Damit nicht der Eindruck entsteht ich hätte 2 Wochen nur nutzlos auf dem Sofa gegammelt, lasst uns kurz über das 1 Buch sprechen, das ich dieses Frühjahr tatsächlich gelesen habe. Und es war ... weird ... nicht immer in a good way, aber dazu gleich. Erstmal worum geht es in The Sword of Kaigen geschrieben von M. L. Wang?
Better to die sharp in war than rust through a time of peace.
A mother struggling to repress her violent past, A son struggling to grasp his violent future, A father blind to the danger that threatens them all. When the winds of war reach their peninsula, will the Matsuda family have the strength to defend their empire? Or will they tear each other apart before the true enemies even reach their shores?High on a mountainside at the edge of the Kaigenese Empire live the most powerful warriors in the world, superhumans capable of raising the sea and wielding blades of ice. For hundreds of years, the fighters of the Kusanagi Peninsula have held the Empire’s enemies at bay, earning their frozen spit of land the name ‘The Sword of Kaigen.’Born into Kusanagi’s legendary Matsuda family, fourteen-year-old Mamoru has always known his purpose: to master his family’s fighting techniques and defend his homeland. But when an outsider arrives and pulls back the curtain on Kaigen’s alleged age of peace, Mamoru realizes that he might not have much time to become the fighter he was bred to be. Worse, the empire he was bred to defend may stand on a foundation of lies.Misaki told herself that she left the passions of her youth behind when she married into the Matsuda house. Determined to be a good housewife and mother, she hid away her sword, along with everything from her days as a fighter in a faraway country. But with her growing son asking questions about the outside world, the threat of an impending invasion looming across the sea, and her frigid husband grating on her nerves, Misaki finds the fighter in her clawing its way back to the surface.
Erstmal lasst uns kurz festhalten, dass dieser Klappentext auf jeden Fall nicht zu wenig Information enthält ... ;-) Wie man ja vielleicht weiß, sind Klappentexte mein Endgegner, weil es wirklich schwierig ist (für mich ymmv) zu entscheiden was an einer Geschichte wichtig ist - als Autorin bin ich natürlich der Meinung, dass alles wichtig ist! ;-)
Hier bin ich unsicher, ob der Klappentext nicht eine falsche Erwartungshaltung weckt, aber das hat auch damit zu tun, dass das ganze Buch schwer einzuschätzen ist. Fangen wir mal mit der Tatsache an, dass es das erste Buch ist, das ich gelesen habe, dass einen klaren "dieses Buch ist ein Stand-Alone, es gibt momentan keine anderen Bücher in dieser Welt, es muss als Stand-Alone gelesen werden!" Disclaimer auf dem Cover hat. Und ich dachte so ... hmm, ok, warum muss man das auf's Cover schreiben, ist ja relativ selbsterklärend, no?
Aber dann liest man das Buch und im letzten Drittel tauchen plötzlich neue Bösewichte auf, neues Worldbuilding und ein globales Problem, dass den sehr begrenzten Konflikt des Plots auf eine größere Ebene heben würde und man denkt sich .... ahhh deswegen brauchte sie den Disclaimer, weil es sich liest wie Teil 1 von irgendwas, das niemals geschrieben wurde .... Meine Lösung für dieses Problem wäre ja gewesen das ganze Buch umzuschreiben nachdem/weil man entschieden hat, dass es keine Fortsetzung geben wird, aber maybe that is just me. Mit dem was wir bekommen, muss man sich damit abfinden, dass der Plot und das Worldbuilding einfach irgendwo aufhören, ohne dass wir Antworten bekommen.
Was das Buch an der Stelle abschließt, an der es abschließt, ist außschließlich der persönliche Character-Arc unserer Protagonistin (ignorieren wir mal Mamoru aus dem Klappentext, das würde zu weit führen und massiv spoilern), die sich in ihrer Welt zurecht finden und ihren Platz in dem strikt patriachalen System finden muss. Und das war dann für mich das nächste Problem, auch wenn der Entwicklungsbogen total nachvollziehbar ist - aber als Frau, die sich dazu entschieden hat (und die hatte die Agency das zu tun) in diesem Familiensystem zu leben, das stark an Feudaljapan erinnert und in dem Frauen keinerlei Gewicht haben, liest sich Misaki einfach unfassbar frustrierend über 3/4 des Buches, zumindest aus einer westlich-feministischen Perspektive. Ja, we support women's wrongs und ich bin absolut dafür soziale Zwänge nicht aus den Entscheidungen unserer Heldinnen herauszudividieren (dann haben wir eine Prota wie in Cinderella is Dead, die sich aufführt, als wäre sie aus einer New York Highschool in dieses mörderische Regime gestolpert und hätte keine Ahnung was es heißt in Unterdrückung aufzuwachsen), aber das heißt nicht, dass ich nicht furchtbar getriggert werde durch diese Patriachatskacke und aus Wut auf fiktive Männer nicht schlafen kann.^^
Ich gestehe ehrlich, wenn ein Mann dieses Buch geschrieben hätte, hätte ich es in hohem Bogen an die Wand geworfen, aber der Autorin habe ich mal eine Absicht unterstellt mit diesem very slow burn female rage und war bereit mir das anzutun. Und die Konfliktbereinigung zwischen ihr und ihrem Mann ist dann auch ... interessant. Es wäre mir nur lieber gewesen wir hätten uns die "oh eine neue Bedrohung, ein globalerer Konflikt" gespart, das sowieso nirgendwo hinführt und dem pay-off für dieses ganze build-up ein wenig mehr Atemraum gegönnt, als dass wir plötzlich mal seinen PoV bekommen und feststellen, dass diese ganze furchtbare 15jährige Ehe eigentlich nur auf fehlender Kommunikation, Missverständnissen und unaufgearbeitetem generational Trauma beruht. Ich meine ... duh ... aber es wäre mir lieber gewesen wir hätten mehr als einen Schuppen-von-den-Augen Moment gebraucht, um das zu erkennen nach 15 fucking Jahren, ok? ;-)
Insgesamt hätte ich also das Buch nie so geschrieben, was auch daran liegt, dass ich mich in das Mindset dieses Kulturkreises nicht eindenken kann, aber auch daran, dass ich denke, wenn es keine Fortsetzung geben soll/wird, dann braucht man auch keinen Sequel Bait und hätte diese Buchseiten lieber für andere Dinge verwenden können. Schade finde ich es trotzdem, ich mag ja bekanntlich große, weltumspannende Verschwörungen und hätte das gerne weiterverfolgt - ist auch nicht schlimm, wenn eine Geschichte das nicht hat, aber es anzudeuten und dann nichts damit zu tun, ist ... weird ... und nicht unbedingt in a good way. ;-)
Ich finde das ein wenig schade, denn das Worlduilding an sich war genau mein Ding - wir fangen an in dieser Schwertkampf-Samurai-Welt und dann taucht ein Typ mit einem Handy auf und hat Fantasy-Internet und ich war so ... yeeeah Science-Fantasy, gib mir mehr davon. Außerdem hat es ein wenig Dystopia-Vibes, politische Propaganda, zerfallende Systeme, ein Imperium im Niedergang und so ... ich hätte also auf jeden Fall die Fortsetzung noch gelesen (und ich persönlich glaube keinen Moment daran, dass das von Anfang an als Stand-Alone geplant war, but maybe that is also just me;-).
Für einen sehr seltsamen Stand-Alone vergebe ich daher erstmal 3 von 5 Katanas, irgendwann werde ich das Buch wohl nochmal lesen und rausfinden, ob ich mich über die fiktiven Männer beim 2. Mal weniger ärgere und mich mehr auf die anderen Dinge konzentrieren kann.

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