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05.08.2019

Dragon Age Deception. Oder: Die Kunst nicht zuviel zu wollen

Ich taste mich ja immer noch wieder "vorsichtig" an die Kunstform Comic heran, weil ich einfach so lange keine mehr gelesen habe und entdecke dabei viele interessante Versatzstücke, die auch in einer Prosa-Erzählung funktionieren, vermischt mit visuellen Erzähltechniken, die ich auch in Filmen und Serien finde.

Insgesamt ist die Graphic Novel an sich also schon eine spannende Mischung aus visuellem und erzählerischen Storytelling und auch damit könnte ich vermutlich einen ganzen Blogpost füllen (vielleicht machen wir das irgendwann mal, wenn mein Zensor nicht so laut dazwischen blökt, dass ich keine Ahnung habe wovon ich rede;-), aber heute sprechen wir nochmal über Dragon Age und zwar über die neuste Comic-Auskopplung auf dem Weg von DAI zu (hoffentlich) DA4: Dragon Age Deception

Und wer den Titel des Posts schon kryptisch negativ fand....jaaa....das war nicht so meins, aber bevor wir da ins Detail gehen, worum geht es eigentlich?


Olivia Pryde hasn't worked an honest day in years. Once an actress, she now lives by the con, and has come to Tevinter with a new target: Calix Qintara, the heir to a wealthy house. Once she approaches the young man, she quickly realizes that he is not exactly who he says he is--and she may be in too deep.

Erstmal, nehmen wir uns einen kurzen Moment, um darüber zu fangirlen wie großartig dieses Cover ist? Ja, ich denke das tun wir! ;-)
Das Cover ist großartig und die Figur von Olivia, wie sie gepitcht wird, hat dieses "uhhh yes, tell me more!" Gefühl eines Charakters, wie wir ihn zumindest in "traditioneller" Fantasy nicht so oft sehen.  Es gab ja sehr viel Fan-Buzz zu DA4 und dem Re-Boot von ProjectJoplin zu ProjectMorrison und was das jetzt für die schon "geleakten" Storyabschnitte bedeutet und blablabla.

Ich erspare euch das jetzt, denn entweder seid ihr so obsessiv wie ich und wisst das alles schon, oder es interessiert euch ungefähr genausowenig wie was ich heute zum Frühstück hatte, von daher lasst mich nur kurz sagen: Es gibt die Darstellung, dass die ursprüngliche Idee für DA4 eine eher Guerilla/Con-Artist/Heist-Quests lastige Geschichtsführung haben sollte und ein Charakter wie Olivia wäre dazu quasi perfekt gewesen, no?
Also Einbruchsplanung ala Oceans 11 statt LotR Endschlachten - darf man das in Fantasy? Keine Ahnung, aber ich hätte es großartig gefunden! Ob und wenn ja wann wir diese Story aber jetzt je zu sehen bekommen werden, wird wohl nur die Zeit zeigen.

Ich war also sehr gespannt auf diese Geschichte, diesen Charakter und diesen Comic und dann....fühlte ich mich am Ende ein bisschen wie ein zusammengefallenes Soufflé, weil...und das klingt jetzt wirklich böse, aber es ist leider wahr....in meinem Kopf während des Lesens immer diese eine Frage schwirrte....Why is this so bad??
Seriously, ich kann jetzt ein wenig mitfühlen wie es den GoT Fans ergangen ist, die sich nicht mit "wir wollten eben ein Ende, ok?!" abfinden konnten - ich habe das starke Gefühl die Autoren dieses Comics wussten wie es enden soll, nämlich mit einer Gruppe von Charakteren, die aus Tevinter flüchtet, um ein McGuffin zu suchen. Sie wussten welche Charaktere sie wollten und alles was sie tun mussten war jetzt die Story dahinzuprügeln, dass diese Charaktere die Information zu diesem McGuffin finden und dann losziehen - achso ja und es war wichtig, dass sie sich alle irgendwie nicht mögen, weil...das ist immer gut, Konflikte und so!

Das Problem ist nur....sie erreichen dieses festgesetzte Ende, indem nichts was ihre Figuren tun irgendwie Sinn ergibt. Nice, huh? Not really...

Ich habe da mal ein paar Beispiele:
1. Olivia Pryde, super Con-Artist
Olivia ist einer dieser Charaktere (und leider sind es oft Frauen, aber auch manchmal Männer), die als suuuper talentiert in [Fähigkeit] vorgestellt werden und dann den Rest des Plots damit verbringen [Fähigkeit] zu versauen.
Hier ist also eine Super Con-Artistin, die es alleine in den ersten 20 Seiten 3(!) fucking Mal verkackt sich aus einer brenzligen Situation herauszureden....hmmm....tjaaa....ich glaube nicht, Tim!
Und sie versucht es meistens auch nicht Mal, jedes Mal, wenn sie beschuldigt wird eine Betrügerin zu sein, läuft das so "Aber er ist auch ein Betrüger!" oder "Ok erwischt, also was nun?"
Und ich so.....Du könntest auch einfach....lügen...?? Nein? Nicht? Ok whatever....

2. Calix ist da, weil...?
Calix ist der "Anfänger" Con-Artist, weil er marginal ein wenig mehr dumm ist, als Olivia. Dann hat er eine traurige Backstory und sie hat Sex mit ihm - aus Gründen, nehme ich an - was ihr Ex-Lover (ja Ser Aron & Vaea sind in dieser Geschichte und tun beinahe nichts und das macht auch beinahe nichts besser - muss man erstmal hinkriegen) als Vorwand nimmt wieder zu saufen.
Dann serviert sie Calix nach dem One-Night-Stand ab, weil sie halt keine Beziehung will und er heult sich bei Vaea aus. Diese Unterhaltung läuft so:
"Fickt ihr eigentlich immer eure Lehrerinnen hierzulande?"
"Ich dachte sie wäre was Besonderes."
"Lass mich bloss damit in Ruhe!"
*er versucht sie zu küssen*
Und sie so: WTF?!
Und ich so: WTF?!?!
Why is this so bad....seriously, did anyone proofread this?
Calix ist also Vaea jetzt unsymphatisch, aber alle anderen finden ihn ok und daher darf er am Ende mit der Truppe weiterziehen, weil das von Anfang an so geplant war. Aber jetzt haben wir ja auch einen Konflikt weil sich 2 Figuren nicht mögen, clever was? Ugh.

3. Und der Pokal für den Most Awkward Sentence geht an....
Ich habe 2 zur Auswahl, einmal haben wir da eine Venatori-Tochter, die am Ende auch mit der Truppe rumziehen soll (warum auch immer, das war scheinbar so in Stein gemeißelt), aber wir brauchen Konflikt, also lassen wir Calix & Olivia über 4 Ecken (also eigentlich nicht wirklich, aber egal^^) dafür verantwortlich sein, dass ihr Bruder umgebracht wird. Sie muss aber noch mehr Konflikt haben, also findet sie Calix einfach scharf, weil....jeder weiß, dass Enemies to Lovers cool ist. Ugh. Diese "Schwäche" für Calix formuliert ihr Burder so:
"He is a handsome man of lean build and we both know that this is your weakness!"
Und ich so....Why is this sooooo bad...??? *sob*
Nicht nur, dass das die maximal peinlichste "kein normaler Mensch redet so mit seiner Schwester" Formulierung ist, die ich je gehört habe, aber...ihre Schwäche sind dünne Schönlinge und das hebelt ihr Gehirn aus und jeder weiß das....? Yeah whatever...
Außerdem haben wir noch Calix, der den letzten Satz des Comics bekommt und dabei *bambamBAAAM* Olivias Nachnamen annimmt, um ihr Andenken zu wahren (es sieht so aus, als wäre sie am Ende tot, aber ich weigere mich das in meinen headcanon zu übernehmen, weil sie der einzig erträgliche Charakter ist, den diese Geschichte hat - außer dem Hund, der Hund ist toll;-).
Und das ist so....erinnert ihr euch an Titanic, wo Rose am Ende Jacks Nachnamen angibt, als wären sie wirklich verheiratet gewesen? Das war damals schon schmalzig, aber hatte noch irgendwie diesen "hach ja" Moment, aber diese Leute kannten sich...48 Stunden? Und hatten einen One-Night-Stand bevor sie ihn eiskalt abserviert hat?....Sehr romantisch....

Es ist also sehr viel Melodrama in dieser Geschichte und auch in der Visualisierung - ich habe alleine drei Panels gezählt, die nur aus düster blickenden, den Leser direkt anstarrenden Augen bestehen, während jemand unheilschwangere Sätze sagt Und da ist sie dann wieder, die Verquickung von Text und Bildlicher Darstellung, wenn das ein Film wäre, müsste man vermutlich Uwe Boll rufen....ok das war gemein, aber ihr wisst was ich meine, no?! ;-)
Ich habe die Befürchtung, dass diese auf über 9000 gelevelten Emotionen irgendwie darüber hinwegtäuschen sollen, dass diese Comicbücher sowas wie Kurzfilmchen sind - wir haben nicht viel Platz, um die Figuren vorzustellen, aber den McGuffin Plot müssen wir ja auch noch unterbringen und ahhhh viel zu wenig Zeit, um auf unser in Stein gemeißeltes Ende hinauszulaufen (da war es wieder...GoT anyone?). Decpetion will also in sehr kurzer Zeit sehr viel und das funktioniert zumindest für mich überhaupt nicht, sondern wirkt nur in seiner Over-The-Top-Ness unfreiwillig komisch.

Ich lasse diese Comics ja außer Wertung laufen, aber hier fand ich es wirklich wirklich wirklich schade, dass eine großartige Prämisse und Idee, mit potentiell großartigen Figuren so wenig Raum und so eine hingeschluderte Geschichte bekommen haben. Die Kunst seine Limitationen zu kennen und nicht zuviel zu wollen, ist eben auch ein Skill, den Erzähler können sollten.

P.S. Eigentlich wollte ich diese Review mit ein paar ähnlichen Denkansätzen verbinden, die ich zu MassEffect Andromeda hatte, aber das wäre ein Romanlanger Post geworden, daher machen wir das ein andermal!;-)

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