Ein wenig ironischerweise für jemanden, der Bücher um Internet rezensiert, habe ich es eigentlich aufgegeben Rezensionen zu lesen, um mich für neue Bücher zu entscheiden ... und das nicht mal wegen der berüchtigten "Schneller Versand, gerne wieder" Rezensionen, auch wenn die natürlich weiterhin lustig sind. Es ist eher so, dass Kunst so unfassbar subjektiv ist, dass ich jemanden zumindest ein wenig einschätzen können muss, um zu wissen, ob die geäußerte Meinung für mich irgendwie relevant ist, oder eben auch nicht, weil ich nicht weiß ob wir evtl. diametral entgegengesetzte Präferenzen und Erwatungen haben was ein "gutes Buch" angeht. Das schließt also irgendwelche Amazon-Bewertungen schonmal aus und lässt eigentlich nur den Friends & Family Pool und eine überschaubare Anzahl von Menschen im Internet zu, von denen ich zumindest genug Content gesehen habe, um eine ungefähre parasoziale Einschätzung ihres Geschmacks vorzunehmen. ;-)
Dieses Buch schwamm im selben Video mit, das auch schon Our Endless Numbered Days empfahl und damit in der Kategorie ist "Bücher, die anders sind, als das was ich oft lese, but in a good way". Und in diesem Fall war die parasoziale Einschätzung absolut richtig, denn ich mochte dieses Buch sehr, aber es ist so anders, als mein business as usual, dass ich nicht mal weiß wo ich anfangen soll ...
Reden wir also mal allgemein darüber, was ist Orbital geschrieben von Samantha Harvey für ein Buch?
Life on our planet as you've never seen it before.
A team of astronauts in the International Space Station collect meteorological data, conduct scientific experiments and test the limits of the human body. But mostly they observe. Together they watch their silent blue planet, circling it sixteen times, spinning past continents and cycling through seasons, taking in glaciers and deserts, the peaks of mountains and the swells of oceans. Endless shows of spectacular beauty witnessed in a single day.
Yet although separated from the world they cannot escape its constant pull. News reaches them of the death of a mother, and with it comes thoughts of returning home. They look on as a typhoon gathers over an island and people they love, in awe of its magnificence and fearful of its destruction.
The fragility of human life fills their conversations, their fears, their dreams. So far from earth, they have never felt more part - or protective - of it. They begin to ask, what is life without earth? What is earth without humanity?
Ich finde es ein wenig lustig, dass der Klappentext fast so lang ist wie das Buch - ok ich übertreibe natürlich maßlos, aber es ist ein sehr schmales Büchlein und manche 700-Seiten Wälzer haben 3 Sätze Klappentext ... ;-)
Ansonsten muss ich hier vermutlich anstelle einer Rezension an sich ein wenig Erwartungsmanagement betreiben, denn der Klappentext tut dem Buch insofern einen Bärendienst, als dass er irgendwie impliziert dieses Buch hätte einen Plot, der mit Chies toter Mutter zu tun hat. Das ist - und ich kann das nur so stark betonen, wie es geht - ABSOLUT nicht der Fall! Ja, die Mutter einer der Astronautinnen in diesem Buch stirbt, ein anderer denkt darüber nach sich scheiden zu lassen, eine andere weiß nicht wie es sein wird mit ihrem Mann tatsächlich zusammen zu wohnen, wenn sie nicht mehr 9 von 12 Monaten im Training ist, wieder ein anderer vermisst seine Kinder und seine Frau und einer spricht gerne über Jesus und seinen Glauben an sich. Und all das ist ungefähr gleichwertig wichtig bzw. unwichtig, wenn man einen Handlungsstrang erwartet, der irgendeine Spannungskurve hat.
Orbital ist eigentlich eher was ich persönlich unter long form poetry fassen würde, auch wenn das technisch gesehen vermutlich nicht korrekt ist. Es reimt sich natürlich nicht, aber ich hoffe mal wir kennen mehr Lyrik als ababcc, no? ;-) Aber die Prosa hat eine lyrische Qualität - Sätze, die man sich gern einrahmen würde inklusive - und malt vor allem Bilder im Kopf über das Denken in dieser Raumstation, rund um die Erde, Menschlickeit, das Leben, das Universum und den ganzen Rest. Ich fand das sehr entspannt, man kann sich in die wandernden Gedanken ein wenig fallen lassen, ohne befürchten zu müssen von irgendeiner Katastrophe überrascht zu werden. Aber die Amazon-Rezensionen (nach dem Lesen, schaue ich schon ab und zu rein, I'm a nosy person ;-) zeigen sich sehr enttäuscht über eine fehlende Handlung - was, wie ich denke an fehlgeleitetem Marketing liegt, weil das sehr offensichtlich nicht die Intention des Buches ist sowas zu bieten.
Wer also gerne Dinge mit Weltall liest, wegen der Faszination, die ferne Planeten und leerer Raum und all die Dinge ausüben, die uns etwas über das Leben und die Menschheit erzählen, der sollte das mal ausprobieren. Erwartet einfach keinen Plot und lehnt euch zurück, es lohnt sich! :-)
Für die weitergehenden "anders, but in a good way" Erfahrungen habe ich mir mal 1-2 andere Bücher von Samantha Harvey auf die Liste gesetzt, ein bisschen lyrische Entspannung zwischendurch kann man immer gebrauchen, auch wenn vielleicht nichts an meine persönliche Vorliebe für philosophische Dinge mit Weltall herankommt. Das muss schon 5 von 5 Filzmonde wert sein, no?

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