Publikationen, Projekte, Persönliches

15.10.2018

Gespräche mit der Muse. Oder auch: Talk to the Hand! (Zwischenstände und Lebenweisheiten)

Wie ihr wisst, gab's da vor einiger Zeit diese etc Folge* zum Thema "Dranbleiben", die wie Arsch auf Eimer passte, weil wir beide in einem akkuten bis abflauenden "Schreiben nervt und alles ist Mist" Tief steckten ... also so würde ich es formulieren, Tine nennt es "Lebensblockade"**, was natürlich der viel schönere Ausdruck ist und einen viel besseren Hashtag abgibt. ;-)

Lebensblockade oder "generelle Zweifel am Projekt/Universum/dem ganzen Rest" fällt dabei nicht wirklich unter Schreibblockade, by the way, das ist "zum Glück" nochmal eine ganze andere Dose Würmer...wie Jenna schon in dem schönen Video hier sagt: Welcome to the Club...I don't know why we joined...;-)
Der eigentliche Tenor des Videos ist aber ein Lieblingssatz von mir und zwar: Der Autor unterscheidet sich vom angehenden Schriftsteller dahingehend, dass der Autor das verfickte Buch Zuende geschrieben hat.
Es ist die Philosophie nach der ich lebe, also geht es heute um Unlust, Zweifel, Zwischenstände und warum die Muse mal mit meiner Hand reden kann.





1. Zwischenstände, oder auch: Fortschritt ist relativ
Als ich überlegte was ich denn so als Zwischenstand für Die Versammlung vorzubringen habe, fiel mir auf, dass ich den "1. Geburtstag" von Elysion im August glatt mal verschlafen habe. So groß ist das Papierbaby schon...;-)
Aber ich bin ja bekanntlich auch nicht der Typ, der seinen abgeschlossenen Projekten hinterherhängt, nach dem Buch ist vor dem Buch quasi - trotzdem fühlte ich mich in diesem Moment sehr viel besser, weil Die Versammlung jetzt nach einem seeehr holprigen Sommer den Midpoint (Kapitel 6 von geplant 11) überschritten hat. Heißt, das Ding ist jetzt offiziell zur Hälfte zu Papier gebracht und es müssen langsam mal Betas ran für den Feinschliff.:-)
Das ist ja für "ein bißchen über 1 Jahr" gar nicht so schlecht, vor allem wenn man bedenkt, dass mein ursprünglicher Plan mal war ein kurzes, knackiges Krimi-Ding draus zu machen von vielleicht 250-300 Seiten.
Wer den Podcast regelmäßig verfolgt, wird schon lachen und ich lache dann auch mit...der Midpoint bewegt sich stramm auf die 200 Seiten zu...und das mit dem Krimi...weeelll, lasst uns mal drüber sprechen was nicht so toll war.;-)

2. Wieder die Unlust, oder auch: Wenn du keinen Bock hast, liegt es an dir!
Ich stelle ab und zu fest, dass ich in unserem Podcast Ensemble oft so ein wenig die harte Linie vertrete - so frei nach "wenn ihr die Wahrheit nicht verkraften könnt" und so, man stelle sich die entsprechende Question of Honor Uniform dazu vor;-P - was Betas und die Notwendigkeit von Lektoren, Kritikfähigkeit und sowas angeht (dazu gibt's dann noch einen Post wenn die ersten Rückmeldungen eintrudeln), aber auch was den Umgang mit Unlust und der Muse betrifft.
Ich möchte mal anmerken, dass ich niemandem auf die Füße treten will, aber wenn man irgendwann mal das gute Gefühl kennen lernen will so ein Buch zu veröffentlichen und als *fertig* in den Schrank zu stellen, dann muss man vom angehenden Schriftsteller zum Autoren kommen und das tut man nicht aus Versehen...oder falls doch, dann hat man mehr Glück, als ich verkraften könnte.;-)
Also was tun, wenn der eigene Kopf oder das Leben im Weg sind?

3. Ursachenforschung
Ich habe bekanntlich die Tendenz Dinge anzufangen, von denen ich keine Ahnung habe. Manchmal stelle ich dabei fest, dass das alles mehr Spaß macht als gedacht (siehe Kurzgeschichten), oder gar nicht so schwierig ist, wie ich dachte (siehe Fantasy). Manchmal funktioniert es aber auch einfach nicht, so wie in diesem Fall.
Lass mal einen Krimi schreiben, obwohl ich keine Krimis mag und auch keine lese, ist jetzt nicht sooo weit von meiner normalen Arbeitsweise entfernt (siehe Fantasy;-), aber im Gegensatz zur Fantasy hat sich der Spaß-am-Machen hier auch einfach nicht eingestellt, auch wenn ich eine ganze Weile "Hmmm keinen Bock, keine Ahnung wieso" gebraucht habe, um das einzusehen. Und dann stellt sich natürlich die Frage wie es weitergeht?

3.1. Was war die Idee?
Im Gegensatz dazu wie das in meiner flapsigen Darstellung oben klingt, ist die Ursprungsidee für ein Projekt ja nie "lass mal dieses Genre ausprobieren, das hatten wir noch nicht". Die Idee ist meistens eine Aussage, eine Konstellation, ein "was wäre wenn?" oder ein "lass doch mal XY machen, aber anders".
Das erste was sich also anbietet, wenn man feststellt, dass einem z.B. Ermittlungskram schreiben so üüüberhaupt keinen Spaß macht, ist zu untersuchen, ob man die Ursprungsidee davon freimachen oder zumindest ausmisten kann. Für Die Versammlung war meine Idee ein paar Spielarten von Unsterblichkeit zu erforschen, ohne Vampir-Tropes bemühen zu müssen. Dass das irgendwie mit Mord und Totschlag zu tun hat, war eher so Zufall und dass das zur Folge hat, dass früher oder später vermutlich Polizisten involviert sind, eigentlich auch.
Schritt 1, um ein sinkendes Schiff zu retten, ist daher das ganze unnötige Brackwasser aus dem Rumpf zu schaufeln (ist das nicht eine schöne Methapher?;-) und sich darauf zu konzentrieren warum man das Ding eigentlich mal angefangen hat.

3.2. Ignoriert die Muse!
Ein guter Punkt zu illustrieren was die Schreibblockade  von der Lebensblockade unterscheidet, sind die misconceptions der "Muse". Bei der Schreibblockade spricht man davon, dass deine Muse sich von dir abgewandt hat und du darauf warten musst, dass sie dich wieder lieb hat. Das ist natürlich großer bullshit, aber das ist eine andere Geschichte und haben wir schonmal erzählt.;-)
Wenn sich aber Zweifel am Projekt als solches (oder am Selbst, Universum und dem ganzen Rest) einstellen, dann spricht meine Muse sehr wohl mit mir...und sie ist eine Schlampe.^^
Während sich mein Hirn mächtig anstrengt den Fortsetzungsknopf zu finden und die Geschichte wieder ins Rollen zu bringen, lehnt meine Muse bekanntlich irgendwo lasziv an einer Wand rum und sagt solche Dinge, wie: "Weißt du noch wieviel Spaß es gemacht hat Fantasy zu schreiben...? Ich hätte da diese wahnsinnig gute Idee zu einer Elysion Fortsetzung für dich..."
Das ist ungefähr so hilfreich wie Fisch mit Fahrrad und auch wenn es bestimmt Situationen gibt, an denen einfach nichts mehr zu retten ist und man sich nicht in seiner Freizeit unnötig quälen sollte mit Dingen, die keinen Spaß (mehr) machen, seid vorsichtig!
Lasst es euch gesagt sein von jemandem, der sich in der Mitte von Elysion auch schon anhören musste "Das dauert alles eeeeewig, weißt du noch wieviel Spaß die Kurzgeschichten gemacht haben...?" - nur weil eure Muse die Aufmerksamkeitsspanne eines Katzenbabies hat, heißt nicht, dass man auf sie hören muss!;-)
Im Zweifel kommt zu einer Vereinbarung. Gebt euch eine Woche, oder von mir aus auch länger, um alles aufzuschreiben, was euch die Muse so an Ideen für andere Projekte zuflüstert, bis es aus eurem System ist und sicher aufgehoben auf euch warten kann. Und dann müsst ihr euch auch schon nicht mehr fragen wie "nach dem Buch ist vor dem Buch" weitergeht!:-)

Die Tagline des ganzen Dilemmas ist also eigentlich dieses: Egal was man schreibt, irgendwann wird es immer schwierig. Und dann kann man dranbleiben und es durcharbeiten oder man lässt sich zum nächsten Stöckchen verleiten - aber auch das wird irgendwann schwierig, trust me. Und wer will schon ewig "angehender Schriftsteller" bleiben?

*ich muss euch jetzt nicht jedesmal dieselbe Seite verlinken, oder? Nutzt die Macht der Seitenleiste!
** und wer sich immer mal wieder denkt "Warum labert die dumme Frau eigentlich Stundenlang über Bücher und Filme, wir wollen Schreibthemen hören!!", dem lege ich dann wärmstens Tine's Channel ans Herz, da findet ihr das und ich mache weiter mein Ding.;-)
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