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31.07.2026

Der Leopard. Oder auch: Öfter mal nichts Neues?

Ich war weiterhin in meiner Konzentrations-Flaute und suchte trotzdem nach irgendeiner Beschäftigung, um mein Hirn zwischen den vielen, vielen ... vielen ... Überarbeitungsdurchgängen ein wenig zu belustigen. Die 3. Staffel Lydia Poet hatte mir Netflix Italien schon spendiert, also dachte ich, warum nicht ein zeitlich verwandtes Format nachschieben? ;-)

(Tatsächlich ist das nur die halbe Wahrheit, Der Leopard war meine 2. Wahl, nachdem ich von Winter Palace nur 1,5 Folgen durchgestanden habe. Selbe Zeitepoche, also durchaus Potential für Kostümneid, auch wenn an Lydia nichts rankommt, aber die Stakes der Serie "oh nein, werde ich es schaffen diesen ganzen ekligen, reichen Menschen genug in den Arsch zu kriechen, um sie von meinem Luxushotel zu überzeugen" waren ... a choice in 2024 ... but maybe that is just me und andere wollen die Reichen nicht essen, I don't know.)

Bevor ich mich jetzt aber zu unserer kryptisch negativen Überschrift äußere, lasst uns kurz den Trailer einfügen, damit wir wissen worum es geht, no?


 

Zuallererst muss ich festhalten, dass ich die ursprüngliche Verfilmung aus den 60ern nicht kenne, aber da mir mehrere Menschen (und Wikipedia) vermittelt haben, dass es sich dabei um einen prägenden Film der Mediengeschichte handelt, glaube ich das einfach mal unbesehen. ;-)

Prinzipiell muss man sich also fragen: Muss man ein "Meisterwerk" (was auch immer man darunter versteht) nochmal neu erzählen? Ich würde sagen, aus Prinzip spricht nichts dagegen, die 60er sind was Filmtechnik angeht ja eher schon graue Vorzeit und man kann durchaus davon ausgehen, dass man genug Menschen wie mich findet, die das Material nicht kennen und denen man die Geschichte neu vermitteln kann.

Und trotzdem war ich unüberzeugt vom Gesamtergebnis, weil ich nicht das Gefühl hatte, dass die Serienmacher irgendetwas Neues zu erzählen hatten ...? Wie kann ich das aber annehmen, wenn ich das Original gar nicht kenne? Lasst es mich so sagen: Es war das Winter Palace Problem, ich fand mich in der Melancholie des alternden Feudalherren, der seine aristokratischen Privilegien davonschwimmen sieht, irgendwie nicht wieder. ;-)  Und ich glaube nicht mal, dass man den Hauptcharakter unbedingt hätte ändern/austauschen müssen. Eine Alternate Universe Version aus der Sicht von Conchetta (oder Angeliqua!) wäre durchaus auch interessant gewesen und man hätte hier mehr eine Multi-PoV Geschichte entwickeln können, wenn man der Limited Series noch vielleicht 1-2 Folgen gegönnt, oder Plotpunkte gekürzt hätte, die am Ende nirgendwo hinführen. Denn allgemein hat "Der Leopard" (ein wenig cringe so als Selbstbezeichnung, da fängt es schon an mit der fehlenden relatability für alternde Millenials ;-) ja schon einen Punkt: Die einziehenden "Demokraten" sind raffgierige Kapitalisten und damit keinen Deut besser, oder weniger korrupt, als die Aristokratie auf ihrem absteigenden Ast.

Nur ... macht die Serie nichts mit diesem Punkt, als ihrem Helden einen geharnischten Monolog und ein müdes, melancholisch Handwedelndes "kann man nix machen" Ende zu geben. Vielleich wäre auch hier ein "wie macht es die nächste Generation anders" Punkt über ihn hinaus interessant gewesen, auch wenn das im Buch nicht vorkommt. Zwischendurch hatte ich mal Hoffnung wir würden jetzt mal über was anderes reden, als warum Mätressen für ihn ok sind, aber für niemanden sonst (seine prüde Frau und ihre strikte Religion sind Schuld, btw^^), als die korrupte Landverwaltung mehr oder minder direkt zum Tod seines Erben führt - aber das ist dann einer der Punkte, die nirgendwo hinführen, außer einem lahmen "alle Familienkonflikte sind jetzt gelöst, weil Trauer" Moment. Wir arbeiten die Korruption nicht auf, nichtmal um unseren Sohn zu rächen oder so ... warum also das alles?

Man mag mir den kleinen Tangent verzeihen, aber Neuverfilmungen, die nichts neues zu erzählen haben, sind so ein Trend momentan und ich habe Gedanken dazu. ;-) Und damit meine ich nichtmal so offensichtliche Cash Grabs wie Wuthering Heights, wo man offensichtlich einen Fickfilm mit nicht-wirklich-historischen Köstümen machen wollte, aber Angst hatte das kauft niemand, wenn man nicht so tut, als wäre es ein "Klassiker". Diese "Nach Motiven von" Filme/Serien gab es auch immer schon und man muss sie als die feigen PR-Maßnahmen für einen Risikoscheuen Markt sehen, die sie sind. Aber dann gibt es Dinge wie Star Wars, oder Ghostbusters, die zumindest so tun wollen, als hätten sie mit dem Original noch was zu tun, aber leider absolut nichts neues zu erzählen haben, weswegen man sich fragen muss, warum braucht man das überhaupt?

Star Wars ist mir zu kompliziert, aber der Genderswapped Ghostbusters ist so ein gutes, weniger ausuferndes, Beispiel. Unabhängig von peinlichen Dude-Bro-Tränen über ihre zerstörte Kindheit, weil es soooo dooof ist, dass Mädchen existieren, war Ghostbusters 2016 einfach ein hoffnungslos mittelmäßiger Film, der zu feige war sich mit irgendwas auseinanderzusetzen. Die Original-Ghostbusters haben soviel, an dem man sich abarbeiten könnte - Venkman ist ein creep und ein grifter, der seine "Humanexperimente" danach ausrichtet wie scharf er die Studentin vor ihm findet. Schon allein diese Art von "Humor" funktioniert nicht, wenn der Cast aus Frauen besteht. Die Paragraphenreiter der Stadtverwaltung sind regulierungsbesessen bis zur Realitätsverleugnung, Winston ist ein Token-Stichwortgeber ohne eigene Agency und irgendwann schleusen wir sogar mal kurz einen Priester durchs Bild und schrappen haarscharf an einer Unterhaltung vorbei, was die Existenz von Cartoon-Monster-Geistern für irgendein Glaubenssystem bedeuten würde. Zu allem, oder zumindest manchem davon, hätte man eine Meinung haben können ... aber stattdessen machen wir denselben Film mit denselben Archetypen, die nicht knackiger, oder aufregender geworden sind in den 30 Jahren seit dem Original und garnieren das alles mit dem speziellen Dicke-Frauen-Humor von Melissa McCarthy, der schon problematisch war, als noch niemand das Wort kannte. Außerhalb von völlig überzogenen Hasskampagnen, die natürlich nichts damit zu tun haben, dass ein Film mittelmäßig ist, ansonsten hätte Vin Diesel schon keine Kariere mehr, muss man diesen Film also einfach nicht gesehen haben, wenn man das Original kennt und ich finde das schade!

Sehr lange Rede, sehr kurzer Punkt, wenn man nichts neues zu erzählen hat, bin ich unsicher, ob man Medien immer wieder "neu erfinden" muss - beim Leopard könnte man also der Meinung sein, dass man sich auch den alten Film anschauen könnte (das kostet auch weniger Lebenszeit als 6 Folgen Serie), außer natürlich, dass man ihn vermutlich nirgendwo mehr findet und so doch bei der Netflix Version hängen bleiben muss ...

Das Archivierungsproblem moderner Medien ist ein anderes Thema, dass für meine spezielle Mischung aus Historiker-mit-Bibliothekarserfahung viiiiel zu weit führt, daher vergebe ich mal die 2,5 von 5 Orangen, die eine "kann man kuken, muss man aber nicht"  Serie so von mir bekommt.

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