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16.03.2020

Listening to: Circe. Oder auch: Familiendrama Deluxe

Wie angekündigt, muss ich ja noch mein zweites Retelling und das zweite (Hör)Buch von Madeline Miller nachliefern, das mir mein Krankenlazarett ein wenig erträglicher gemacht hat.

Tatsächlich hat mich vor allem Circe dazu gebracht mir zu denken, dass so ein Retelling einer weniger bekannten Story - ich nehme mal an, dass ihr wie ich den Namen auch eher bisher nur als Fußnote in der Odyssee in Erinnerung hattet - ziemlich spannend sein könnte, denn ich hatte sehr viel Spaß an dieser Geschichte.

Aber bevor wir dazu kommen, worum geht es in diesem Buch, gelesen von Perdita Weeks?

In the house of Helios, god of the sun and mightiest of the Titans, a daughter is born. But Circe is a strange child - not powerful, like her father, nor viciously alluring, like her mother. Turning to the world of mortals for companionship, she discovers that she does possess power - the power of witchcraft, which can transform rivals into monsters and menace the gods themselves.
Threatened, Zeus banishes her to a deserted island, where she hones her occult craft, tames wild beasts and crosses paths with many of the most famous figures in all of mythology, including the Minotaur; Daedalus and his doomed son, Icarus; the murderous Medea; and, of course, wily Odysseus.
But there is danger, too, for a woman who stands alone, and Circe unwittingly draws the wrath of both men and gods, ultimately finding herself pitted against one of the most terrifying and vengeful of the Olympians. To protect what she loves most, Circe must summon all her strength and choose, once and for all, whether she belongs with the gods she is born from or the mortals she has come to love.

Zuerst mal muss ich anmerken, dass ich Perdita Weeks als Lesestimme angenehmer fand, als Frazer Douglas als Patroklos, aber das ist natürlich eine persönliche Geschmacksfrage. Das Cover wiederum finde ich nicht sooo hübsch dieses Mal, was aber auch daran liegen kann, dass ich das Orange ein wenig grell finde - ich habe ein Orange Cover Trauma seit mir mein erster Verlag mal einen grell orangen Schriftzug auf das Rosenfriedhof Cover klatschen wollte...damit es besser "poppt"...kein Kommentar...;-)
Das ist nun aber alles mehr oder minder BlaBla, also mal was zum Buch:

1. Das mit dem Ich-Erzähler
Wie dem immer so ist, hängt auch ein gut geschriebener und gut gemachter Ich-Erzähler immer noch ein wenig an dem persönlichen Präferenzen Faden, denn man muss die Perspektive auch mögen bzw. die Erzählerstimme compelling finden.
Für mich persönlich ist Circe ein interessanterer Charakter als Patroklos, angefangen bei ihrem Kindheitsballast über die wenig verschleierten, unschönen Seiten ihrer Persönlichkeit, bis zu ihren Problemen mit Familie und Mutterschaft. Die Romance zwischen Patroklos & Achilles im "ersten Buch" (es ist ja keine direkte Serie nur ein shared universe;-) ist zwar sehr niedlich und wholesome, aber Patroklos an sich ist eben auch schon so ein wenig der super-good-guy.
Mir gefallen gut geschriebene angeknackste Charaktere meistens besser, daher habe ich Circe sehr ins Herz geschlossen, auch wenn sie Männer in Schweine verwandelt...;-)

2. Tell Tell Tell
Wir haben zuletzt eine Erste Hilfe Kasten Anfänger Podcast Folge zu Show vs Tell also Zeigen vs Behaupten aufgenommen, in der ich eigentlich auch über dieses Buch hätte sprechen können, denn es führt leider nunmal kein Weg daran vorbei, dass der Erzählstil der Autorin sich sehr legendenhaft, erzählungslastig liest, was jetzt für das gewählte Thema nicht schlecht ist, aber manchmal hätte ich mir ein wenig mehr Ambiguität gewünscht, ein wenig mehr "zeigt mir die Dinge einfach und lasst mich meine eigenen Schlüsse ziehen, sie muss mir nicht ständig erklären wie sie sich grade fühlt".
Vielleicht ist es auch dem Ich-Erzähler geschuldet - obwohl das nicht sein muss, es gibt auch weniger erzähl-lastige 1st-person Bücher - aber diese kleine Einschränkung in meiner Lesefreude hat sie noch nicht ganz ausgeräumt.
Die Dialogdichte und -Qualität ist aber schon erkennbar höher als in ihrem Erstling und ich motze hier wirklich auf sehr hohem Niveau, das muss man ehrlichweise dazusagen!

Ich habe daher auch ein schlechtes Gewissen mehr als ein winziges, halbes Pünktchen dafür abzuziehen und komme daher auf 4,5 von 5 Sonnenstrahlen. Definitiv empfehlenswert!

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