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12.06.2020

Alternde Historie Teil 2: Ich, Elisabeth

Ich war neugierig nach meiner "Hm dieses Buch ist nicht mehr soo gut, wie ich es in Erinnerung habe" Erfahrung mit der Herzogin und habe zwischendurch, einfach mal, um mein Hirn wieder zu resetten nach meinem Drachen-Fiasko, ein anderes Buch aus dem Schrank gezogen, von dem ich weiß, dass ich es ziemlich großartig fand, als ich jünger war: I, Elisabeth von Rosalind Miles


The author combines her skills as both novelist and historian to recreate the memoir Elizabeth might have written. Her life as a princess - educated, but not for the throne - her torment later over Robert Dudley and the Earl of Essex, Mary Queen of Scots and other secret issues.
Der Klappentext ist wieder mal ein wenig unterwältigend, aber ich muss erwähnen, dass Ms Miles tatsächlich eine Historikerin ist, die ich in meinem "akademischen Leben" schon getroffen habe - ich glaube es war im Shakespeare Kontext...würde passen;-) - und von der ich positiv beeinflusst war. Nun kann allerdings nicht jeder Historiker auch historische Romane, von daher, lasst uns mal drüber sprechen!

1. Historical = Romance?
Was mir aufgefallen ist in beiden Büchern ist die Tatsache, dass ich mich nicht mehr so stark daran erinnerte, dass es eigentlich historische Romance Geschichten sind - heißt die historischen Tatsachen finden schon statt, aber eigentlich ist das Ganze eingebettet in eine Liebesgeschichte.
Ich bin jetzt unsicher, ob das dazu beiträgt, dass ich diese Bücher heute nicht mehr mit derselben Begeisterung lese, weil ich einfach Romance nicht mehr so spannend finde, wie als Teenager. Oder vielleicht bin ich auch einfach inzwischen übersättigt, denn es fällt mir auf, dass ich mit Ausnahme des Medicus kein einziges(!!) histroisch inspiriertes Buch in meinem Besitz nennen könnte, das keine Romance ist...like, ist Geschichte mit Frauen immer = Romance? Scheinbar schon...vielleicht bin ich zwanzig Jahre später einfach zu zynisch geworden, um das noch normal zu finden?
I don't know...geht euch das auch so?

2. I, Elisabeth
Die zweite Gemeinsamkeit fast aller historischen Romances/Romane, die ich spontan aufzählen könnte, ist die Eigenheit des Ich-Erzählers.
Beim Medicus bin ich grade unsicher, ich glaube der war 3rd person, aber die "Frauengeschichte" Bücher? Alles Ich-Erzähler.
Scheinbar hat es einen speziellen Appeal in den Kopf einer historischen Persönlichkeit zu schlüpfen - oder einer fiktiven historischen Persönlichkeit, siehe Judith Merkle Riley - und so einen "emotionalen Sinn" aus den trockenen Fakten von wer, wann, wo zu erschließen.
Und an sich habe ich da nichts gegen, aber ich bin auch kritischer geworden was Ich-Erzähler angeht, also könnte auch da ein Teil des "Problems" begründet sein.

3. Voicy Writing
Während die Herzogin allerdings - meiner Ansicht nach - versucht seine Hauptheldin ein wenig sympathischer darzustellen, muss man der Autorin hier uzmindest zugestehen, dass ihre Elisabeth genauso launisch, eifersüchtig, egoistisch und arrogant sein darf, wie es die historischen Quellen - "hitziges Temperament" nannte man das früher^^ ;-) - nahelegen.
Sie misshandelt ihre Kammerfrauen, nennt sie "stinkende Kreaturen", fragt mich gar nicht erst nach fat-shaming und "so sind Frauen halt" Weisheiten...

Was mich daran stört ist, dass diesen ganzen Charakterfehlern - die eine realitische Figur ja durchaus haben darf, niemand sagt, dass dein Ich-Erzähler zu 100% oder sogar nur zu 50% symphatisch sein muss -  nie wiedersprochen wird. Die Figur fällt damit nie auf die Nase, was zwar Sinn macht, weil sie die Königin ist, aber da das dann auch noch alles mit Zuckerguß überzogen wird durch den Liebesgeschichten Fokus, habe ich schon die Sorge, dass man darüber hinwegließt und es nicht so unsympathisch rüberkommt, wie es sollte...
Das ist jetzt schon wieder ein Konglomerat aus Schreib-Craft und persönlicher Präferenz, aber ich bevorzuge Geschichten, in denen die Figuren ihre schrecklichen Manieren und ihr destruktives Verhalten zwischendurch mal richtig in den Arsch beißen. Wie man das umsetzen könnte, wenn die Hauptfigur eine Königin ist, ist ein valider Punkt, aber keine Generalentschuldigung.;-)

Also ja, Bonuspunkte für die realistische Charakterzeichnung, Abzüge fürs Framing, alles in allem immer noch ein gutes Buch, wenn auch der goldene Glorienglanz der Jugend ein wenig abblättert.

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