Publikationen, Projekte, Persönliches

30.03.2018

Cpt. America - Civil War. Oder: Beware of misleading titels II

Ich bin ein Typ, dem die "Dinge einfach mal nicht Scheiße finden wollen" Maxime sehr leicht fällt. Ich finde Menschen anstrengend, die jedes Stück Pop-Kultur als ihr persönliches Eigentum betrachten und deswegen furchtbar beleidigt sind, wenn nicht alles zu 100% ihren Erwartungen entspricht.
Andererseits schlägt sich dann doch auch oft in langwierigen Blogartikeln nieder, wenn etwas das ich mögen wollte, einfach nicht funktioniert - so wie im Fall von Civil War, einem Film, den ich wirlich mögen wollte, weil das Marvel Universe mich selten enttäuscht hat, wenn ich unterhaltsame, aber nicht dumme Actionfilme sehen wollte. Leider fällt dieser Film aber erzählerisch völlig auf die Nase und - was ich dann doch irgendwie auch übel nehme... - schlampt bei dem Punkt, der Marvel-Filme bisher ausgezeichnet hat: Charakterzeichnung.

Ich habe mir daher mal 3 größere Punkte rausgepickt, um zu zeigen was ich meine - und wie immer, ja es wird lang und ja, es wird vermutlich Spoiler geben, also für alle, die den Film weiterhin unbeeinträchtigt mögen wollen, oder die nicht zum Club der Unspoilerbaren gehören, bitte nehmen Sie die Ausfahrt links.;-)



1. Unclear Conflict. Oder: Was steht in dem &§$%/@ Abkommen?
Der erste Moment der erhobenen Augenbraue was die Charakterzeichnung angeht, kam bei mir schon relativ früh, ich glaube in den ersten 20Minuten des Films.
Wir fangen dabei an, dass wir Tony Stark dabei zusehen, wie er uns von seinen toten Eltern erzählt und danach hat er eine Konfrontation mit einer Frau, die bei den 2-Tagen-von-Ultron ihren Sohn verloren hat (warum ist das ein Cpt. America Film by the way?).
Gleichzeitig sehen wir ein paar andere Avenger einen potentiellen Terroristen stellen, was irgendwie schief geht und etliche Zivilisten tötet.
Diese Ausgangssituation wird dann der Aufhänger dafür, dass Tony Stark nun der Meinung ist eine große PowerPoint Präsentation zum Leiden der Menschheit vorführen zu wollen, um die Diskussion anzustoßen, dass eine dahergelaufene Superheldentruppe vielleicht irgendwie jemanden braucht, der ihnen Legitimation gibt und sich nicht einfach als Weltpolizei aufspielen sollte, ohne Rücksicht auf Verluste und/oder ob die Staaten in denen diese Verluste auftreten das wirklich wollten.

Die Art und Weise der Präsentation mag man nun melodramatisch finden und sich ein wenig fragen, warum es einen ramdom encounter mit irgendeinem Angehörigen gebraucht hat, damit Ironman auf diese Idee kommt, aber da er nunmal eine kleine DramaQueen ist, stört das nicht weiter, sondern passt zum Muster seines Charakters.
Und weil er vermutlich weiß, dass alle anderen (Cpt. America vorneweg) ein wenig Vorbehalte haben könnten wegen dieser ganzen SHIELD=HYDRA Geschichte soll das Kontrollgremium der UN angehören und auf einem Vertrag basieren, den 200 Nationen eben mal so nebenbei ausgehandelt haben.
Das ist jetzt eine relativ lange Exposition für meinen Punkt, der der ist: Mehr erfahren wir zu diesem blöden Abkommen nicht.

Steve Rogers ist dagegen, er meint sie wüssten ja wohl am besten wie ihre Kräfte einzusetzen sind und was würde überhaupt passieren, wenn sie der Meinung wären irgendwas unternehmen zu müssen, aber das Panel kann sich nicht einigen?
Das ist eine gute und nachvollziehbare Frage, auf die wir keine! Antwort! bekommen!
Wirklich, diesen ganzen Film über erklärt uns niemand wie dieses Panel arbeiten soll oder was in dem verfickten Vertrag steht, der nur mal so Telefonbuchdick auf den Tisch geworfen wird.
Haben die Abgeordneten das absolute Veto und sperren die Avengers im Zweifelsfall ein, wenn es Meinungsverschiedenheiten gbt? Oder gibt es ein Mitspracherecht? Und wie wird das überhaupt entschieden? Stimmen die 200 Staaten ab? Braucht es eine absolute Mehrheit, oder kriegt der Staat auf dessen Territorium die Verwüstungen angerichtet werden sollen vielleicht ein Absolutes Veto?

Der ganze Konflikt des Films steht damit auf ziemlich wackeligen Beinen, Ironman will sein schlechtes Gewissen beruhigen und Cpt. Americas einziges Argument ist scheinbar: Kontrolle ist schlecht, wir müssen tun was "das Richtige" ist und Kollateralschäden passieren eben.
Dass der Cap (ich nenne ihn jetzt mal so weil es einfacher ist) das so meint, wird dann relativ schnell klar, als der Winter Soldier wider auftaucht und er es zu seiner Mission macht, dass sein ehemaliger Freund-Jetzt gehirngewaschener Supersoldat Vergebung finden soll. Das ist für ihn das "Richtige" und er ist offensichtlich weder moralisch noch intellektuell in der Lage davon abzurücken. Siehe sein Austausch mit Black Widow:
Sie: Das [das Ausschalten eines SEK und Verteidigen eines gesuchten Terroristen] meinte ich mit "es noch schlimmer machen".
Er: Er lebt aber noch.
Und ich so: Point. Missed it....*

Sowohl der Cap als auch Ironman befinden sich also auf einem Ego-Trip, der sie in diametral entegengesetzte Richtungen treibt und beide sind zu egomanisch das einzusehen. Ich habe damit nicht einmal ein Problem, dieser persönliche Gegensatz und entsprechende Konflikt ist der Einzige, der im ganzen Film nachvollziehbar ist - aber es stört mich ungemein, dass der Film darauf hinweist, dass Tony Stark sein "Ego-Ding" durchzieht, während das bei Steve Rogers niemand kommentiert, so als müssten wir ihm uneingeschränkt zustimmen darin, dass seine Ziele jeden Einsatz von Gewalt rechtfertigen und er bestimen darf welche Kollateralschäden vertretbar sind...? Aber es ist ja ein Captain America Film, also müssen wir wohl auf seiner Seite sein.^^

2. Cpt America Schulhofschlägerei. Oder: Motivationslöcher
Der ganze Konflikt hängt sich also daran auf, dass der Cap und Tony nicht miteinander auskommen.
Soweit so gut, aber dummerweise heißt der film ja Civil War - ein Titel, der unfreiwillig komisch ist so im Nachhinein, denn eigentlich steht nie irgendwas auf dem Spiel.

Ich erwähnte schon, dass es mich enttäuscht, wenn ich genau erkennen kann, was die Intention eines Autors war, weil in den Figuren oder Situationen keine Motivation zu erkennen ist, warum irgendwas eine bestimmte Wendung nimmt. In Civil War ist das die Avengers-Prügelszene.
Von Effekte-Standpunkt her macht das schon Spaß, Leute hauen sich und es gibt große Explosionen und lustige Sprüche - aber es fühlt sich leider so an wie eine Runde Mario Smash Brothers, weil mir überhaupt nicht klar ist, warum es dazu kommt.
Die einzigen Menschen, die einen halbwegs legitimen Grund hätten sich aufs Maul zu hauen sind Steve und Tony - und selbst da enttäuscht es mich ein wenig, dass "er würde das sowieso nicht verstehen" von beiden Seiten als Argument gebracht wird nicht mal zu versuchen miteinander zu sprechen wie erwachsene Menschen.

Aber was machen alle anderen da?? Die Szene vor dem großen "Showdown" wirkt so wie das Völkerball Team aufstellen im Schulsport - habt ihr Ant-Man, holen wir Spiderman, habt ihr Hawk Eye, kriegen wir Black Widow...
Black Panther hat einen soliden Grund da zu sein und ist eigentlich auch der einzige Typ in dem ganzen Film, der sich nicht blamiert und kein Arschloch ist. Und Spiderman ist ein Starstruck Teenager, der Ironman beeindrucken will. Hm naja lasse ich auch noch gelten. Aber sonst?
Was macht Ant-Man in diesem Film?
Ant-Man: Hey, ich war schonmal Dieb, wegen Terrorismus gesucht zu werden, macht's da auch nicht mehr schlimmer!
Und ich so: Ähm ok, wenn du meinst...
Und warum is Hawk Eye auf der Seite von Steve?
Hawk Eye: Keine Ahnung, meine Kinder sind total enttäuscht, dass ich hier bin, aber wenn ich erstmal im Gefängnis sitze, werde ich mich darüber beschweren, dass meine Familie darunter leiden muss!
Und ich so: Cap ist nicht der Einzige, der hier intellectually challenged ist...
Und Vision? Hat der überhaupt Gefühle? Oder fehlen ihm die Enzyme?* Und falls ja, warum sperrt er die anderen nicht in ihre Zimmer, bis sie sich abgeregt haben?
Warum kommen alle anderen nicht einfach auf die Idee Tony und Steve an einen Stuhl zu binden, bis sie sich auf eine Vorgehensweise re Bucky geeinigt haben? 
Statt dessen werden ganze Charaktermotivationen auf One-Liner beschränkt, die irgendwie witzig sein sollen und es auch sind, wenn man ignorieren kann, dass das Ding Civl War heißt.

Es steht in dieser ganzen Szene niemals, nicht ein einem einzigen Moment lang, zur Debatte, dass die Leute, die sich da prügeln, sich eigentlich nicht wirklich wehtun wollen.
Das ist nicht Civil War, das ist Schulhofschlägerei und irgendwie macht es das nicht besser, denn ja, natürlich haben wir jetzt verhindert, dass sich soviel böses Blut ansammelt, dass man sich am Ende gegen das Purple Alien nicht wieder zusammenraufen könnte, aber es geht in dieser ganzen Szene nie! um! irgendwas!
Was zusammengenommen mit der wacekligen Begründung warum man sich überhaupt streitet, irgendwie die Frage aufwirft: Macht diese Szene wirklich Sinn?
Schon, weil es die Daseinberechtigung des Films ist**, dass sich Leute lustig auf die Fresse hauen - aber das konnte Marvel bisher wirklich besser.
Und das bringt mich zu meinem letzten und wichtigsten Punkt:

3. Actions speak louder than words. Oder: Warum man die Avengers offensichtlich nichts selbst entscheiden lassen sollte.
In diesem ganzen Film geht es darum, ob Superhelden Kontrollorgane brauchen oder nicht. Das wird immer mal wieder andisskutiert, auch wenn keiner der Beiteiligten scheinbar das dumme Abkommen jemals wirklich liest. (Aber hey, lesen, Argumente finden und miteinander reden ist ja viel weniger lustig als prügeln, also was solls?)
Das ist was uns der Film erklärt. Was uns der Film allerdings zeigt, ist das hier:
Sobald sich auch nur die kleinste Meinungsverschiedenheit in dieser Gruppe auftut, eskaliert das beinahe völlig grundlos zu einem gewalttätigen Konflikt, der einen ganzen Flughafen in Schutt und Asche legt, während sich die Leute lustige One-Liner an den Kopf werfen und sich ständig daran erinnern, dass sie sich ja eigentlich nicht böse sind - siehe die Verkumpelung von Spiderman und Cap als New Yoker Boys, um nur mal eins zu nennen.
Immerhin ist Ironman noch auf die Idee gekommen vorher evakuieren zu lassen - Kollateralschäden sind ja gerechtfertigt, wenn es um das "Richtige" geht, remember?^^ - aber andererseits will er den Hulk mitbringen zu einer Schulhofschlägerei.
Und ich so: WTF?! Bin ich nur von Arschlöchern umgeben?*

Sollte dieser Film also irgendwann mal die message gehabt haben wollen, dass es zur Debatte stehen könnte, ob eine übergeordnete Kontrollinstanz nicht nur nützlich, sondern notwendig ist, hätten wir das damit geklärt. Ohne Nick Fury fällt das scheinbar alles auseinander und es gibt Chaos und Mayhem, und das obwohl sich eigentlich keiner wirklich weh tun will.
Und das liebe Kinder, ist ein gutes Beispiel dafür, wie man seine eigene message sabotiert.

Ich werde mit Captain America vermutlich in diesem Leben nicht wirklich warm, er wird auf ewig mein Least Favorite Avenger sein und ich verstehe weiterhin nicht, warum Civil War zu seinem Filmzyklus zugeschlagen wird - Erklärungen dazu gerne in die Kommentare, ich bin immer bereit mich weiterzubilden - aber dieser Film war aus vielen verschiedenen Gründen der erzählerisch schwächste Marvel Film, den ich bisher gesehen habe. Und ich mochte(!) Iron Man 2, besser eine dünne Story, als eine, die keinen Sinn macht...

Ich ringe mir mal 3 von 5 Müllwagen ab für die Effekte und die Tatsache, dass ich Black Panther und Spiderman großartig fand. Aber das war mau liebe Marvel Menschen...ich hoffe ihr kriegt das bei Infinity War besser hin, den will ich auch mögen...

*Bonuspunkte fürs Zitate erkennen, wie immer;-)
**Auch wenn ich die Keule, dass nur diese eine Fun-Szene den Film davon abhält Batman vs. Superman zu sein, dann doch etwas zu hart finde...Kaum ein Film hat diesen Tiefschlag verdient.;-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Vielen Dank!

Related Topics

Related Posts with Thumbnails