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23.08.2019

Netflix Losers, Charakter Breaking-Points und The Dark Night of the Soul

Wir versuchen (will heißen, wir haben noch nicht richtig angefangen;-) eine Art "Internet-Schreib-Fragen beantworten Challenge" für unsere nächte etc Jubiläumsfolge zusammenzu stricken - also wir werden Schreibfragen aus Reddit und Foren und sonstigen Quellen zusammentragen und dann ein Zeitlimit setzen und sehen wer die meisten beantworten kann...ja es wird eine lustige Folge und nicht besonders ernstzunehmen, warum fragt ihr?;-)

 Aaaanyway, jedenfalls war das der Grund, warum ich ein wenig sensibilisiert gegenüber der Tatsache war, dass mir innerhalb von 3 Tagen mehrere Varianten der Frage untergekommen sind "Meine Charaktere sollen böse auf die Nase fallen bei dem was sie tun, but I'm hurtin..."
Ich meine....das Schreib-Label in diesem Blog ist Sadistic Authors Club, also könnt ihr euch schon denken, dass ich dieses Sentiment nur so rudimentär teile, aber Scheitern und seine Konsequenzen sind trotzdem etwas, das ich in vielen fiktionalen Formaten vernachlässigt finde und daher sprechen wir heute über meine Liebslings-Netflix-Doku Serie bisher in 2019 und wie man das ändern könnte.
Strap in!:-)



Erstmal zum Anfang: Ich liebe diese Serie und jeder und jede sollte sie gesehen haben!
Das Editing ist großartig, die Effekte sind unheimlich niedlich und das Doku-Storytelling ist wirklich, wirklich gut gemacht!

Aber was (fast) noch wichtiger ist: Diese wahren Geschichten liefern auch die perfekten Charakterstudien für "was tue ich, wenn ich so böse auf die Nase gefallen bin, dass mein Leben aus den Fugen geraten ist" - und das ist genau das, was wir für fiktionale Charaktere brauchen, denn:

1. Wenn deine Figuren nicht scheitern dürfen
Für Menschen, die tatsächlich von fiktionaler Emphatie befallen sind und davor zurückschrecken ihren Figuren schreckliche Dinge anzu tun - und sich nicht so wie ich, einfach immer darauf berufen, dass sie am Ende ein Happy End kriegen und sich nicht so anstellen sollen;-P - ist es vielleicht nützlich zu wissen, dass es vielleicht wehtut, aber die Geschichte unheimlich viel verliert, wenn Charactere einfach "unstopable" sind.
Ich glaube ich muss weder nochmal auf mein Darker Shades Trauma hinweisen, noch den ziemlich lahmen Gott-Komplex nochmal aufwärmen, den man als Inquisitor in DAI bekommt - wen das interessiert, die Götter des Internet haben die Verlinkung erfunden;-) - um den Punkt zu machen, dass ein Spiel ohne Gegner einfach keinen Spaß macht. Wenn niemand gegen euren "Underdog" eine Chance hat, dass ist er/sie a) nicht wirklich ein Underdog und b) langweilig, weil es nie wirklich offensichtlich wird, dass irgendetwas misslingen könnte.
Niemand mag Streber und niemand mag die Leute, denen alles zufliegt und die einfach immer perfekt sind und alles können...#justsaying ;-)

2. Aber vorsicht!
Scheitern ist also wichtig für jeden Charakter, es gibt sogar einen eigenen Story Beat im Drehbuch Beat Sheet für den "lowest of low points", aber man kann es auch Breaking Point oder sonst irgendwas nennen. ABER vorsicht! Der Super Assasin, der immer daran scheitert Leute zu töten, ist nicht unbedingt was gemeint ist und auch nicht unbedingt toll...
Und ich möchte noch einen anderen Vorsicht Punkt einfügen: Super-Powered Characters und ihre Probleme
Damit sind jetzt nicht unbedingt Superhelden Charaktere an sich gemeint, denn wie wir schon wissen, ist es ein relativer Standard-Plot dem Helden alles wegezunehmen, was ihn ausmacht und ihn ohne Superkräfte auskommen zu lassen - das wird nur schwierig bei Helden, die quasi per se fast nicht besiegbar sind, wie Superman oder Captain Marvel.
Superman löst das ziemlich lahm (meine Meinung ymmv) mit einem super seltenen Chemiezeug, das trotzdem jeder Bösewicht irgendwann gegen ihn verwendet - und bei Captain Marvel wird man es abwarten müssen, aber ich hoffe doch sehr, dass ihnen was besseres einfällt, denn die unbesiegbare One-Woman-Army ist doch ziemlich einseitig. Es ist schwierig plausibel zu erzählen, dass sie jedes Mal gegen eine ganze Flotte von Space Kriegsschiffen antreten muss...

3. Use some Sense & Sensibility
Leider gibt es noch einen anderen "aber vorsicht" Punkt, der aber nur dann zum Tragen kommt, wenn die Figuren einer Story wirklich auf die Nase fallen dürfen: Die Konsequenzen des Scheiterns, oder auch "könnten wir ein paar Gehirnzellen darauf verschwenden wie wir Traumabewältigung darstellen"?
Das ist jetzt weniger ein "Ich habe die perfekte Patentlösung" Punkt, sondern nur ein generaller und schwammiger Disclaimer. Es gibt jede Menge Ressourcen, die dir erklären können, wie sich PTSD, Depressionen, Selbstzweifel oder Selbsthass auf die Psyche eines Menschen auswirken - nutze sie, damit deine Charaktere nicht dumme Klischeeabziehbildchen werden und den Leuten schaden, die damit im realen Leben fertig werden müssen, ok? Ok!

Wer bis hierher gelesen hat: Vielen Dank, kommt zu meinem "Scheitern ist awesome" TED Talk und schaut euch Netflix Losers an, es ist toll!;-)

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