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01.02.2019

Divinity - Original Sin. Oder: Ein bißchen mehr von allem, bitte?

Jaja, ich weiß, alle reden schon nur noch über Teil II, aber ich/wir mussten halt auch erstmal Teil I Zuende spielen, ok?! ;-)

Ich bin was meine Gaming Vorlieben angeht meist etwas eingeschränkt, was man feststellen wird, wenn man die entsprechenden Posts dazu verfolgt. Vielleicht bin ich also so die Gamer Variante von den Leuten, die eigentlich immer wieder dasselbe Buch mit geänderten Vorzeichen und Vornamen lesen wollen...ich möchte mir lieber einbilden, dass ich halt weiß was mir gefällt...;-)

Was Co-Op Spiele angeht, ist allerdings ein wenig Flexibilität gefragt, denn irgendwie gibt es nicht soviele "kann man zu zweit auf dem Sofa spielen" Rollenspiele - wie das bei Ballerspielen oder so aussieht, weiß ich nicht, weil siehe oben - also muss man mal ausprobieren was man finden kann, so in diesem Fall Divinity Original Sin, ein seeehr Old-Schooliges RPG, das (und hier liegt ja schon ein wenig ein Schlüssel zu meinem Indie-Herzen) komplett durch eine seeehr erfolgreiche Kickstarter Kampagne finanziert wurde.



Nun braucht es aber selbst bei mir noch ein wenig mehr als "ist nicht abhängig von den üblichen Kapitalismus Torwächtern" um mich nachhaltig zu begeistern, also let's talk Review. :-)

 1. What the Trailer said...
Ich habe mal den Trailer verlinkt, damit man sich vorstellen kann was ich mit Old School meinte - wer zur richtigen Demographie gehört, wird sich vermutlich an die guten alten Zeiten von Diabolo und anderen PC Spielen erinnert fühlen.
Für Spieleentwickler gibt es ja verschiedene Dinge, die sie in ihren Spielen abdecken wollen/müssen, um verschiedene Arten von Spielern anzusprechen  - bei Open World Spielen hab ich mir sagen lassen, dass das Action, Socials, Mastery, Achievement, Innovation und Creativity sein können. Es gibt also Actionliebende Spieler, die vor allem gerne Kampf und Survival simulieren wollen und es gibt Spieler, denen es mehr um das Ansammeln von Skills oder das Sammeln von Dingen geht.

Die meisten dieser Spieler-Typen werden in Divinity irgendetwas finden - zugegeben die Kämpfe sind Rundenbasiert, aber das interaktive Setting macht es teilweise sehr Taktiklastig, was ja auch interessant sein kann, auch wenn ich meistens eher den Hack'n'Slay Ansatz habe...;-) Sozial ist es natürlich auch, weil Zusammen auf dem Sofa und so, und es gibt soooo viel Loot, Questen und Skills, dass man diese Punkte auch guten Gewissens als gegeben ansehen kann. Innovation und Creativity sind so ein Punkt, bei dem ich nicht ganz weiß, ob das nicht unfair ist...also wer wirklich kreativ werden will, kann sich vermutlich im Map Generator austoben, aber ist Innovation in einer Old School Homage...? Ich glaube das wird überbewertet.;-)

2. Darfs etwas mehr sein?
Warum klingt nach der Vorrede die Überschrift jetzt aber dann doch ein wenig kryptisch negativ? Ich muss zugeben, dass das an einem Gegensatz von Extremen liegt, der bei mir ganz persönlich dazu führt, dass Spiele wie Divinity auf demselben emotionalen Niveau verbleiben, wie eine nette Runde Monopoly mit Freunden und nicht im Ansatz das Obsessionspotential anderer Franchises erreichen:

- RPG at a distance
Extrem Nummer 1 ist die Distanz zur eigenen Spielerfigur. Man kann es im Trailer wunderschön beobachten - die Kamera schwebt nicht hinter dem Kopf der Spielfigur, sie schwebt irgendwo in ein paar Metern Entfernung was vielleicht für die Taktische Kampfsituation toll ist, aber Dinge wie Mimik oder auch nur Ausrüstung so ein wenig beliebig bis nicht vorhanden werden lässt. Es gibt auch kaum Filmsznen oder Dialogszenen in denen die eigene Figur ein wenig Leben oder eine eigene Stimme bekommt. Alles daran stellt eine Distanz her, die das Mitfiebern irgendwie verhindert - für mich wie gesagt ymmv.

- Sooo much stuff...
Auch hier bin ich vermutlich wieder der falsche Gaming Typ, aber wenn in dem Trailer von "gripping Dialoge" die Rede ist, muss ich ein wenig müde grinsen, denn mir kamen die Dialoge vor allem eins vor: Lang! Du kannst dich stundenlang mit allen möglichen Leuten und Wesen unterhalten, vom wichtigen NSC zum unbeteiligten Bystander. Dazu gibt es dutzende von Skills, tausende von Gegenständen, hunderte von Nebenquesten. Soooo viiieeel Zeug. Ich finde sowas irgendwann ermüdent - dass ein Dialog eine halbe Stunde dauert, heißt nicht, dass er spannend ist. Vielleicht kommt da auch die Distanz zum tragen, denn es gibt ja nur Textpanele, die man "ablesen" kann und nicht wirklich eine Dialogszene, aber wie gesagt eventuell ist es für mich einfach auch kein Qualitätsmerkmal, wenn irgendwas De-Linear ist, weil man 1000 verschiedene andere Dinge machen kann, statt die Geschichte zu verfolgen.
Es ist das Skyrim-Problem - wenn man alles und nichts tun kann, bedeutet das für manche Menschen Freiheit, für mich nur, dass deine Hauptstory nicht spannend und einflussreich (im eigentlichen Wortsinn) genug ist. Und wenn etwas beliebig ist und es eigentlich keinen Unterschied macht, ob ich es tue, warum sollte ich es dann tun?

Unterm Strich hat es doch etwas mehr Spaß gemacht als Monopoly und für das "zusammen auf dem Sofa zocken" Erlebnis würde ich Divinity uneingeschränkt empfehlen. Aber ich vergebe trotzdem nur 3 von 5 Dracheneier, denn für mich wäre es als Single-Player einfach nicht spannend genug.

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