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08.01.2021

Knives Out. Oder auch: Wer braucht schon Genre?

Wie man sich ja vielleicht noch erinnert, war mein Ausflug ins Thriller-Movie Genre letztes Jahr nur so semi erfolgreich und vor allem geprägt von einer generellen Müdigkeit was kriminelle Masterminds angeht...

Da ist es doch schön, dass es Filme, wie Knives Out gibt, die sich (auch) in großen Teilen überhaupt nicht um Genre Konventionen scheren, die Sache mit dem kriminellen Mastermind und dem genialen Ermittler gefühlt auch irgendwie über haben und grade deswegen Spaß machen.;-)

Ich hatte ja glaube ich schonmal erwähnt, dass ich mich mit Genre-Einteilungen schwertue - siehe das Krimi-Mystery-Historien-Supernatural-Reimagening-Ding, das ich fabriziert habe... - und daher war der Film quasi perfekt für mich.

Ich kann mir vermutlich wieder Spoiler nicht ganz verkneifen, aber ein paar kleine Punkte habe ich doch noch beizutragen, also wen's interessiert, bitte hier lang.;-)

1. Nobody's genius

Was ich vor allem erfrischend finde an Knives Out, ist, dass der Film das Trope der verschrobenen Familie, in der einfach alle verdächtig und/oder Arschlöcher sind, einfach mal auf die Ermittler ausdehnt.

Der geniale Detective und der dumme Polizist sind so das eine Trope oder der dumme Polizist und die geniale Hobbyermittlerin. Diese Archetypen sind wir alle schon gewohnt und für Agatha Christie Verfilmungen mögen sie auch funktionieren, aber ich mag gerne ein paar Grauschattierungen in meinen Charakteren, also fand ich es sehr angenehm, dass der Detective nicht besonders clever - aber auch nicht völlig doof - ist, die Hobbyermittlerin quasi durch die Hobbysaboteurin ersetzt wurde und die Polizisten zwar auch nicht genial, aber auch nicht völlig unnütz sind. Wenn am Ende alle irgendwie bekloppt sind, hat das schon mehr von Realität, als dieses ständige Mastermind Geschwurbel, das im Zweifel zu oft darauf hinausläuft, dass Menschen, die nicht besonders genial sind (was ja nicht schlimm ist!) geniale Kriminelle oder Ermittler schreiben wollen und das dann oft nur durch Coincivenience Overkill hinbekommen. #justsaying

2. Amerikas Arsch

Einfach nur ein kurzer Einwurf, Chris Evans ist großartig in diesem Film und ich hoffe er hatte sehr viel Spaß daran mal was anderes zu spielen, als Mr. All American Hero. Captain America ist und bleibt vermutlich auf immer mein least favourite Avenger, weil langweilig, von daher bin ich immer sehr froh, wenn Schauspieler dem Fluch des Typecastings entkommen.;-)

3. Kreative Schwächen

Es haben sich ja viele Rezensenten über dieses "sie kann nicht lügen ohne zu kotzen" Ding beschwert, weil es angeblich unrealistisch ist? Dazu kann ich nichts sagen, aber ich fand es war mal ein nettes Gimmick für einen Charakter und sie haben es gut - wenn auch manchmal ein wenig vorhersehbar - umgesetzt. 

Die letzte Szene mit der Familie auf der Straße und der Hauptheldin auf dem Balkon und der Kaffeetasse ist außerdem die ikonischste Balkonszene seit Evita, aber das nur so am Rande.;-)

Ich mag es gern, wenn Tropes und Genrekonventionen aufgebrochen und unterwandert werden - es ist, wie mir immer wieder gesagt wird, ein "Risiko", weil es soviel einfacher ist Leuten immer wieder dieselbe Geschichte zu verkaufen, die sie schon beim letzten Mal mochten *husthustDisneyhust*, aber es ist doch schön, dass es sich ab und zu eben doch jemand "traut".

Mein einziger, winziger Kritikpunkt ist an sich nur der unerträgliche Fake-Akzent von Daniel Craig, aber mehr als ein ganz winziges, subjektives Viertelpünkchen will ich dafür auch mal nicht abziehen.

Mit 4,75 von 5 Kaffeetassen definitiv einer der besten Filme aus dem letzten Jahr, den wir aber jetzt einfach mal für 2021 zählen.;-)

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