Publikationen, Projekte, Persönliches

07.06.2019

Ideen-Darwinismus. Oder: Es gibt keinen perfekten Prozess.

Wir haben zuletzt eine etc Folge zum "Tod des Buches" aufgenommen - ja ok, der Witz erschließt sich nur, wenn man weiß, dass die Folge davor das Thema Tod des Autors hatte, aber wer will schon kritisch sein...;-) - in der wir beinahe 1 Stunde über das falling out of love mit einem WiP oder einer Idee gesprochen haben und was man dagegen oder auch damit machen kann.

In der Folge habe ich ein wenig zum einzigen Romanprojekt erzählt, das ich je abgebrochen habe, aber im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich noch einen kleinen Tangent dazu beizutragen habe und vielleicht ist ja die Wiederholung auch nicht so verkehrt für alle, die keine Podcasts mögen.;-)

Was tut man also, wenn man merkt, dass man ein Schreibprojekt gerne abbrechen würde, bzw. dass eine Idee nicht so gut war wie gedacht?
In der etc Folge haben wir eine kleine Checkliste erstellt, mit der sich (hoffentlich) abklopfen lässt, ob man wirklich aufgeben sollte, oder ob man nur durch eines der vielen und völlig normalen Motivationstiefs geht, die auf der Marathondistanz Schreiben vorkommen.
Kurz zusammengefasst ist der Unterschied zwischen Unmut und Aufgeben vor allem eine Feedback-Entscheidung: Was sagt dein Bauch dazu, was sagen deine Betas und was sagt dein zukünftiges Ich (heißt wie stehst du nach ein bisschen Pause und Kopf Freikriegen dazu)?

Aber selbst wenn sich jede Faser des kernigsten Kerns deines innersten Ichs dagegen sträubt diese Geschichte weiterzuerzählen, kann es passieren, dass man doch irgendwie vor dem "Shelving" (also ins "Regal" zurückstellen, auch wenn das evtl. nicht heißt, dass man nie darauf zurückkommt) zurückschreckt - ich kenne das selbst, ich habe Jahre gebraucht, um mir einzugestehen, dass aus dieser einen Romanidee nie etwas werden wird und die unschöne Geschichte um meine abgebrochene Doktorarbeit wollen wir jetzt auch nicht wieder aufwärmen.;-)

Teilweise liegt das vermutlich daran, dass in vielen Schreib-Communities diese "Abbrechen ist Scheitern" und "Du musst dein Schreiben als Job betrachten, da kannst du auch nicht einfach hinschmeißen" Ansichten vorherrschen. Ich halte persönlich gar nichts davon alles in einen "Job" zu verwandeln, wo es nicht zwingend nötig ist, aber das ist evtl. eine Geschichte für einen anderen Post - bis dahin lasst uns mal festhalten, dass man sehr wohl auch Jobs hinschmeißen kann, wenn sie einen nur noch unglücklich machen und jeder - auch professionelle - Autor schonmal ein Buch abgebrochen hat.

Ein anderer Teil in uns grämt sich vielleicht um die verlorenen Ideen, die guten Ansätze und die "Totgeburt" von soviel Potential. Und das geht sogar mir so, obwohl ich ansonsten eigentlich eine recht harte Linie in puncto Ideen-Darwinismus vertrete und das finde ich dann schon psychologisch wiederum interessant.;-)
Wie man weiß, folge ich nicht oft Ratschlägen von Stephen King, aber ironischerweise fand ich seinen Rant zu Notizbüchern - er nennt sie den "Friedhof guter Ideen" - immer irgendwie symphatisch. Ich persönlich nenne meinen Ideenfindungsprozess intern die ABBA-Methode, weil ich irgendwann mal aufgeschnappt habe, dass ABBA ihre Songs nie notiert haben während sie in Entwicklung waren. Entweder war die Melodie also einprägsam genug, als dass man sie am nächsten Morgen immer noch mitsummen wollte, oder auch nicht. So habe ich bisher alle meine Ideen entwickelt und das schließt die Kurzgeschichten für die Bruchstücke mit ein - lustigerweise war ich da aber total im Zen, ich habe mit Sicherheit 5x mehr Ideenspliter aufgeschrieben, als ich nachher ausgearbeitet habe und hatte 0, Zero, überhaupt-keine Gewissensbisse diese angerissenen Ideenfetzen Ersatzlos zu löschen, wenn ich die Melodie nicht im Kopf behalten konnte. Eine Kurzgeschichtenidee zu trashen oder die Geschichte sogar abbrechen fühlt sich also (für mich ymmv) viiiieeeel weniger wie Scheitern an, weil ich mir tatsächlich gedacht habe 'pff wo die Idee herkam, hab ich noch 1000 andere'.

Warum also diese Denkweise nicht auf größere Projekte übertragen? Das Potential ist nicht verschenkt, es steht im Regal und vielleicht kollidiert es irgendwann mit einer anderen Idee und wird ein Ohrwurm, den man nicht wieder loswird. Vielleicht auch nicht, aber wie Neil Gaiman sagen würde "Think Dandelions!" - in den 1000 Samen, die so darauf warten zu keimen, wird schon irgendetwas Schönes und Belastbares dabei sein, man sollte (eine ewige Weisheit für alle Bereiche des Lebens) nie eine Beziehung weiterführen, auch nicht zu einem WiP, wenn sie sich nur noch wie eine schreckliche Bürde anfühlt.

Die etc Folge erscheint leider erst in ein paar Wochen, wir sind so unglaublich fleißig mit der Vorproduktion gewesen, aber wer dringend jetzt schon mehr Input zum "Should I stay or Should I go?" braucht, kann ja mal in der Video von Jenna reinschauen!:-)
Und wie auch immer ihr euch entscheidet, macht es mit Überzeugung!


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