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12.01.2018

Recherche: Die Logik der Tat

Ich war ja immer noch auf der Suche nach ein wenig Recherchematerial zum Thema "Ermittlungen", um ein Gefühl dafür zu bekommen wie Mord- und Sonderkomissionen so arbeiten. Natürlich hätte ich auch einfach ganz viel Tatort schauen können, aber irgendwie hatte und habe ich das Gefühl, dass wir alle mit der "Entertainment-Variante" von Ermittlungsarbeit schon ausreichend vertraut sind.

Zumindest von mir selbst weiß ich, dass ich schon etliche Crime Serien gesehen habe und bin mir ziemlich sicher, dass ich den Aufbau- und Hergang dieser Geschichten intuitiv nachverfolgen kann. Das macht evt den Seriengenuss ein wenig schwieriger, denn irgendwann ist es einem so in Fleisch und Blut übergegangen, dass man nur noch denkt: Dieser Ty ist jetzt schon 3x im Hintergrund vorbeigelaufen und hat keine erkennbare Verbindung zum Opfer, der wars! Und meistens hat man damit Recht.;-)

Dass das so in der Realität nicht läuft, dürfte klar sein, es dürfte aber auch verständlich sein, dass die ganz harte Realität von Mordermittlungen (die sich teilweise Jahrzehnte hinziehen) vielleicht nicht das Richtige für einen Unterhaltungs-Roman ist. Also ist meine Aufgabe irgendwo einen goldenen Mittelweg zu finden und zu diesem Zweck, habe ich mir Die Logik der Tat von Alexander Horn gekauft, gelesen von Stefan Lehnen (nein, nicht von ihm selbst, hier schonmal der erste Pluspunkt!;-).

Eine junge Frau in Niederbayern verschwindet spurlos. Ein Unbekannter entführt Kinder aus Schullandheimen. Die Polizei sucht über viele Jahre die Unbekannten, die acht Türken und einen Griechen erschossen haben. Das sind Fälle aus der Praxis des Fallanalytikers Alexander Horn - Fälle, in denen die Polizei vor großen Rätseln stand und ihn und sein Team um Rat fragte; Fälle, bei denen er auf der richtigen Spur war.

Erstmals beschreibt Alexander Horn nun große Kriminalfälle in seiner Karriere. Er schildert, wie die Fallanalyse funktioniert - als Beratung für Sonderkommissionen, als Puzzle zur Rekonstruktion eines Verbrechens, als Weg, Ermittler zunächst unfassbare Taten besser verstehen zu lassen. Horn erläutert, was im Kopf von Mördern vor sich geht, die schreckliche Verbrechen begehen.


Ich kann nicht beurteilen, ob dieses Buch jetzt spannend sein würde, für jemanden, der mit dem Thema gar nichts zu tun hat/haben will, aber für meine Zwecke war es hervorragend geeignet und auch das erste Mal, dass ich zum Gassi gehen ein Notizbuch mitnehmen musste, weil ich mir tatsächlich aufschreiben wollte was da passiert, um es nacher in meine Geschichte einzubauen.;-)

Wer eher so blutiges Thrillerzeug erwartet, sollte vielleicht trotzdem lieber die Romanvarianten der Verbrechen kaufen, aber was mir ausnehmend gut gefiel, war, dass es hier tatsächlich um die Erklärung von Methode und Analyse geht und nicht so sehr um den Autor und wie wichtig sein Job  ist.
Das ist vielleicht die erfrischende Eigenheit des Analytikers im Gegensatz zum "Profiler" (auch wenn der Untertitel das mal wieder durcheinanderwirft...Untertitel halt) und sehr hilfreich.

Aus Recherchesicht kann ich also 5 von 5 Absperrbändern vergeben, wer sich für die Materie außerhalb von Recherche interessiert, ist hier bestimmt auch gut aufgehoben.;-)

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