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15.06.2018

Raiders of the Lost Art. Oder: Perspektiven entscheiden

Mein Hirn funktioniert merkwürdig. Gut, das ist jetzt an sich nicht neu und auch nicht überraschend - queue random author quirkiness here - aber seit "Was kukst du grade bei Netflix?" ein Ding ist, fällt es nicht nur mir auf.;-)

Ich bin sicher, dass es viele, viele, viele, viiiiieeeele Serien bei Netflix gibt, die es sich anzuschauen lohnt. Nur...meine emotionale Reaktion ist scheinbar nicht deckungsgleich mit anderen Menschen, weswegen die meisten dieser Unterhaltungen ungefähr so laufen:
Er/Sie: OMG, [Stranger Things, GoT, American Gods, Vikings, Homeland, Westworld, Breaking Bad, Wasauchimmer - delete whatever is inappropriate*] ist so großartig, da solltest du unbedingt reinschauen!
Ich: Hmm ja klingt spannend.
Inneres Ich: Yeah whatever...

Und dann passieren diese Dinge:
Netflix: Hey, du mochtest doch [random Doku-Serie], wie wär's mit Raiders of the Lost Art?
Ich: Hmm ja klingt spannend.
Inneres Ich: OMG eine Doku-Serie über verlorene Kunstschätze? WE WANTSS THISSSS!

Die Gespräche an der Kaffeemaschine im Büro werden damit also nicht einfacher, aber der innere Nerd will, was der innere Nerd will und diese Serie habe ich in 2 Tagen einfach mal so weggesaugt - und dabei auch noch was Schreib-taugliches festgestellt.
Also sorry, immer noch keine einzige Folge von allen oben genannten Serien gesehen, da müsst ihr jetzt durch...;-)




Das Spannende an verlorener Kunst ist ja irgendwie das Mysterium der Wiederentdeckung - vielleicht ist das etwas, das vor allem Historiker, Archäologen etc. fühlen, aber ich glaube eigentlich nicht, denn sonst wäre Indiana Jones niemals eine Ikone geworden und man hätte den Titel dieser Serie nicht von seinem Film klauen können.;-)

Eine Folge der - ich glaube...so schnell hintereinander weggekukt... - 2. Staffel hat mich aber auch aus einem anderen Grund begeistert: Der Perspektivenwahl.
Man kann nicht wirklich eine Serie über Irgendwas mit Kunst machen, ohne über Van Gogh zu sprechen und ich befürworte das sogar - als bekennender Kunstbanause gehört Van Gogh zu den wenigen Künstlern, die ich mir "ins Haus holen" würde.

Aber in Raiders of the Lost Art geht es nicht wirklich um den Künstler an sich, sondern um seine Schwägerin - eine Frau, von der vermutlich noch kaum jemand je gehört hat, der aber sein Vermächtnis nach seinem Tod quasi in den Schoss fiel, nachdem ihr Mann/Van Gogh's Bruder kurz nach ihm ebenfalls verstorben war.
Die Ausgangssituation der Folge ist also eine junge Witwe, gerade 2 Jahre waren die beiden verheiratet, mit einem Kleinkind, die plötzlich eine riesige Gemäldesammlung erbt (Van Gogh hat ja bekanntlich nicht wirklich was verkauft zu seinen Lebzeiten) und es sich zur Lebensaufgabe macht, dass die Welt anerkennt was für ein Genie der Schwager, den sie kaum kannte, war.

Durch diesen "einfachen" Schwenk der Perspektive bekommt die "altbekannte" Geschichte vom labilen Malergenie mit dem abgeschnittenen Ohr einen ganz anderen Ton und als Geschichtenerzähler kann man sich wunderbar an dieser Prämisse abarbeiten:
Warum war ihr das so wichtig? Was hatte sie für Pläne? Zu der Zeit, als alleinstehende Frau mit einem kleinen Kind? War es anhaltende Liebe und Loyalität zu ihrem verstorbenen Mann, der seinen Bruder für ein verkanntes Genie hielt? Oder hatte sie einen eigenen unabhängigen emotionalen Bezug zu den Bildern? Wie sah die Beziehung dieser drei Menschen aus, die sich nur ein paar Wochen am selben Ort befanden in den 2 Jahren bevor 2 von 3 tot waren?

Es wäre jetzt nicht meine Geschichte, weil ich zu faktisch eingeschränkte historische Fiktion zwar gerne lese, aber nicht schreiben mag, aber wer immer sich jemals gefragt hat, wie man "auf Ideen kommt", der sollte vielleicht diese Serie mal anschauen.:-)

* Wenn das Zitat irgendwer erkennt, gibt's einen Universumsgroßen Gummipunkt...;-)

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