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29.03.2019

Spiderman Homecoming. Oder: Wenn es die nächste Generation nicht besser macht, wer dann?

So fangen wir mal die Blog-Aufholjagdt zu unseren Film-Rezis an mit Teil 1 der MCU-Aufholjagdt! Ich wollte Captain Marvel evtl. im Kino sehen und/oder auch Avengers Endgame, auch wenn mein Haus verlassen eigentlich nicht mein Ding ist - aber wenn man mehr Frauen-Superhelden will, muss man halt auch mal sein Geld investieren wo es gesehen wird, #consumerpower & #sofarevolution und so ;-) - und das bedeutet wir haben in kürzester Zeit die bisherige Filmographie nachgeholt.
Ich brauchte allerdings nach Spiderman, Thor und Black Panther erstmal eine Pause, weil es halt immer noch Marvel Filme sind und nicht nur Disney immer wieder denselben Film mit verschiedenen Figuren drehen kann...;-)

Für die Rezis versuchen wir aber einfach mal das zu unserem Vorteil zu nutzen und Verbinungen zu ziehen, damit wir uns nicht immer wiederholen - also geht es heute für Spiderman Homecoming vor allem um Bösewichte mit einem Punkt, bei Thor können wir über Katharsis und Comic-Relief sprechen und über Philosophische Konzepte in Black Panther. Strap in, here we go!




Erstmal muss ich vermutlich den persönlichen Disclaimer vorausschicken, dass ich bei Spiderman  nicht wirklich objektiv bin, weil das einer der wenigen Cartoons war, die ich als Kind im Fernsehen gesehen habe. Ansonsten gehöre ich ja eher zu Generation Anime und kann sämtliche Sailor Moon Charaktere und Dragonball Bösewichte aufzählen, aber Spiderman war ein Held meiner Kindheit und daher ist die Figur meinem Herzen einfach näher als Thor oder Ironman oder so...

Und als ganz kleiner, persönlicher Einwurf, lasst mich anfangen mit: Spiderman Homecoming als Teenager Action-Comedy funktioniert für mich besser als alle vorherigen Spidermans zusammengenommen. Tom Holland ist großartig in dieser Rolle - endlich mal jemand, dem man den Nerdy Teenager auch wirklich abnimmt und der nicht nur wie ein Mid/End20er in seltsamen Klamotten aussieht. Und auch das Setting kommt der Figur Spiderman, wie ich ihn in Erinnerung habe, einfach entgegen - Spiderman ist der Typ, der den Bankraub verhindert, den normalen Leuten hilft und nicht unbedingt immer gegen den großen Alien Skybeam kämpft...
Ok das wird im MCU auch nicht zu vermeiden sein, aber für sich allein genommen, als Origin-Story hat es mich sehr erfreut. #justsayin

Aber wir wollten ja Villain-Stuff besprechen, also fangen wir damit mal an:

1. Der Bösewicht sollte der Held in seiner eigenen Story sein
Man muss Marvel zugute halten, dass sie sich ein wenig Mühe geben Bösewichte einzuführen, die zumindest das Rudiment eines "er hat einen Punkt"-Argumentes bekommen. "Moralisch grau" ist ein Begriff, der ähnlich wie Anti-Held in diesem Zusammenhang oft einfach mal in die Diskussion geworfen wird, wo er nichts zu suchen hat, daher lasst mich kurz darauf hinweisen was ein moralisch grauer Charakter ist und warum Vulture keiner ist:
Moralisch graue Charaktere zeichnen sich dadurch aus, dass sie durchaus the Greater Good tun wollen, aber in ihren Methoden zu extrem sind ODER dass sie tatsächlich kriminelle Dinge tun, aber nach einem gewissen Ehrenkodex vorgehen. Die meisten Nicht-Superhelden-Selbstjustiz-Protagonisten fallen zum Beispiel in diese Kategorie - der Schutz der Allgemeinheit ist ein heres Gut, Kriminelle auf offener Straße einfach über den Haufen schießen trotzdem nicht cool.
Vulture ist als Bösewicht die quasi evil-Version von Robin Hood, auch wenn der Honest Trailer schon Recht hat damit, dass Michael Keaton ohne das Kostüm 100x gruseliger ist. Seine Moment persönlicher Tragik ist ein Emphatie-Anknüpfungspunkt, der sich dem Zuschauer erschließt - er wird ungerecht behandelt durch eine große, quasi-gesichtslose Firma und seine Familie wird in ihrer Existenz bedroht. Das ist eine emotionale Verwundung, die wir nachvollziehen können und daraus leitet sich eine Motivation und ein Plan ab, was eine angenehme Abwechslung zu den Muahahaaa-Evil-Weltbeherrschungstypen ist, die man sonst oft im Genre so präsentiert bekommt.
ABER sein daraus abgeleiteter Plan ist zu 100% egoistisch und schert sich nicht im Mindesten darum, ob Unschuldige, die ihm auch persönlich nichts getan haben, verletzt werden könnten. Das System hat ihn betrogen und verletzt, also entbindet ihn das - in seiner Weltsicht - von jeglicher Verwantwortung und er kann fröhlich Superwaffen an Terroristen verkaufen, solange es seinem persönlichen Vorteil dient. Die persönliche Tragik - so verständlich sie sein mag - wird also der Ausgangspunkt für einen völlig überzogenen Rachefeldzug, in dem der "aber die Anderen haben angefangen" Emphatiebonuspunkt sehr schnell verpufft. Vulture ist also - und das ist überhaupt nicht schlimm! - immer noch zu 99% ein ganz normaler Bösewicht, der böse Dinge tut. Er bekommt nur ein bisschen mehr Menschlichkeit verpasst, als der typische Alien-Overloard.

2. Personal is not the same as important
Wie schonmal erwähnt, gefallen mir meistens die Held-Bösewicht Konstellationen am besten, in denen Held und Bösewicht fundamental dasselbe wollen, aber in ihrer Herangehensweise komplett entgegengesetzt sind. Wir kommen da bei Black Panther nochmal drauf zurück, wo ich mir das ein bißchen anders gewünscht hätte, aber für die auf "Teenager-Probleme" zurückgeworfene Prämisse von Spiderman Homecoming fand ich die "erzwungene" Verbindung - aka wir wollen tun was für die die wir lieben das Beste ist - von Bösesicht und Held im Endkonflikt eine interessante Facette. Die Konfrontation zwischen Spiderman, dem High-School-Schüler und Vulture, dem Vater seiner Freundin, ist ein Spannungsmoment des Films, der für mich sehr gut funktioniert und ein netter Spin zu dem "ich kann es nicht mehr sehen und möchte jemanden dafür schlagen"-Trope des Vater-würde-potentiellen-Freund-von-Tochter-am-liebsten-umbringen-weil-MeinMädchen. Ich habe also ausnahmsweise mal nicht den Fernseher angemotzt für diese Szene, weil sie einen entscheidenden Konfliktpunkt beisteuert.
Personal is not the same as important, ist daher der entscheidende Punkt, der hier auch wieder den Helden vom Bösewicht trennt. Wir wollen dem Helden dabei zusehen wie schwer diese Entscheidung fällt und in diesem Fall haben wir dem Bösewicht schon dabei zugesehen was passiert, wenn man sich für den vermeintlich einfacheren Weg von "ich tue nur was mir persönlich wichtig ist" entscheidet. Hier finde ich den Honest Trailer dann auch wieder ein wenig Mäh, denn darauf rumzureiten, dass Peter ja das "Leben seiner Freundin zerstört" ist ein wenig unfair, oder? Ihr Vater sitzt schließlich nicht im Knast, weil ihm etwas angehägt wurde, sondern weil er Waffen an Terroristen verkaufen wollte...Allerdings bekommt er einen Redemption Moment im Gefängnis, das wollen wir auch nicht unter den Tisch fallen lassen.

3. Wenn es die nächste Generation nicht besser macht, wer dann?
Der Film macht seinen faire share of "Millenials sind alle versessen auf ihre Handys und irgendwie oberflächlich" Witze, aber es rutscht zum Glück nicht wirklich oft in die "ja, ok, Teenager sind komisch, haben wir verstanden"-Ecke, was zu 100% (für mich ymmv) daran liegt, dass Tom Holland großartig ist. Teenager werden so oft als nervig und dumm dargestellt, aber der begeisterte Idealismus und Optimismus fällt dabei zu oft flach, oder wird mit Figuren kontrastiert, die einfach "weiser" und "welterfahrener" sein sollen, aber oft eben auch nur fatalistisch und zynisch geworden sind.
Das auch diese Geschichte von Peter Parker daher als Beat Sheet für die "Erwachsene unterschätzen mich" Heldenstory funktioniert, sollte weder überraschen, noch macht das den Film per se dümmer, auch wenn ein bisschen Variation nett gewesen wäre - im weiteren Kontext des MCU ist es aber trotzdem eine erfrischende Perspektive, weil wir uns vorher noch mit der drögen Desillusionierung von Tony Stark und Steve Rogers rumschlagen mussten, die zu einem der plattesten MCU Filme to date geführt hat. Im Gegensatz dazu nehme ich Teenage-Mutant-Spiderman any day!
Und wo wir gerade dabei sind zum wiederholten Male darauf rumzureiten was für ein hot mess Civil War war (nein, ich bin damit noch lange nicht fertig, sorry):
Ja, Tony Stark ist keine sonderliche gute Vaterfigur - wundert das irgendwen...? Für den Großteil des Films fand ich den Gegensatz zwischen Peter & Happy eigentlich die interessantere Beziehung - der Running Gag mit den höflich geschriebenen Nachrichten *hach* ;-) - aber ja, wenn Tony auftaucht, ist er nicht immer konsequent und auch nicht der beste Mentor.
Ich finde es nur etwas ermüdent, dass so getan wird, als müssten Mentoren/Eltern-Figuren in Fiktion immer weise und zu 100% perfekt sein. Es ist nunmal etabliert, dass sich um Andere zu kümmern nicht Tonys größte Stärke ist, aber er gibt sich Mühe und irgendwo muss ja noch Platz für Charakterentwicklung bleiben, no?
Und das "er hat dich mit 15 auf Captain America gehetzt" ist zwar richtig, aber 1. war Civil War eine Schulhofschlägerei, bei der wir NIE auch nur im GERINGSTEN gedacht haben, dass sich irgendwer wirklich weh tut und 2. ist das auch nur eines der vielen, vielen VIELEN furchtbaren Motivationsprobleme von Civil War und sollte daher diesem halbgaren "uns ist egal wer unsere Charaktere sind, Hauptsache Dinge machen BUM" Machwerk zur Last gelegt werden und nicht dem Film, der damit jetzt umgehen muss.

Mein Fazit wäre daher: Teenager-Peter-Parker ist der Millenial von dem man ehrlich hoffen kann, dass er irgendwann mal die nächste Generation von Superhelden repräsentiert, die hoffentlich weniger große Arschlöcher sind, als Tony und Cap, denn die sind beide keine besonders strahlenden Vorbilder.^^

Ich tue mich aufgrund des Marathon-Viewings ein wenig schwer Abstufungen zu finden, daher vergebe ich einfach mal 4,5 von 5 Fahrräder für den #childhoodhero Bonus - irgendwas, das solche Erwarungen nicht enttäuscht, hat schon was richtig gemacht!;-)

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