Es ist ja ein beliebtes Format Geschichte aufzuarbeiten: London in hundert Objekten oder das Römische Imperium in 100 Tagen oder sowas. Wir machen demnächst noch was zu Vikinger-Ausgrabungen, das ungefähr so funktioniert, aber bis dahin lasst uns mal über diese Biographie in 24 Tagen sprechen - und sehen, ob sie mir Queen Victoria irgendwie sympathischer macht. ;-)
Bevor wir aber zum Ergebnis dieses Praxistests kommen, worum geht es erstmal allgemein in Queen Victoria: Daughter, Wife, Mother, Widow geschrieben von Lucy Worsley, gesprochen von Lucy Paterson?
Who was Queen Victoria?
A little old lady, potato-like in appearance, dressed in everlasting black? She was also a passionate young princess who loved dancing. And there is also a third Victoria, the brilliant queen, one who invented a new role for the monarchy.
Victoria found a way of ruling when people were deeply uncomfortable with having a woman on the throne.
Her image as a conventional daughter, wife and widow concealed the reality of a talented, instinctive politician. Her actions, if not her words, reveal that she was tearing up the rules on how to be female. But the price of this was deep personal pain.
By looking in detail at twenty-four days of her life, through diaries, letters and more, we meet Queen Victoria up-close and personal. Living with her from hour to hour, we can see and celebrate the contradictions that make up British history's most recognisable woman.
Lucy Worsley kennt man, wenn man wie ich ist, vermutlich aus vielen vielen BBC oder History Channel Dokus (also zumindest die, die nichts mit Aliens oder Schatzsuche-Scams zu tun haben^^), aber tatsächlich arbeitet sie auch im Museumsbetrieb, ist also quasi spezialisiert darauf Geschichte anhand von Objekten und begrenzten Einblicken in Momentaufnahmen zu erzählen.
Ich persönlich fand den Ansatz interessant, aber muss doch festhalten, dass man vermutlich die groben Lebensdaten und -Umstände von Queen V kennen sollte, um hier ein bisschen Kontext zu ergänzen. Eine Biographie, die zwischendurch 10 Jahre und 10 Geburten (nur leicht übertrieben^^) überspringt, kann natürlich gut die großen Entwicklungsunterschiede zwischen Punkt A und Punkt B aufzeigen, aber die Aufarbeitung von vielen vielen Details, die uns von A nach B gebracht haben, wird zwangsläufig ein wenig mehr auf der Strecke bleiben. Auch wenn natürlich auch eine "konventionelle" Biographie bei 60, 70, 90 Jahren Lebenszeit irgendwann an ihre Grenzen stößt. ;-)
Der Autorin liegt ihrer eigenen Aussage nach vor allem daran den "Mythos Albert" ein wenig aufzuweichen, an dem die Königin ja fleißig selbst gestrickt hat und darüber zu spekulieren, dass sie erst als Witwe ihr volles Potential ausleben konnte, weil sie plötzlich gezwungen war wieder selbst zu denken und nicht alles auf ihren Mann abwälzen konnte - der im Grunde auch kein so unfassbares Universalgenie war, wie seine frühen Biographen behaupten. Das ist ja alles gut und schön und nachvollziehbar argumentiert, aber für mich bleibt bei allem "sie war eine viel bessere Königin, als sie selbst dachte", trotzdem der schale Nachgeschmack zurück, den Menschen ohne Selbstreflektion immer hinterlassen. Unabhängig davon, dass Frauen nicht so biologisch unfähig sind, wie die gute Vicky dachte - obwohl ihre eigene Lebenserfahrung ihr eigentlich genug Anlass gegeben hätte, sich mal selbst zu hinterfragen, aber naja ... - war sie schon auch unfähig in vielen Dingen. Zum Beispiel darin das Trauma ihrer Kindheit und Ehe nicht ungefiltert auf die Schultern ihrer Kinder zu laden, oder Kolonialismus als irgendetwas zu sehen, das nicht wie ein zynisches Sammelkartenspiel klingt. Waren die Männer ihrer Zeit fähiger in der Hinsicht? Absolut nicht - ok vielleicht haben sie weniger Traumadumping an ihren Kindern betrieben, weil sie die vermutlich nur 2x gesehen haben vor dem 18. Lebensjahr^^ - aber das ist ja auch keine Entschuldigung.
Unterm Strich muss ich also festhalten, dass dieses Buch schon versucht hat mir einige Dinge im Leben der Königin begreifbarer zu machen, aber die Autorin mag eben die Figur ihrer Forschung (was jetzt nicht verwunderlich ist) und ich bin weiterhin unüberzeugt. Aber das ist ein ganze klares Ich-Problem, mit meiner Tudor-Fixierung würde ich niemals die problematic Faves von anderen verurteilen. ;-)
Trotzdem waren mir die 24 Tage ein wenig wenig, von daher vergebe ich mal 4 von 5 Witwenhäubchen.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Vielen Dank!