunehmen, die jetzt weder überraschend ist, noch viel Screentime frisst - kann man 4,5 von 5 Echsenköpfen auch durchaus rechtfertigen. Mal sehen, ob der angedachte re-re-reboot von Godzilla auch wieder ein wenig weniger facepalm Potential mitbringt.;-)
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