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28.09.2020

Listening to: The Seven Husbands of Evelyn Hugo

So kommen wir mal zu CampNaNo Buch Nummer 2 - ein bisschen Rezi könnt ihr euch schon im dazugehörigen Vlog abholen, aber wer jetzt kein 40Minuten Video kuken will für 2Minuten Buch-Content, dem erkläre ich das gerne nochmal.;-)
 
Also worum geht es in The Seven Husbands of Evelyn Hugo von Taylor Jenkins Reid, gelesen von Alma Cuevro, Robin Miles & Julia Whelan?

Aging and reclusive Hollywood movie icon Evelyn Hugo is finally ready to tell the truth about her glamorous and scandalous life. But when she chooses unknown magazine reporter Monique Grant for the job, no one in the journalism community is more astounded than Monique herself. Why her? Why now? 

Monique is not exactly on top of the world. Her husband, David, has left her, and her career has stagnated. Regardless of why Evelyn has chosen her to write her biography, Monique is determined to use this opportunity to jump-start her career. 

Summoned to Evelyn's Upper East Side apartment, Monique listens as Evelyn unfurls her story: from making her way to Los Angeles in the 1950s to her decision to leave show business in the late '80s and, of course, the seven husbands along the way. As Evelyn's life unfolds - revealing a ruthless ambition, an unexpected friendship, and a great forbidden love - Monique begins to feel a very a real connection to the actress. But as Evelyn's story catches up with the present, it becomes clear that her life intersects with Monique's own in tragic and irreversible ways.

Lasst uns mal mit dem Positiven anfangen, denn ich habe noch 2 kleinere - im größeren Kontext des Buches - Motzpunkte, die mich aber arg gezwiebelt haben.;-)

1. Hören ist das bessere Lesen!
Tatsächlich war es eine sehr gute Idee dieses Buch als Hörbuch zu konsumieren. Nicht nur helfen die verschiedenen Sprecherinnen die Erzählstränge auseinander zu halten - jeder Ich-Erzähler bekommt eine +  1 für die fiktiven Gossip-Spalten Artikel und Kommentare - sondern auch einen gewissen Ton für jede Erzählerin zu setzen. 
Moniques "Stimme" - sowohl die geschriebene Erzählung, als auch die Vorleserin - mochte ich dabei weniger, aber das macht nichts, denn dazu kommen wir gleich noch.;-)
Aber der Medieneinsatz ist sehr nett gemacht, inklusive der Bandbreite von Internet-Kommentaren und der Art und Weise wie sich der Stil der Klatschpresse-Artikel langsam verändert, wenn es auf die Moderne zugeht.

2. Ein holpriger Anfang
Die Prämisse des "berühmte Filmdiva bietet ihre Memoiren unbekannter Journalistin aus mysteriösen Gründen an" fand ich am Anfang furchtbar frustrierend, weil Evelyn sich als Champion für female empowerment generiert, die ihr Protegé dazu anhält alles zu tun was für die Karriere nötig ist - ihre Story ist "ich habe auch mit 14 den 22jährigen Nachbarn verführt, um aus der Armut nach Hollywood zu kommen, tu was immer nötig ist, ohne Rücksicht auf Verluste!" - und im Zweifel ihre Redakteurin anzulügen und das Geld für das Buch komplett selbst einzustecken, weil man in der Welt nur bekommt was man sich nimmt...

Zum einen liest sich diese Kapitalismus = Friss oder Stirb Rethorik auf Dauer sehr ermüdend, aber zum anderen ist Evelyn dann beleidigt wenn sich Monique Bedenkzeit ausbittet, weil sie gefeuert werden könnte und zumindest kurzfristig darüber nachdenkt, dass die völlig enigmatische und (ehrlich) ziemlich schrullige Diva sich das tolle Buchprojekt von heute auf morgen auch wieder anders überlegen könnte.
Das sagt sie ihr zwar leider nicht, aber ich hätte erwartet, dass jemand, der das "Leben ist ein Business und du musst alles tun, um zu überleben!" Schwert schwingt schon den Buchvertrag in der Schublade haben müsste, um das Ding festzuzurren, anstatt zu verlangen, dass man sich nur auf ihr Wort verlässt?!
Wie der Mann sagte: Du kannst nicht auf der einen Seite predigen, man solle sich angewöhnen rücksichtslose Verhandlungen zu führen und auf der anderen Seite auf komplettem, unhinterfragten Gehorsam bestehen.
Also kannst du schon, aber dann kommst du halt ziemlich unsymphatisch rüber und wenn die Ich-Erzählerin gleichzeitig immer wieder betont wie charismatisch und sympathisch du bist, dann erzeugt das einen Disconnect beim Leser - zumindest bei diesem Leser.;-)

3. Die enigmatische Diva
Ansonsten ist das Buch ganz klar Evelyns Geschichte und diese Geschichte ist spannend erzählt und von vielen interessanten, wenn auch nicht sonderlich symphatischen Charakteren bevölkert. Wer sich gerne in seinen Buchfiguren wiederfinden will, hat es beim Hollywood Jet-Set eventuell schwer, aber die Dialoge sind durchaus lesenswert und wo es romantisch wird, wird es auch sehr ehrlich und unverklärt, was ich persönlich zu schätzen weiß. Ein paar Stellen in der Hinsicht fand ich etwas über-erklärt, als wäre jemand (vielleicht ein Lektor, manchmal sind es Autor:innen ja nicht selbst Schuld) besorgt gewesen, dass wenn wir nicht 5x erklären dass jemand schwul ist, oder warum bi-sexuell und lesbisch nicht dasselbe sind -  es kam immer nur an diesen Stellen vor - der dümmste anzunehmende Leser das nicht kapiert. Aber gut, kann ich drüber hinwegsehen.

4. Erzähler-Sandwich
Worüber ich aber nicht hinwegsehen konnte, war die Tatsache, dass die Rahmenhandlung völlig vernächlässigt wird. Ja, Evelyn ist der interessantere Charakter und ihre Geschichte ist worum es geht (siehe der Titel des Buches), aber WENN wir schon unbedingt die Beziehungsprobleme und Familiengeschichte von Monique erwähnen müssen, dann wäre es mir lieber gewesen, sie würden auch vernünftig auserzählt und nicht immer nur so in Bezug zu Evelyns Story gesetzt. Aber gut, vielleicht haben da auch wieder die bösen "das Buch darf nicht länger als 300 Seiten sein" Wortzahlobergrenzen zugeschlagen, man weiß es nicht.

5. Wie man mir den Tag verdirbt in 10 Worten oder weniger...
Ein einziger Satz hat mir allerdings für einen halben Tag die Laune verdorben und den will ich euch nicht vorenthalten, weil es so merkwürdig deplatziert wirkt, dass ich hier tatsächlich unterstelle, dass die Autorin den nicht freiwillig so geschrieben haben kann:
Ungefähr an der 2/3 Marke des Buches endet die PRÄSENS-Ich-Erzähler Passage mit "Aber in drei Tagen würde ich Evelyn mehr hassen als jeden anderen Menschen auf der Welt!"

Und ich so: WTF?!
1. Bricht das die Perspektive und ist einfach handwerklich unfassbar tollpatischig. Wenn du mir Dinge im PRÄSENS erzählst, erzähl sie im Präsens, Foreshadowing hat da nichts! zu! suchen!

2. Es ist billigstes Holzhammer-Foreshadowing, so meldodramatisch, dass es fast peinlich ist.

3. Es ist völlig unnötig! Wenn mich an der 2/3 Marke deines Buches noch nicht interessiert wie es endet, helfen auch so brutale Methoden dir nicht mehr weiter. Und wenn es mich doch interessiert, baut so eine Melodramatik nur eine Erwartungshaltung auf, die zwangläufig enttäuscht werden muss, weil....ja so schockierend war der Twist dann am Ende halt nicht, ne? 

Das ganze Dilemma liegt auch daran, dass die Rahmenhandlung nicht genug Raum bekommt (meine Meinung, ich hätte mal wieder gerne 50 Seiten mehr gehabt) um das alles aufzuarbeiten, aber ohne diesen einen Satz hätte ich das vielleicht weniger übel genommen.

Die Autorin kann eigentlich sehr gut schreiben, aber dieser Satz liest sich, als hätte irgendwer ihn noch mit Gewalt ins Manuskript gezängt, 10Sekunden bevor der Publisher auf Drucken geklickt hat.
Keine Ahnung was da passiert ist, aber ich hatte wenigstens wieder mal was zu motzen.;-)

Ansonsten kann ich das Buch allerdings sehr empfehlen, wenn man mal eine Hauptfigur (ich gehe jetzt mal von Evelyn aus) lesen will, die Fehler macht, Lügt, Betrügt und einfach kein sonderlich guter Mensch ist, aber die man irgendwie trotzdem liebgewinnt. Ich mag ja Grauschattierungen und Evelyn ist quasi eine Masterclass.;-)

4 von 5 Coktailkleidern sollten also trotz allem drin sein!

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