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01.10.2018

Kreative Nachlassverwaltung - a cruisade

So heute wird's mal ernst und wir lassen das Sarkasmus-Schild in der Schublade.

Wer sich die Seitenleiste öfter mal genauer anschaut, wird wissen, dass ich außer Freunden und Familie, auch die Blogs von einigen "Berühmten Leuten" verfolge, unter anderem den von Neil Gaiman.
Dieser Blog an sich ist nicht nur immer wieder eine reiche Quelle für tiefsinnige Gedanken zum Jahreswechsel, sondern auch gelegentlich überraschend, aufrüttelnd und was zum drüber Nachdenken - so wie heute.

Neil Gaiman befindet sich - selbsterklärt - auf einem Kreuzzug für die kreative Nachlassverwaltung, sprich, was passiert mit unserem kreativen Eigentum, wenn wir mal nicht mehr sind? Sollten, müssen, dürfen unsere Erben damit anstellen was sie wollen und wer sind unsere Erben eigentlich genau?

Nun redet "man" in unserer Kultur nicht gerne über Tod und Sterben, was aber nicht verhindert, dass es passiert und wenn man sich nicht selbst darum kümmert, solange man noch kann, dann hat man eben auch keine Kontrolle darüber was mit den eigenen Hirngespinsten dann so passiert.



Jetzt kann man natürlich der Meinung sein "Nach mir die Sinnflut, was interessiert es mich wer was mit meinem Kram anstellt, wenn ich mich nicht mehr drüber aufregen kann?" und wer das so sehen möchte, der darf das unbeeinträchtigt so tun.
Der Ansatz von Mr. Gaiman, den ich allerdings dabei nicht ganz verkehrt finde, ist allerdings der: Unsere Angehörigen sind Diejenigen, die darunter leiden, wenn Dinge nicht geregelt sind, wenn wir abtreten, nicht wir selbst. Es ist also weniger eine Selbstbeweihräucherung und ein Egotrip seinen Nachlass - ob kreativ oder sonstwie - zu regeln, als es zuerst scheint.

Terry Pratchett hat famously darauf bestanden, dass alle seine Festplatten und unfertigen Notizbücher von einem Bulldozer überfahren werden sollen, Kafka hatte historisch weniger Glück mit seinen Plänen für seinen Nachlass - und ja, ich weiß, Kafka-Fans auf der ganzen Welt wollen mich jetzt hassen, aber hier geht's um Agency von Kreativschaffenden, nicht darum, ob dein letzter Wunsch die Nachwelt beraubt, ok? Das ist eine andere Geschichte und muss ein anderes Mal erzählt werden.

Offensichtlich ist es also nicht nur wichtig sich zu überlegen, ob und wenn ja wer nach unserem Ableben von eventuellen oder tatsächlichen Einnahmen profitieren soll, sondern auch wem wir unsere unausgegorenen, unfertigen oder vielleicht ungeborenen Ideen anvertrauen wollen - oder, um's mal so zu sagen: Wer darf entscheiden, ob dein Buch verfilmt werden darf und damit reich werden? (hey, man wird ja noch träumen dürfen, oder?;-)
Und diese Entscheidung - und das ist das Schöne daran, darüber nachzudenken, während man noch kann - ist zu unseren Lebzeiten nicht in Stein gemeißelt.

Jemand wie ich, in diesem Moment meines Lebens kann sich z.B. dafür entscheiden, dass wenn überhaupt jemand reich werden soll, dann bitte Charity Organisationen und dass wenn überhaupt jemand entscheiden soll, dann die Menschen, denen ich das anvertraue, nicht irgendwelche Erben, die irgendwie anhand von biologischer Gradlinigkeit ausgesucht werden.
Sollte ich mal Kinder haben, oder Beziehungen sich ändern, mein Leben eine andere Wendung nehmen, kann ich diese Entscheidung zurück nehmen und eine andere treffen. Und das fühlt sich eigentlich weder egomanisch noch unnütz an, sondern sehr, sehr sinnvoll.

Auf der Webseite gibt es einen Link zu einem Beispieltext in Englisch, den man übersetzen uns übernehmen kann, es gibt aber auch genügend deutsche Webseiten, die Beispieltexte anbieten.

Einfach mal Google befragen, handschriftlich angefertigt braucht das nichtmal einen Notar um gültig zu sein und wenn man grad nichts anderes da hat, geht sogar IHK Notizpapier.;-)

Denkt mal drüber nach - ich denke jeder hat irgendwas, dass er gerne geregelt wüsste und sei es auch nur "Löscht meinen Browserverlauf, hier ist mein Facebook-Passwort".

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