Mein Netflix-Algorythmus ist glaube ich ein wenig südeuropäisch gepolt momentan, zumindest werden mir sehr viele italienische und spanische Formate vorgeschlagen. Da wir ja aber festgestellt haben, dass diese Netflix-Ableger ihren Serien zumindest ab und zu mal eine 2. oder vielleicht sogar 3. Staffel gönnen, warum nicht? ;-)
In High Seas habe ich vor allem reingeklickt, weil ich seit 1899 immer noch auf ein *echtes* Murder Mystery auf einem Luxusliner warte (und keinen verhinderten Matrix meets Inception Mash-Up, oder was auch immer das war...) und auch wenn die 40er für meinen speziellen Kostümkink schon wieder ein bisschen modern sind, wurde hier zumindest geboten was drauf stand. ;-)
Trotzdem war ich an manchen Stellen von der Story etwas irritiert, aber bevor ich das jetzt zu erklären versuche, geben wir uns mal kurz den Trailer:
Ok, lasst mich mal versuchen in Worte zu fassen, was ich an der 1. Staffel seltsam fand - und das wird nicht ganz einfach, weil wie man im Trailer einwandfrei erkennen kann, wird hier tatsächlich alles geboten, was ich wollte: Mord auf der Titanic quasi, so ein Luxusliner ist das perfekte Setting für ein Murder Mystery, man hat die abgeschlossene Location, mit ihren 1000 Winkeln zum verstecken und Verfolgungsjadten durch Maschinenräume, den sozialen Konflikt zwischen der 1. und der 3. Klasse, die Crew irgendwo dazwischen mit ihren eigenen Hierarchien und Machtkämpfen zwischen den Leuten, die wissen wie ein Schiff funktioniert und den Leuten, denen das Schiff gehört ... what is not to like??
Ehrlich, ich verstehe nicht warum Mord auf Luxusschiffen nicht ein genauso oft kopiertes Trope ist wie Mord in einem abgelegenen Hotel oder so ...
Die Sache ist einfach nur, dass ich an vielen Stellen der 1. Staffel festhalten musste, dass der Plot, der da gerade passiert absolut auseinanderfällt, wenn man länger als 10 Sekunden darüber nachdenkt ... irgendwer bedroht eine unserer Heldinnen "du darfst niemandem etwas verraten, oder sonst!" und unsere Heldin läuft los, denkt nicht mal darüber nach, ob der Droher seine Drohung überhaupt wahr machen kann, sondern schnappt sich eine Pistole und bedroht damit den nächsten Menschen, ohne zu sagen warum und dann eskalieren wir fröhlich vor uns hin und rollen von einem Spannungspunkt zum nächsten. Und solange ihr eure innere Stimme ausschalten könnt, die sich fragt, ob manchmal einfach kurz stehen bleiben und irgendeinen PLAN machen, nicht sinnvoller wäre, als einfach immer das zu tun was der Plot gerade erfolrdert, dann habt ihr mehr Glück als ich ... ;-)
Spätestens beim 3. Mal, an dem der Plot nur funktioniert, weil irgendwer völlig kopflos das tut, was der Bösewicht der Szene grade will, ohne auch nur darüber nachzudenken, ob man diese nicht besonders omnipotenten Menschen nicht vielleicht ... I don't know ... überlisten könnte, oder einfach ko schlagen? war ich ein wenig Augenroll-gefährdet.
Die 2. Staffel mischt jetzt noch mehr zwielichtige Gestalten und ein angebliches Medium in diese Konstellation (die 3. Staffel spielt dann scheinbar auf einem anderen Schiff während einer anderen Reise, was auch definitiv a choice ist, wir werden sehen, ob eine gute;-) und es verspricht noch hahnebüchener zu werden. Aber es ist auch irgendwie wie eine Telenovela, man kann manchmal bei allem Augenrollen ein bisschen Spaß am Melodrama haben.
Mehr als 3 von 5 Satinhandschuhe vergebe ich jetzt erstmal nicht, ich warte weiter darauf, dass mir jemand dieses Trope mal vernünftig umsetzt, aber es unterhielt mich genug für heiße Sommerabende, an denen man vielleicht auch nicht unbedingt high-brow-drama braucht. ;-)
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