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24.07.2026

A Curious History of Sex. Oder auch: Nischengeschichte ist die beste Geschichte

Ich komme nicht wirklich gut voran mit meiner Leseliste von Anfang des Jahres, es fing so gut an und ich habe gar nicht mal sooo lange gebraucht für Sword of Kaigen (was ein ziemlich dickes Buch ist, wie man zugeben wird;-), aber danach hat meine Konzentrationsfähigkeit so arg nachgelassen, dass der Stapel immer noch ziemlich unangetastet aussieht ...

Da ergab es sich zwischendurch immerhin vorteilhaft, dass das 1 erwartete Sachbuch endlich als Paperback verfügbar war, dann  A Curious History of Sex geschrieben von Kate Lister war so ungefähr das einzige Sachbuch, das in dieser Denkflaute eine Chance hatte ... und das ist nicht negativ gemeint, absolut nicht, aber manchmal braucht man auch in Geschichte einfach ein bisschen Humor. ;-)

Bevor wir also zu meinen überschaubaren Beobachtungen kommen, hier erstmal worum es geht: 

This is not a comprehensive study of every sexual quirk, kink and ritual across all cultures throughout time, as that would entail writing an encyclopaedia. Rather, this is a drop in the ocean, a paddle in the shallow end of sex history, but I hope you will get pleasantly wet nonetheless.

The act of sex has not changed since people first worked out what went where, but the ways in which society dictates how sex is culturally understood and performed have varied significantly through the ages. Humans are the only creatures that stigmatise particular sexual practices, and sex remains a deeply divisive issue around the world. Attitudes will change and grow - hopefully for the better - but sex will never be free of stigma or shame unless we acknowledge where it has come from.

Based on the popular research project Whores of Yore, and written with her distinctive humour and wit, A Curious History of Sex draws upon Dr Kate Lister's extensive knowledge of sex history. From medieval impotence tests to twentieth-century testicle thefts, from the erotic frescoes of Pompeii, to modern-day sex doll brothels, Kate unashamedly roots around in the pants of history, debunking myths, challenging stereotypes and generally getting her hands dirty.
This fascinating book is peppered with surprising and informative historical slang, and illustrated with eye-opening, toe-curling and meticulously sourced images from the past.
You will laugh, you will wince and you will wonder just how much has actually changed.

Können wir kurz darüber sprechen wie großartig dieses Cover ist? Das Bild? Sein Gesichtsausdruck? Ihr Gesichtsausdruck?? Und dann die Anordnung mit dem Text??? Brilliant, no notes, außer dass man für mich natürlich wieder den Fliegendreck von nutzlosen Rezensionszitaten hätte weglassen können, der nur vom Design ablenkt, aber das ist ja bekanntlich nur mein ganz persönlicher Pet Peeve.

Unanhängig davon, dass ich also mal ein gelbes Buch besitze (mein Bücherregal ist dominant schwarz, rot und alle Spielarten von Blau/Lila, also rainbow shelves werden schwierig;-), lasst uns nur kurz über meine persönliche Faszination für Menschen sprechen, die eine sehr eng umzirkelte Nische für ihre Forschung finden und in diesem Gebiet einfach so dominieren, dass sie damit bekannt werden.

Ich sah letztlich ein Video zu Steinzeit-Tattoos, unendlich faszinierendes Thema übrigens, in dem der führende Forscher für stein- und frühzeitliche Tätowierungen mehr oder minder erzählte, dass er zu dem Experten auf dem Gebiet geworden ist, weil sich niemand an seiner Fakultät sonst dafür interessierte und er quasi seinen Hyperfokus zu einer Karriere machen konnte ... wenn das nicht nach einem guten Job klingt, was dann? ;-)

Und bei Kate Lister habe ich so das Gefühl, dass das ähnlich läuft, sie hat ein Themengebiet für sich erarbeitet, das vermutlich niemand zumindest in den altehrwürdigen (haha) Hallen der historischen Institute, die ich so kenne, überhaupt anfassen würde - nicht nur, weil Sex "anrüchig" ist, sondern auch weil sich die überlappenden Gebiete von Medizin und Sozialforschung historisch wenig mit Frauen beschäftigen wollten.^^

Und was die grauen Herren der historischen Forschung vermutlich auch hassen, das Buch ist witzig geschrieben und nimmt manche Dinge nicht so furchtbar ernst. Natürlich gibt es auch hier Themengebeite - sexuelle Ausbeutung im Kolonialismus und außerhalb etc. - die einfach nicht lustig sind, aber wo man sich über die urban ledgends von viktorianischer Orgasmustherapie gegen Hysterie verbreitet, kann man das durchaus unterhaltsam schreiben, ohne sich einen Zacken aus der altehrwürdigen Historikerkrone zu brechen. ;-)

Wem dieser "made for Instagram Reels" Stil nicht gefällt, sollte also vielleicht ein anderes Buch lesen, aber wer einfach ab und zu ein paar "wusstet ihr schon" Fakten für den nächsten Abend mit Freunden abgreifen will, ohne sich durch staubtrockene, klinische Fachbücher zu wälzen, der sollte dieses Buch auf jeden Fall mal antesten.

Ich persönlich habe als einzigen Kritikpunkt, dass ich manche Dinge gerne noch ein wenig ausführlicher und mit mehr Quellenanalyse betrachtet gesehen hätte - es ist ein schmaler Grad, ist mir bewusst, aber ich finde man kann auch ein poppiges Sachbuch, das sich nicht an ein "Fachpublikum" richtet, ein wenig sachlich tiefgründiger anlegen. Menschen kommen schon damit klar mehr zu lernen, als sie gedacht hätten. Aber 4,5 von 5 Penispumpen ist das natürlich trotzdem wert. ;-)

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