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27.05.2019

Anihilation. Oder: Alien-Moosbewuchs ist uns überlegen.

So. Ich wollte mal wieder einen Film ohne Superhelden und "was anderes" sehen.
Win on both counts for Anihilation, weil hier haben wir einen Alienfilm, in dem es nicht um Aliens geht mit einem Mystery-Plot, dessen Auflösung eigentlich egal ist und ein Survival-Szenario, in dem eiiiigentlich am Ende auch nicht so wichtig ist wer tatsächlich überlebt.
Nach dem was ich so dazu im Netz finden konnte, vermute ich stark, dass das vermutlich so ein "love it or hate it" Film werden wird, in dem sich wenig Menschen auf der "hm joh war ganz nett" Schiene einfinden - und weil ich einfach gerne aus Prinzip mache was sonst keiner macht, versuchen wir das einfach mal! Ich fand den Film "nett", er hatte Viel was mich erfreut hat, aber ich müsste ihn jetzt nicht dringend nochmal kuken. Und nachdem wir jetzt jede Spannung aus dieser Review gesaugt haben, lasst uns mal darüber sprechen warum!;-)



1. It's not about the Aliens
Ich hatte vielleicht einen leichten Vorteil in der Rezeption dieses Films (obwohl ich mich diesmal aus Gründen der Unvoreingenommenheit ausnahmsweise mal nicht wirklich habe spoilern lassen), weil ich irgendwo im Netz das Cover des Buches gesehen hatte mit dem Teaser "It's not about the Aliens!".
Und tatsächlich hilft es sehr, wenn man an Anihilation herangeht mit der festen Überzeugung, dass es nicht um Aliens geht, was vielleicht der Grund ist, aus dem die "hate it" Fraktion sagen wird: Aber warum dann einen Trailer und Marketing machen, das zu 100% nach Alienfilm aussieht?
Und ja, fair enough, ich tue mich schwer damit Menschen durch die Bank als "zu dumm für diesen Film" zu brandmarken, die sich in Brezeln biegen, um zu verstehen was jetzt am Ende die Aliens mit irgendwas zu tun hatten, denn falsche (und in diesem Fall *fehlgeleitete*) Erwarungshaltung ist ein riesiger Faktor, wenn ich irgendwas nicht mag. Ich versuche dann (meistens, nobody's perfect) noch so fair zu sein und das dem Werk an sich nicht zur Last zu legen, aber an der reinen emotionalen Reaktion ändert das ja nichts. Wer nach dem Trailer gedacht hat, dass es hier um Survival Alien Mystery gehen würde, wird bodenlos enttäuscht und das schlägt sich in miesen Reviews nieder und, liebe Markteting Abteilung, das hätte man wissen können...^^

Wer zum Team Unspoilerbar gehört (ja, ich weiß es war mal ein Club, aber heutzutage muss alles "Team Irgendwas" sein;-), der findet sich in dem schlauen Video von Folding Ideas sicherlich gut aufgehoben, das sehr genau erklärt worum es denn nun wirklich geht und sicherlich besser als ich das könnte.;-)



2. Kammerspiel mit Moosbewuchs
Nachdem man sich also von der Erwartung verabschieded hat, dass hier irgendwas Plot-Getriebenes passieren wird, kann man sich auf das Kammerspiel der Charaktere mit Sci-Fi Twist einlassen und einen sehr untypischen und thematisch angelegten Film sehen, der viele Gedankengänge zum Umgang mit Gewalt, Trauma, Selbstzerstörung und Identität auf spannende (für mich ymmv) aufgreift.
Ich habe nur ein paar kleinere Peeves, die in der Summe dazu führen, dass ich jetzt nicht ins Team Love It wechseln werde, aber die meisten sind wie immer glücklicherweise Geschmackssache.;-)
  • Die Angewohnheit von Filmen allgemein und auch diesem Film, Psychiater, Psychologen oder sonstige "Mental Health Persons" zu den kältesten, unnahbarsten und roboterhaftesten Figuren des Casts zu machen, nervt mich zusehends. Ok, ja, ich habe keine eigenen Erfahrungen mit Therapeuten, aber es sind doch mit Sicherheit auch ein Paar auf diesem Planeten, die tatsächlich mit Menschen umgehen können, oder? Wenn man ein total schüchterner Introvert ist, ok, I feel ya, aber warum bist du dann in einem Job, in dem du professional people person sein solltest?
  • Einige Punkte im Film bekommen mir persönlich auch ein wenig zu wenig Screentime, für mich hätte man da in den Anfangs- und Endszenen ein bisschen was kürzen können, um diese Punkte klarer zu machen, aber das nehme ich mal unter "persönliche Präferenz" die ungleich ist zu Narrativem Naturgesetz:
    • Anyas Charakterbogen war mir zu schwammig - sie ist die Einzige, deren Trauma zu 100% nur behauptet wird und ihr Kampf mit dem Bär-Mensch-Monster als Reflektion ihres inneren Konflikts ist mir auch überhaupt nicht verständlich geworden. Das Bär-Monster ist mega-gruselig, aber das dürfte nicht der einzige Grund sein es nochmal auftauchen zu lassen...
    • Die Symbolik des Tattoos hätte für mich ein bisschen mehr Set-Up haben dürfen, ich habe das ehrlich gesagt übersehen, bis mich Dan Olson drauf hingewiesen hat...und ich bin schon relativ Detailverliebt was Kostüme und Settings angeht.
    • Apropos Settings, die Effekte zum Ende klicken für mich überhaupt nicht, angefangen bei dem WinAmp-Vortex (wer den Film gesehen hat und früher mal WinAmp benutzt hat, wird wissen von was ich rede!;-) über den Synty-Sound bis zum androgynen Multicolour-Alien. Da war mir plötzlich zuviel Special Effects Kram wo das Setting vorher bei aller Regenbogen-Mutation so einen netten Reality Touch hatte. Ich fand es unfreiwillig lustig und es hat mir den dramatischen Showdown jetzt nicht unbedingt versaut, aber sicherlich beeinträchtigt...but maybe that really is just me.:-)
Und zum Abschluss noch ein kleiner Einwurf zum reinen Frauen Cast, der ja (leider) immer noch einer DER Talking Points zu sein scheint. Und nein, ich möchte jetzt gar nicht in den Rant abdriften, dass man von Frauen seit dem Mittelalter verlangt sich mit 100% Männer-Casts zu identifizieren (daaas werden wir machen, wenn wir über FFXV sprechen^^) - nein, ich fand das großartig in diesem Film, bis auf genau einen Satz im Skript, für den ich den Fernseher angemotzt habe...like...a lot!!;-)
  • Die Protagonistin des Films ist der Typ Wissenschaftler-Soldat, also brainy&brawny, den man in vielen Actionfilmen sieht und daher passt sie auch gut in das Team, das jetzt in den Shimmer geschickt werden soll. Vorher waren es immer nur Soldaten (wir gehen davon aus zu 100% Männer, aber gesagt wird es so nicht), jetzt sollen es die Wissenschaftler richten. Und DANN sagt ausgerechnet die EINZIGE Anwesende mit Kampfausbildung: "Just women?" und muss die Antwort bekommen "Just scientists." Argh! Instant Hate für mich auf dem Sofa und es ist mir egal, ob das niemand versteht.;-) 
    • Der Punkt ist NIIIICHT "vorher waren es nur Männer, jetzt sind es nur Frauen" NEIIIN, "vorher waren es nur SOLDATEN und jetzt sind es WISSENSCHAFTLER" und die Tatsache, dass alle anwesenden Wissenschaftler zufällig auch Frauen sind, muss trotzdem nochmal ausgewalzt werden, weil...? Es kann kaum sein, dass sie einfach "zu schutzlos" sind, was grade die SOLDATIN wissen sollte, no? Also why?? Wie wär's wenn wir das einfach mal so als normal hinnehmen und nicht mehr kommentieren/rechtfertigen? Bei den Soldaten hat ja auch keiner gefragt "Nur Männer?", so als wäre das irgendwie komsich...*schnauf* Ja ok, ist ein sehr spezieller Peeve, aber hat mich arg gebeutelt...;-)
Unabhängig von meinen sehr speziellen Meh-Momenten aber tatsächlich mal was Anderes und zu empfehlen, wenn man einen interessanten Film sehen will, in dem es nicht um Aliens geht!
Ich vergebe mal 3,5 von 5 Moossporen, weil ich dann doch zuviele kleine Punkte hatte, die ich anders umgesetzt hätte - nicht dass das jemanden kümmern muss, aber hey, das hier ist meine Party!;-)

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