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08.06.2018

Interstellar. Oder: Bücherregale im Weltraum

Ich hatte ein paar Brückentage in letzter Zeit - ich glaube damit war ich nicht allein...;-) - und wie auch schon beim letzten Mal kamen mir aus reinem Freizeit-Überschuss Filme unter, die ich eigentlich nie wirklich sehen wollte, aber dann doch irgendwie nicht ausgeschaltet habe.

Über 2 dieser Filme möchte ich noch was sagen, weil sie - wie ich finde - in Dingen Verbesserungsbedarf haben, die man auch in anderen Darreichungsformen von Geschichten findet, aber damit man weiß worauf man sich einlässt: Ich scheine eine gute Selbsteinschätzung zu haben was Filme angeht, denn ich stelle fest, dass bisher 100% der Filme, die ich nicht dringend sehen wollte, mich auch wenig begeistert zurückgelassen haben.
Hier geht es also nicht um Dinge einfach mal nicht Scheiße finden wollen, wer das immer noch unbeeinträchtigt tun möchte, muss sich einen Reviewer suchen, der Interstellar mochte. Das ist völlig ok, Dinge einfach mal nicht Scheiße finden wollen, heißt nicht, dass man nichts Scheiße finden darf, aber ich habe volles Verständnis dafür, wenn man das dann nicht lesen will.;-)

Achso und ansonsten: Disclaimer, this review has been rated S for spoilers!
Es ist quasi nicht möglich über diesen Film zu reden, ohne das Ende zu besprechen, also nehme man auch hier im Zweifel lieber die Spoiler Ausfahrt links, als sich nachher bei mir zu beschweren!;-)





 1. Why the Wormholes...?
Ich muss nochmal den Honest Trailer bemühen, denn in diesem Film gibt es einfach zu viele Dinge aufzuarbeiten, da ist es nett, wenn man sich mal auf ein Gerüst stützen kann.;-)
Prinzipiell heißt dieser Punkt Why the Wormholes, weil es scheinbar seit Anbeginn der Zeit nur eine Art gibt, wie man die Idee von Wurmlöchern in Filmen beschreiben kann - man nimmt das Blatt Papier und dann steckt man einen Stift durch. Googelt das mal, dann findet ihr diese Szene in jedem Film, in der jemals ein Wurmloch erwähnt wurde...
Warum ich darauf rumhacke? Weil mir dieser Film angepriesen wurde als "total originelle Idee zu Zeit- und Raumtheorie", was einer der Gründe war, warum ich den Fernseher nicht ausgeschaltet habe und einer der Gründe, warum ich zunehmend frustriert war.
Denn sagen wir es so...ich bin fest davon überzeugt, dass "Originalität" überbewertet wird und reite im etc auch ständig darauf rum, weil es total möglich ist Altbekanntes zu völlig interessanten und neuen Dingen zu verweben.
ABER. Was hier passiert, ist leider, dass die Drehbuchschreiber eine "total originelle Idee zu Zeit- und Raumtheorie" auf die Leinwand bringen wollten und dazu jedes (oder fast jedes) Dsytopische-Endzeit-Movie und Space-Travel-Movie Klischee zusammengetackert haben, das sie finden konnten, um irgendwie auf die Laufzeit von 2,5Std zu kommen. Nichts außer dem 3. Akt (dazu gleich) wirkt irgendwie so, als hätte sich jemand damit Mühe gegeben, von den halb-ausfomulierten Charakteren und ihren Klischee-Konflikten, über die In-Your-Face Dialoge, in denen uns diese Pappaufsteller all ihre Motivation und Agenda vorbeten, damit wir es bald hinter uns haben, bis zu dem uninspirierten Planetendesign...
Es ist also ein visuell so naja-nett gemachter Film, dessen Figuren mir so wenig im Gedächtnis geblieben sind, dass ich nichtmal mehr ihre Namen weiß (ich nenne es den Rogue-One-Effekt - ja, ich mache mich gerne bei großen Fandoms beliebt;-) - und das Problem daran ist Folgendes: Nur eine gute Idee reicht nicht, um irgendwas gut zu machen! Denn warum sollte mich interessieren, was für eine tolle Theorie diese Menschen, die mir total egal sind, am Ende haben...?

2. Stupid Scientists get stupider...
Apropos Theorien, noch mehr als Rogue One erinnerte mich Interstellar an einen anderen Film, dessen immerhin wirklich gute visuelle Effekte mich nicht im miiiindesten darüber hinweggetröstet haben, dass alle seine Figuren Pappaufsteller oder Idioten, oder beides waren. Die Welt nennt es Prometheus, ich nenne es Eine Schande für die Wissenschaft The Movie.*
Es ist mir bewusst, dass historisch betrachtet akademische Leistungen im amerikanischen Raum weniger Beachtung finden, weil Self-Reliance, Go West, American Dream und Bla.
ABER. Das ist keine Entschuldigung dafür, dass "Wissenschaftler" in solchen Filmen immer dümmer werden! Man müsste - und sollte - wissenschaftliche Methoden auch für ein DAU-Publikum zumindest so verpacken können, dass sie nicht beim Weiter-Erleben stören. Manche Menschen haben das mit dem Über-Dinge-Weglesen ja raus Gerüchteweise.^^ Aber Wissenschaft zu "vermenschlichen", indem man "emotionale Gründe" einflechtet, ist einfach...ein Hinweis darauf, dass man nicht verstanden hat, wie Wissenschaft funktioniert?
Wer also wie ich gerne seinen Kopf gegen ein hartes Objekt schlagen wollte bei der Prometheus "Theorie" von "Diese Aliens sind Gott und wir sind hier, weil wir das gerne so glauben wollen", stelle sich ein auf "Ich will nicht aus egoistischen Gründen auf den Planeten wo mein Freund hingeflogen ist, es ist meine wissenschaftliche Theorie, dass Liebe die Antwort auf alles ist, weil wir sie nicht verstehen!".
Was diese Art von Nicht-Argument irgendwie noch schlimmer macht, ist dass es eigentlich ein viel besserer Konflikt wäre, wenn die Wissenschaft nicht immer herhalten müsste, oder?
"Scheiß drauf, wir wollen zu dem Planeten, weil wir rausfinden wollen ob Gott existiert (und ein Alien war), das hier ist eine quasi-interreligiöse Mission ohne wissenschaftlichen Hintergrund!", oder auch "Scheiß daruf, ich will meinen Freund wiederfinden und scheiß auf deine wissenschaftlichen Daten!" funktioniert doch hervorragend, oder? Aber neeeiiiin, es sind Wissenschaftler, also tun sie nur Sciency Things...aber die müssen menschlich-emotional motiviert sein, sonst sind sie ja langweilig...ähm...
In diesem Pantheon der Dümmsten Wissenschaftler ist es dann auch nicht mehr erstaunlich, dass ausgerechnet Matt-Backkartoffel-Damon der Wissenschaftler-Paragon ist. Why the fuck not, wenn alle anderen halt noch dümmer und unfähiger sind?

3. Der Film, den wir nicht sehen wollten...
Noch eine Parallele zu dem Prommeteus (so spricht man das in Aachen, live with it;-) ist die Tatsache, dass alles was an diesem Film neu und innovativ und quasi seine Lebensberechtigung ist, mir irgendwie egal war, weil es mich nicht im Mindesten darüber hinwegtröstet, dass der Rest dumm ist.
Und hier kommt wieder die "total originelle Idee zu Zeit- und Raumtheorie" ins Spiel, denn am Ende begibt es sich, dass unsere überlebenden Helden in ein Schwarzes Loch fliegen - der Roboter ist quasi auf einer Selbstmordmission und soll vor seinem Ende noch schnell Daten zur Erde schicken, damit die zurückgebliebenen Wissenschaftler endlich eine Antriebsart entwickeln können, um den Exodus von der Erde zu bewerkstelligen. Hab ich verstanden, soweit super.
Dann finden wir heraus, dass unser Hauptheld sich auch opfern muss, damit die Frau überleben kann - finde ich soweit auch völlig in Ordnung, er opfert sich, weil durch diese Relative Zeitgeschichte seine Familie auf der Erde vermutlich eh schon tot ist und sie hat ja noch die Option ihren Freund auf dem Lebensfähigen Planeten wiederzufinden. Fein, Heldentot, Tränenreicher Abschied, Tränenreiches Wiedersehen, Happy End für die Menschheit, die jetzt endlich auf den neuen Planeten auswandern kann auf Kosten von ihm und seiner Familie. The life of many and the needs of individuals und so.
Das wäre ein Ende gewesen, das mich jetzt nicht mit dem mediocren Rest des Films versöhnt hätte, aber ich hätte es verstanden. Das ist nur leider nicht der Film, den wir zu sehen bekommen. Statt dessen bekommen wir ein Bücherregal im Weltraum, Morsecodes in Staubpartikeln und Armbanduhren und ein total merkwürdiges Heureka in einer merkwürdigen Familien-Sapnnungs-Szene - schaut es euch im Honest Trailer an, es wird nicht verständlicher als das. Die "total originelle Idee zu Zeit- und Raumtheorie" halt, die aber leider wie ein LSD Trip aussieht, verwirrend unverständlich und visuell merkwürdig wirkt und nichts zur emotionalen Tiefe des Films beiträgt - eigentlich stört sie sogar, weil mich hätte viel mehr interessiert wie die Kinder des Haupthelden ihren Konflikt beilegen, aber this scene has been cut for time, weil Bücherregal im Weltraum und von seinem Sohn hören wir nie wieder. Ist ja auch unwichtig jetzt, weil Akt 3 ist schon zu lang wir müssen jetzt mal zum Ende kommen, also alle tot, fertig.^^

3.1. Das Zeitreise Ding...
Oh ach ja und in der "total originellen Idee zu Zeit- und Raumtheorie" ist es außerdem notwendig, dass der ganze Schmonsenz nicht - wie anfangs recht naiv vermutet (s. Prommeteus) - von einer wohlwollenden Alienrasse angestoßen wurde, sondern die Menschen der Zukunft, die irgendwie 5-Dimensional evolutioniert sind, warens!
Was uns mit der üblichen "Alle Zeitreisen Prämissen sind immer unlogisch" Frage zurücklässt: Wenn die Menschheit ausstirbt, wenn sie nicht bald einen neuen Planeten findet, wie kann sie sich dann zu 5-Dimensionalen Lebewesen weiterentwickelt haben, die irgendwann ihre eigene Rettung orchestrieren...?
Vermutlich sind alle Hollywood Drehbuchsreiber einfach soviel schlauer als ich, dass ihnen das logisch erscheint.

Das war jetzt ziemlich lang, aber man glaube mir, es ist nur ein Ausschnitt meines Unmuts - wer trotzdem bis hierher gelesen hat, hört mich also scheinbar gerne motzen.;-)
Demnächst dann mehr davon, aber ganz so schlimm wird's nicht mehr...ob das jetzt gut oder schlecht ist, lasse ich mal dahingestellt!

*Die Sache mit den Fandoms schon wieder, ich glaub' ich hab' nen Lauf heute...;-)

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