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08.02.2019

Deadpool 2. Oder: Wir müssen reden.

Disclaimer: Ich MOCHTE beide Deadpool Filme, auch wenn das jetzt gleich nicht so klingt. Ich fühlte mich gut unterhalten und finde in beiden Filmen Vieles, das mich erfreut! Ich bin also kein krampfhafter Issue-Haver, der dringend den Hype kaputtreden muss, nur über alles was an Deadpool großartig ist, wird meiner Meinung nach schon zur Genüge gesprochen.

Ich bin aber der (vielleicht unpopulären) Meinung beide Filme (und dabei vor allem Deadpool 2) sind nicht so gut, wie sie sein könnten, weil Vieles reines Tell bleibt - heißt wir kommentieren viele lahme Tropes, faul geschriebenes Zeug und lächerliches Archetypengedöns in unserem Film und im Action/Superhelden-Genre generell, aber tatsächlich auch was daran ändern, tun wir nicht.
Wen die sachliche Argumentation dazu interessiert, sei herzlich eingeladen weiterzulesen - Spoilerwarnung! - wer die Filme weiterhin uneingeschränkt toll finden will, ist entschuldigt.;-)


Lasst uns mal kurz darüber sprechen welche "Mission Statements" Deadpool so von sich gibt und was die Filme wirklich und wahrhaftig so tun, wenn man es sich genauer anschaut, ok?

1. Generelles - "Ich bin kein Held!"
Deadpool tut ausschließlich das was auch Helden tun. Er hat dabei nur sehr viel Sex, wirft mit Eingeweiden um sich und flucht ab und zu. Das reicht zum "Anti-Helden" nur in dem sehr begrenzten "Freigegeben ab 12 Jahren"-Comic-Verflmungs-Referenzrahmen, den der Film sich gibt. Grade bei den "Kung-Fu-Kampfszenen" am Anfang des 2. Teils habe ich glaube ich dem Film laut empfohlen die das nächste Mal von Tarantino choreographieren zu lassen, weil der exzessive Gewaltdarstellung noch ein klein wenig besser kann.;-)
Deadpool ist also einfach ein Held mit einem schmutzigen Mundwerk, kein Anti-Held, oder gar ein böser Typ. #Fakt

2. Aufarbeitung Teil 1 - "Das ist eine Liebesgeschichte."
Wer meine Rezi zum 1. Teil gelesen hat, wird sich erinnern, dass ich die "Aaaahhh he is slightly-unattractive! Ruuuunn!!!" Nummer massiv albern fand, aber für einen Film, der selbsternannt ein Liebesfilm sein will, halten wir nochmal kurz fest: Die Liebesgeschichte ist mit Abstand der am schlechtesten geschriebene Teil von Deadpool 1!
Vanessa ist der einzige gute Mensch dem gegenüber Deadpool sich im ganzen Film richtig mies verhält. Fragt mal einen Angehörigen einer Schwerkranken Person, ob er/sie es als "er tut das, um mich zu schützen"-Erleichterung empfunden hat, von einem geliebten Menschen völlig ausgeschlossen (in in diesem Fall sogar verlassen!) zu werden, statt bei der Bewältigung des Problems helfen zu dürfen.
Vanessa und Deadpool sind ein tolles Paar solange alles gut läuft, dann lässt er sie sitzen, mit ihrer Trauer über seinen vermeindlichen Tod alleine und stalkt sie 3(!) Jahre(!), während sie am Minnie-Maus Sydrom leidet, und kein anderes Leben bekommt, als auf ihn zu warten.
Wobei es vielleicht besser ist, dass sie ihr keine neue Beziehung gegönnt haben, ansonsten hätte Deadpool noch den Superman machen müssen und den Rest das Films damit zubringen die Beziehung seiner Ex-Freundin zu torpedieren.*
Hier eine kurzer Tipp für alle, die mal eine richtig gute Beziehung konzipieren wollen: Die guten Beziehungen sind die, in denen sich die Leute streiten, wenn es grade eigentlich total gut läuft, aber sobald ein Problem auftaucht, funtkionieren sie als Team. Wenns umgekehrt läuft, macht euch Sorgen!

3. Teil 2 - "Das ist eine Familiengeschichte!"
Hier kommen wir zu einem ganz persönlichen "Ich kann es nicht mehr sehen!"-Trope: Weibliche Charaktere, die aufgebaut und nachlässig mit ein bißchen Leben gefüllt werden, damit man sie umbringen kann, um den männlichen Hauptcharakter weiterzuentwickeln. Hört endlich auf damit, ehrlich, es ist so! ausgelutscht! wie ein 10 Jahre alter Kaugummi! Es ist sogar noch schlimmer als der Hermione-Effekt!**
Jede "Familie" in diesem Film wird erstmal umgebracht, damit die Männer etwas haben, worüber sie traurig sein können und was sie dazu bringt irgendwas zu tun und ihre Differenzen zu überwinden. Nicht nur, ist das der lahmste Trope ever, in diesem Fall widerspricht er zu 100% der Vorlage (Vanessa wäre als Copycat eigentlich Teil der X-Force) und ist auch einfach völlig unnötig! Ich bin kein Drehbuchsschreiber aber mir fallen auf Anhieb mindestens 5 andere Gründe ein aus denen man traurig sein und seine Differenzen überwinden kann. Sich an vielen Stellen über Genre-internes lazy writing lustig machen und selbst nicht merken, dass man den 0815sten Weg genommen hat seine Männer zu "motivieren" irgendwas zu tun, ist entweder dreist oder unglaublich betriebsblind, aber leider vermutlich eine Mischung aus beidem:
Wer sich die leider ziemlich cringeworthy Aussagen der Drehbuchschreiber dazu anhören will, kann mal in dieses schlaue Video reinschauen. (Und schon wieder haben wir ein YT Video erfolgreich in eine Rezi geschmuggelt!;-)
Falls man sich gewundert hat, diese Interviewaussagen sind auch der einzige Grund, warum ich ausnahmsweise mal auf dem "Aber in den Comics..." rumreite - normalerweise ist mir das Schnuppe und ich habe die Comics auch nicht gelesen, aber "Wir wussten einfach nicht, was wir mit Vanessa sonst hätten machen sollen." bekommt ein ganz neues Level von AreYouFuckingKiddingMe?!, wenn man einfach mal hätte nachlesen können.^^

4. Die Sache mit dem Kommentieren aber nicht tun - "Wir machen alles besser als die Anderen!"
Und zu guter letzt, muss ich dann doch nochmal darauf hinweisen, dass es mir lieber gewesen wäre, man würde die Schwächen des Superhelden/Action Genre nicht nur kommentieren, sondern auch tatsächlich mal irgendwie was anders machen. Durchexzerziert am Beispiel: Die X-Force ist ein "Gegenentwurf" zu anderen Superhelden-Gruppen, weil wir haben mehr diversity blabla...
Es wäre wirklich nett, wenn das tatsächlich so wäre, aber irgendwie gibt es trotzdem weiterhin nur eine Frau (Copycat wäre hier ganz gut gewesen, no?^^), die außerdem auch noch die "1 Charakter muss schwarz sein" Checkbox abdecken muss, das lesbische Pärchen hat genau 3 Sätze und Deadpool ist auch nicht offensichtlicher Pansexuell als vorher. Also machen wir eigentlich doch alles beinahe zu 100% genauso wie alle anderen Superheldengruppen.

Fazit: Die Filmemacher wollen gerne so tun als wären sie selbstkritisch, sich aber die Mühe ersparen sich wirklich innovative Dinge auszudenken - siehe die Abspann-"Zeitreise-Plots sind immer unlogisch"-Sequenz in der Vanessas Tod rückgängig gemacht wird, womit eigentlich sämtliche Ereignisse aus diesem Film hinfällig sein müssten, ES SEI DENN ihr Tod war von vorneherein nicht notwendig, um die X-Force herbeizuführen.
Vermutlich ist die Konsequenz: Wir behalten einfach die Frau und die X-Force, damit wir uns keine Story-Optionen für die Fortsetzung verbauen müssen, in einem Film wie Deadpool ist es den Leuten doch eh egal, ob das logisch ist.
Das stimmt vermutlich auch und es sei Einem Jeden und Jedem Einen unbenommen das für Meckern auf  Hohem Niveau zu halten, aber "Wir machen ja nur so Popcornfilmchen, von uns erwarten die Leute ja eh nichts." hat mich als Argument schon immer genervt.

Es wäre mehr gegangen, liebe Filmemacher, auch wenn "die Leute nicht mehr erwarten", hätten sie es euch bestimmt auch nicht übel genommen.
Man könnte auf Deadpool 3 hoffen, aber die Aussagen der Filmemacher aus obigem Video stimmen mich im Hinblick auf kritische Selbstreflektion nicht grade positiv - und das ist dann tatsächlich tragisch, denn Deadpool als Charakter und als Film könnte viel mehr als nur absurd-witzig und unterhaltsam sein, wenn man ihn ließe!

Ich wollte daher erst nur 3,5 von 5 Time-Turnern vergeben, weil ich den Film als Ganzes schwächer fand als Teil 1, aber ich muss einen goldenen Gummipunkt addieren, weil Domino und ihre Superkraft "Glück" einfach so! großartig! umgesetzt sind. Ich sagte ja ich mochte den Film eigentlich...
Also einigen wir uns auf dieselben 4 von 5 vom letzten Teil, mit einer anderen Gewichtung - damit kann ich gut leben und das ist für meine Internetecke leider das Totschlagargument!;-)


*Sorry, ich weiß nicht mehr welcher Superman Film das war, aber es war ein Beitrag zu meinem "Superman ist blärch" Gefühl. Hint: Wenn du einer Real-Existierenden Person für ihr Verhalten in die Eier treten würdest, sollte sich vermutlich dein fiktionaler Charakter auch nicht so verhalten.^^
**Meint, die Frau kann eigentlich 100x mehr als der Typ, aber aus irgendeinem Grund ist sie trotzdem nicht der Held der Story. Siehe auch Gamorra und Starlord, wenn wir im MCU bleiben wollen.

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