Auf der Suche nach weiterer Lazarettunterhaltung bin ich an den Netflix Neuheiten hängen geblieben und dachte mir "Hm Agatha Christie, bisschen britisches Murder Mystery kann ja nicht schaden". Ich möchte diese Annahme nur insofern in Frage stellen, dass ich bezweifle, dass man in Agatha Christie's Seven Dials einen Agatha Christie erkennen würde, wenn es nicht im Namen erwähnt würde (weswegen sie es vermutlich dazugeschrieben haben?^^).
Meine Erwartungen wurden also nicht wirklich erfüllt, was meistens ein nicht so gutes Zeichen ist, aber dazu gleich, erstmal schauen wir den Trailer und bringen uns auf den halbwegs gleichen Wissensstand, ok?
Und das ist genau der Eindruck, der sich dann durch die restlichen Folgen zieht. Helena Bonham Carter gibt die skurile Landadelige, die vielleicht ein wenig was von british cozy crime haben könnte, wenn sie nicht wirken würde, als wäre sie aus einer völlig anderen Geschichte in diesen sehr seltsam gepaceden Spionage-Thriller gestolpert ... was das Ende schon fast unfreiwillig komisch macht, aber ich spoilere mal nicht weiter.
Ich habe die Vorlage nicht gelesen, aber in der Handvoll Rezensionen, die ich so überfliegen konnte, bis mir das Interesse ausging, war oft von "Frühwerk" und "Räuberpistole" die Rede. Ich interpretiere das jetzt mal frei in dem Sinne, dass Seven Dials ein Agatha Christie ist, bevor Agatha Christie sich auf den Stil eingeschossen hatte, der sie späater auszeichnen sollte - und dass es ihr vor allem darum ging ein archetypisches Spionagedrama zu schreiben, vielleicht mit einem leicht überzogen satirischen Einschlag. So campy, das es Spaß macht quasi.
Falls das so sein sollte, hat die Serie den Arbeitsauftrag allerdings überhaupt nicht verstanden. Wir halten uns endlos mit Dialogen und Landscape-Porn auf (ehrlich, DAS haben wir aus den neuen Verfilmungen mitgenommen?? Mehr Landscape-Porn?!), die mir am Ende in keinster Weise erklären was irgendwer überhaupt will. Vielleicht machen diese rudimentären Motivationen in einer "liest sich zu schnell, um drüber nachzudenken" Geschichte keinen großen Unterschied, aber hier hätte man endlos Zeit gehabt mir irgendwas zu erklären und tut es einfach nicht, weil wir lieber noch ein paar hochdramatische Set-Pieces "wollen".
Irgendeine Rezension verstieg sich dazu zu behaupten, dass das Zusammenspiel zwischen unserer Hobby-Ermittlerin und Detective Freeman irgendwie das Beste an der Serie war und da habe ich dann endgültig an meinem Verstand gezweifelt ... für mich war diese Performance von Bilbo-Watson eintelefoniert und seelenlos, but maybe that is just me.^^
Der beste Freund machte meiner Meinung nach einen besseren Job immer an der Kante von "ist er übermotiviert, oder ist er verdächtig" entlangzubalancieren, aber das rettete dann die Serie auch nicht mehr. Es fehlte nur noch eine tragische Backstory für einen Schnurrbart und ich hätte es Tod auf dem Nil 2.0 getauft. ;-)
2 von 5 Spielkarten ringe ich mir nach der ganzen Motzerei trotzdem ab, die Hauptdarstellerin macht das Beste, als dem was man ihr gibt, HBC ist nur für die memable quotes in diesem Film, aber die sind wenigstens nett und das Kostüm- und Setdesign kann ja nichts dafür, dass ihre harte Arbeit für Style over Substance benutzt wird.
Aber wenn dieser Murks eine 2. Staffel bekommt und man mir Kaos weggenommen hat, dann verfluche ich wirklich irgendwen!^^
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