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02.08.2019

Independende Day Resurrgence. Oder: Ein gutes Feindbild...

Jaaa es war wieder Zeit für eine Verschnaufpause in der MCU Aufholjadgt und außerdem war es ein Feiertag und ich wollte einen Film ohne jede Hirnleistung oder Erwatungshaltung sehen. Daher Independence Day Resurgence, weil es mir Netflix gerade vorschlug...;-)

Nun wird es vielleicht nicht wirklich überraschen, wenn man meinen üblichen Filmgeschmack kennt, dass ich den alten Independence Day eigentlich ganz gut fand - der Film ist sehr prä-9/11 und aus diesem und vielen anderen Gründen schlecht gealtert, aber als nicht besonders tiefsinniger Alien-Invasion-Film hat er für mich immer funktioniert.

Oder, wie es im heutigen schlauen Video heißt: It's stupid as rocks and I like it.


Und auch wenn ich Emmerich immer noch Anonymus übel nehme (stupid as rocks trifft es nichtmal annährend^^), wenn es eine Wahrheit aus dem obigen Vortrag mitzunehmen gillt, dann diese: Er weiß, welche Geschichte er erzählen will und zieht das durch.
Und daher - Spoiler, falls man sich die Vollversion ersparen will - funktioniert der "neue" Independence Day für mich auch besser als der alte und ist meiner Meinung nach sogar weniger dumm.;-)
Immer noch da? Ok, dann let's do this!

Erstmal halten wir fest: Alien Invasion Filme operieren nach der Prämisse "Ein gutes Feindbild strukturiert den Tag", Krieg ist gut für den zwischenmenschlichen Zusammenhalt und Propaganda ist quasi überlebensnotwendig.
Das ist in jedem Alien Invasion Film so, denn meistens (ich habe Arrival noch nicht gesehen, habe aber vor das alsbald nachzuholen) haben die Aliens im Gegensatz zu einem Zwischen-Menschen-Kriegsfilm keine Motivation, die sich irgendwie grau schattieren lässt - wholesale Invasion macht keine Gefangenen und daher kann man sich den ganzen "Terroristen für die einen, Freiheitskämpfer für die anderen" Interpretationsquatsch sparen, mit dem man ansonsten immer Historiker beschäftigt hält.;-)

Über tiefsinnige Punkte der Alien-Philosophie braucht man sich hier also auch nicht den Kopf zu zerbrechen, die sind gekommen um ihre Gefallenen zu rächen und wir machen sie platt, fertig, Plot abgehakt.

Und trotzdem gibt es Punkte, die für Resurgence als "der bessere Independence Day Film" sprechen:
1. Das Worldbuilding und Charakter Set-Up
Ich bin vor allem verliebt in Akt 1 dieses Film, weil ich hard Sci-Fi ab und zu großartig finde und alles was hier passiert ist quasi sehr solide FanFiction zum Thema "was passiert nach Teil 1" mit Extrapolationen zu "was macht Alien Invasion und Technology aus unserer Gesellschaft".  Mir gefiel vor allem der seit Jahrzenten andauernde Ground War gegen die überlebenden Aliens - das hatte so einen grim reality touch, der dem zuckensüßen all-happy-ending des ersten Films völlig abging.

Dann müssen wir unsere Geschichte natürlich noch mit ein paar Menschen garnieren und das kann man mit dummen Pappaufstellern machen, wie Jurassic World, oder mit ein paar einfach einzuführenden Archetypen Figuren, die eine nachvollziehbare "Aufgabe" haben (Konflikt mit dem besten Freund beilegen, Sinn im Leben finden, sich aus dem Schatten seines Helden-Vaters lösen, die Frau um ein Date bitten etc.) und dann diese während des Plots verfolgen und abschließen können.

2. Set-Up von allem, was nacher wichtig ist:
Man mag diese Art von Storytelling simplistisch finden, aber sie funktioniert - und mir ist es lieber die Figuren bekommen eine einfache Aufgabe, die sie aber im Krosett des "Alien Film mit Explosionen" Plots auch zuende bringen können, als dass sich die Filmemacher in Charakterdrama versteigen und am Ende bleiben sowohl die Alien-Explosionen, als auch die Character Arcs auf der Strecke...man muss eben seine Limitationen kennen.;-)
Resurgence (wie auch der alte Film) erklärt uns also in Akt 2, alles worauf es sich im Showdown berufen will:
1. Man tötet Aliens von hinten
2. Vertrauensbrüche zwischen Menschen können überwunden werden mit einer aufrichtigen Entschuldigung
3. Die Zukunft gehört den Kindern
etc. etc.

3. Showdown, der das alles zusammenbindet
Der Showdown gegen die Alien-Königin ist dann auch genau das, was die Action-Zuschauer sehen wollten, aber Transformers ist auch ein Actionlastiger Film, dessen menschliche Charaktere alle mehr oder minder Zugwracks sind, die man nur an die Wand klatschen möchte (ok Marc Wahlberg hab ich nicht gesehen, weil es mir reichte, aber ich stehe zu diesem Statement^^).
Die menschlichen Figuren in diesem Film sind nicht nur leere Projektionshüllen für die Power-Fantasien der Zuschauerschaft und gerade weil ihre Aufgaben nicht sooo komplex sind, haben sie trotz All-out-Mayhem in Akt 3 noch Zeit und Gelegenheit ihre Entwicklungsflugbahn mit zufriedenstellenden Character Beats zum Abschluss zu bringen.

Ich stehe also dazu, ich finde den neuen Independence Day weit weniger Cringe Worthy, der Humor ist nicht so schrecklich 90er, die Effekte sind besser, und die Geschichte, die es zu erzählen versucht, erzählt es, ohne dass man am Ende mit Fragezeichen über dem Kopf zurückbleibt.

Ich ziehe einen persönlichen Punkt ab für den Tod meines Lieblings-Wissenschaftler-Sidekicks, aber das darf ich ja auch, weil das hier meine Internet-Ecke ist - und 4 von 5 Stricknadeln, sind ja auch nicht verkehrt, no? ;-)

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