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14.06.2019

Wreck-It Ralph. Oder: Die Dunkle Seite von Forcing Change

Teil 2 meiner "Ich brauche dringend eine MCU Pause" Phase haben wir mit Wreck-It Ralph gefüllt, einem poppig bunten Kinderfilm, der nach genau derselben Prämisse operiert wie Toy Story und - wie der Honest Trailer so wunderschön zusammenfasst - poppig bunte, schnelle Bilder benutzt, um uns beängstigende Wahrheiten über das Leben zu erzählen.;-)

Und wenn es etwas gibt, das ich noch lieber mache, als lustigen Cartoonfiguren beim auf die Fresse fallen zuzusehen, dann ist es tiefsinnige Über-Interpretationen von Kinderfilmen zu verbreiten, also here we go!



1. Futter für das Innere Kind
Zuerstmal muss ich dem Honest Trailer noch in einem anderen Punkt zustimmen: Obwohl rein vom Look her, Ralph eher so in der Alterzielgruppe 0-16 anzusiedeln sein könnte, glaube ich rein von der Story eigentlich eher, dass dieser Film für das Innere Kind von Menschen zwischen 30&50 gedacht war, denn ansonsten würden viele Dinge einfach nicht so viel Sinn machen...
Angefangen mit der Tatsache, dass niemand heute mehr in Arcades geht - das war nicht mal mehr zu meiner Jugend ein Ding, aber vielleicht ist das in den USA anders - und dass alle diese lustigen, aber sehr nerdy Computerspiel Anspielungen zwar ziemlich witzig sind, aber sich auf Spiele aus den 80ern beziehen und selbst ich bin schon Generation post-Pack-Man!;-)
Das ist jetzt neither here nor there was die Story angeht, aber ich wollte es mal erwähnt haben - entweder hat wer auch immer den Film entwickelt hat, wirklich keine Lust gehabt seine Story-Idee aus den 80ern an morderne Spiele anzupassen und/oder er wollte Eltern die Möglichkeit geben mit ihren Kindern über die "guten alten Zeiten" zu reden, was ja auch nett ist...;-)

2. Dark-Take No 1: Forcing Change is Baaaaad!
Erinnert ihr euch noch an Black Panther und Forcing Change? Ralph zeigt uns mal in wunderschönen "Mad Villain Vibes" was passiert wenn man sowas nicht hinkriegt:
In einer Welt, in der Type-Cast unumgänglich ist und jede Abweichung eine potentielle Bedrohung deiner Existenz ist, weil wer nicht nach den Regeln spielt, dessen Spiel wird Außer Betrieb genommen und seine Charaktere sind fortan arme Bettler angewiesen auf die Almosen Anderer - was wirst du tun?!
Ich fand das eine interessante Kulisse, um einen Film darüber zu machen, dass anders sein nicht schlimm ist, aber dazu gleich.;-)
Erstmal haben wir also im Candy King einen Bösewicht, der uns demonstriert was passiert, wenn man sich nicht mit Wandel abfinden und nicht loslassen kann...ich frage mich, ob dieser Film vielen Twitter Usern Angst gemacht hat, weil sie ihre verzerrte Fratze in diesem manischen Rennfahrer wiedererkannt haben...*bedrohlicher Akkord* ;-)

3. Dark-Take No 2: It's good to be baaaaad!
Vor dem Hintergrund, dass also Forcing Change Baaaaad ist, haben wir also die Geschichte von 2 Figuren, die lernen müssen, dass man sich nicht verändern muss, um sich anzupassen und dass die Akzeptanz unserer "Fehler" und Eigenheiten uns stärker macht.
Dieses ganze "It's good to be bad, ich werde nie etwas anderes sein als ich selbst blabla" ist zwar ein wenig gruselig, weil es wie ein AA Mantra klingt (und das ist ja kein Versehen;-), aber es ist eine nette Art der "Characterentwicklung", die oft ein wenig übersehen wird. Meistens geht es ja doch darum "welche Fähigkeiten entwickelt Charakter XY", wie entwickelt er sich weiter blabla, während  sich Ralph und Vaneloppe eigentlich nur darauf konzentrieren müssen was sie jetzt schon einzigartig macht. Die neue "Fähigkeit" ist also eher ein neues Akzeptanz-Mindset, das übrigend auch auf die Nebenfiguren zutrifft:
Ralph ist der Bösewicht, der nur kaputt machen kann & lernt wann das tatsächlich nützlich ist - zusammen mit Felix, der nur reparieren kann & lernt, dass das manchmal nicht hilft.
Vanelope lernt dass "anders zu sein" auch ein Vorteil sein kann & ihr glitching ihre heimliche Superkraft ist - wobei ich es gar nicht schlimm gefunden hätte, wenn sie tatsächlich nicht die Prinzessin hätte sein müssen...aber naja Power Fantasies für Kinder, you do you!;-)
Und apropos Badness und Glitching als heimliche Superkraft - Vanellope bekommt die Möglichkeit sich zu ändern und entscheidet sich (trotz allem "du musst in deine Rolle passen" Druck) dagegen. Das ist wenn man so will ein ähnlicher Character Beat, wie ihn Finding Dory mit seinen "Einschränkungen müssen uns nicht einschränken" Figuren hinzubekommen versucht, aber für mich zumindest macht Wreck-It Ralph den Punkt ein bisschen besser - was aber auch daran liegt, dass Dory keine Game Magic hatte.;-)

Jetzt müssten wir nur noch alle eine Möglichkeit finden unseren Zensor zu unserer besten Freundin zu machen und dann hätten wir alle eine heimliche Superkraft...man wird ja noch träumen dürfen!;-)
In der Zwischenzeit vergebe ich mal 4,5 von 5 Bonbons für einen ziemlich witzigen Film mit nur leichten "ugh zu buuuuunt" Abzügen!

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