Zwischen meinem Tudor-Binge brauchte ich zwischendurch auch was für's Auge und habe mich daher mal durch die neuen Netflix-Serien geklickt, bis ich bei House of Guinness hängen blieb.
Ich weiß gar nicht was an dem Trailer ich so spannend fand im Nachhinein, aber ein bisschen viktorianische Mode geht ja eigentlich immer und dysfunktionale Familien irgendwie auch. ;-) Die Serie hatte also Potential, das sie leider an vielen Stellen liegen lässt (imo), aber bevor wir dazu kommen, teilen wir erstmal den Trailer, damit wir auf demselben Stand sind:
Fangen wir mal damit an, was mir gut gefiel:
Die Dynamik Kronprinz und überambitionierter Spare machte anfangs einiges interessanter. Der "Versager-Bruder" und die wohlmeinende, aber völlig überforderte Schwester waren für mich ein wenig langweiligere Archetypen, aber beide hatten auch interessante Ansätze. Und dann garnieren wir noch eine Lavendel-Ehe und eine politische Karriere, organisiertes Verbrechen und eine Revolution dazu und das Ganze hätte wirklich gut werden können, oder?
Mein prinzipielles Problem mit dem Pacing (oder dem sozialen Worldbuilding) lässt sich an dem Plotstrang der Lavendelehe allerdings hervorragend nachvollziehen. Diese Story fängt so gut an, wir müssen unseren schwulen Bruder vermählen, damit er sein politisches Amt ausüben kann, ohne mit seinen sexuellen Eskapaden erpressbar zu sein, also vernehmen Schwester und Tante verschiedene Kandidatinnen, bis es am Ende auf die Frau hinausläuft, die sich aus eigenen Motiven für dieses Arrangement entscheidet - quasi eine politische Partnerschaft, bei der alle mit offenen Karten spielen. Und ich so ... klingt doch supi, alle sind glücklich und ich möchte gerne mehr von dieser politischen Partnerschaft sehen.
Das passiert dann aber irgendwie nicht, weil wir nur eine sehr kurze "ich halte dir den Rücken frei" Alibi-Szene bekommen und danach sofort dazu abdriften, dass die Frau, die sich für die politische Partnerschaft entschieden hat, von ihrem Liebhaber schwanger wird und man sie zwingt das Baby abzutreiben, obwohl sogat ihr Mann es eigentlich behalten und als seins ausgeben will ... aber "das geht nicht", because ... reasons? Ich meine, ich persönlich finde es eine hervorragende Idee ein öffentliches Image von heiler Familie mit einem Baby zu garnieren, vor allem wenn es das Baby eines absolut bis auf's buchstäbliche Blut loyalem Angestellten ist und nicht irgendein politischer Gegner oder so ... aber nein, wir erzwingen diesen Abtreibungsplotpunkt, damit die Frau danach verbittert ist und die politische Partnerschaft damit gelaufen, weil wir jetzt ein Fuck It Mindset leben. Und ich will jetzt nicht so tun, als wäre das nicht realisitsch - an ihrer Stelle würde ich auch alles niederbrennen wollen. Aber dass mir die Story in keinster Weise plausibel macht warum es dazu kommen musste, ist nur eines der vielen, vielen, vielen Löcher zwischen "Dingen die passieren", die mich irgendwie daran zweifeln lassen, dass wir eine 2. Staffel bekommen, die das alles evtl. erklären könnte.^^
Es ist ein Teufelkreis vermutlich, aber wenn man alles in eine Staffel quetschen will, bleibt manchmal eben auch zuviel auf der Strecke. Es ist eine Sache mir Charaktere nicht überzuerklären, aber wenn ich mir die Hälfte der Motivationen und Argumentationen selber dazudenken muss, ist das auch keine Lösung. ;-)
3 von 5 goldene Harfen ringe ich mir trotzdem mal ab, um die netten Ansätze und das Set- und Kostümdesign zu würdigen, Aber trotz des OMG shocking Cliffhanger-Endes von Staffel 1 habe ich wenig innere Unruhe die 2. Staffel sehen zu wollen, was vermutlich kein gutes Zeichen ist.
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