Fangen wir das neue non-fiction Lesejahr mal mit einem Eintrag aus der women's price Longlist von letztem Jahr an, mit dem ich endlich meine Leseunlust beenden konnte. Alltägliche Geschichte ist ein ganz eigenes Feld, Geschichte wird nicht nur von Siegern geschrieben, sie ist auch meistens chronisch desinteressiert an den praktischen Seiten des Lebens und den Menschen, die sie möglich machen.
Wer also mal was über Vikinger lernen will, das nichts mit Raids und Rites zu tun hat, sollte dieses Buch mal in die Hand nehmen: Embers of the Hands: Hidden Histories of the Viking Age geschrieben von Eleanor Barraclough.
It's time to meet the real Vikings. A comb, preserved in a bog, engraved with the earliest traces of a new writing system. A pagan shrine deep beneath a lava field. A note from an angry wife to a husband too long at the tavern. Doodles on birch-bark, made by an imaginative child.
From these tiny embers, Eleanor Barraclough blows back to life the vast, rich and complex world of the Vikings. These are not just the stories of kings, raiders and saga heroes. Here are the lives of ordinary people: the merchants, children, artisans, enslaved people, seers, travellers and storytellers who shaped the medieval Nordic world.
Immerse yourself in the day-to-day lives of an extraordinary culture that spanned centuries and spread from its Scandinavian heartlands to the remote fjords of Greenland, the Arctic wastelands, the waterways and steppes of Eurasia, all the way to the Byzantine Empire and Islamic Caliphate.
Man muss *pun intended* ein wenig tiefer graben, wenn man die normalen Alltagsdinge und -menschen hinter den bekannten Sagen und Legenden beleuchten will und oft bleibt trotzdem vieles Spekulation. Aber in diesem Katalog von Alltagsdingen finden sich trotzdem viele kleine Geschichtensplitter, die in den großen archeologischen Sensationen nicht vorkommen.
Meine Lieblinge waren die Nachrichtenstäbchen aus der Taverne und die Kinderzeichnungen auf Birkenrinde - eine Frau, die ihren Mann antexted endlich mal nach Hause zu kommen und ein Kind, das sich Geschichten um Kämpfer und Monster ausdenkt, macht es vielleicht schon fast zu offensichtlich, dass uns psychologisch nicht wirklich etwas von den Menschen unterscheidet, die seit über tausend Jahren tot sind. Und maybe that is just me, aber ich finde sowas immer sehr sehr cool. Abgesehen davon, dass die Beschwerden der englischen Chroniken darüber, dass die bösen Vikinger alle Frauen abkriegen, weil sie sich regelmäßig waschen und *legasp* ständig saubere Kleidung anziehen, einer der besten Self-Burns der Geschichte sein muss, oder?
Und es gab sogar einen Eintrag über die versteinerten Vikingerhinterlassenschaften, die wir schon persönlich in York besichtigen durften - also gab es die Urlaubsnostalgie für mich noch gratis dazu, what is not to like? ;-)
Ok, vielleicht dass einen die Kapitel über abgebrannte Nonnenkloster und in die Skalverei verkaufte Gefangene ein wenig deprimieren könnten, vor allem weil sie in der üblichen Vikingerglorifizierung regelmäßig fehlen. Aber the past was the worst, das sollten wir inzwischen alle gelernt haben, no?
Das einzige "Manko", das mir so einfällt, wäre dass ich gerne eine ganze "Geschichte in 100 Objekten" gelesen hätte, aber das soll unsere 5 von 5 Badehäuser nicht schmälern. Nicht übel für den Anfang. ;-)

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