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13.11.2020

A Simple Favor. Oder auch: Diesmal tatsächlich absichtlich komisch

So, kommen wir mal zum 2. Thriller diese Woche, oder auch, wie ich ihn nennen würde: Das bessere Gone Girl. Der übliche Disclaimer dazu applies, hier geht es nur um meine Meinung, jeder darf eine andere haben und ich nehme keine Spoilerrücksicht (auch wenn ich nicht viel zum Ende sage, also daher...read at your own risk!;-)

A Simple Favor hat auf den 1. Blick unfassbar viel mit Gone Girl gemeinsam. Wir beginnen mit einem Heile Welt Szenario und einer enigmatischen, als super tough und elegant geframten Frau - inklusive Zeitlupen Aus dem Auto steigen Auftritt - die plötzlich unter mysteriösen Umständen verschwindet.

Es gibt nicht wirklich viel Hype um diesen Film (was ich ein wenig schade finde, denn Anna Kendrick ist großartig), daher nur der langweilige Trailer als Anschauungsmaterial:


 

 

Die mysteriöse Frau mit der nebulösen Vergangenheit verschwindet also, aber hier hören die Gemeinsamkeiten noch nicht auf:

Alle glauben sie ist tot, alle glauben ihr Mann wars, es tauchen immer mehr verdächtige Dinge auf (Lebensversicherungen etc.) und im Midpoint Turn finden wir heraus, dass sie noch lebt und das alles ihr cleverer Masterplan ist. Und nun geht es darum, ob sie damit durchkommt.

1. Das bessere Gone Girl

Was ich an diesem Film sehr spannend fand, war, dass er nicht die Perspektive des Ehemanns einnimmt, sondern noch eine Verwicklungsebene - die beste Freundin, die nach dem "Tod" die Freundin des Ehemanns wird - einbaut. Anna Kendrick's Charakter ist einfach sehr viel interessanter als der nasse Lappen, den Ben Affleck in Gone Girl zu spielen bekommt und die Beziehung zwischen den beiden Frauen - angereichert mit dem "hat er sie umgebracht" oder auch "steckt er mit drin" als Nebenschauplatz - ist um einiges spannender.

2. Ohne Gegner macht es keinen Spaß

Apropos nasser Lappen, die Hauptfigur in diesem Film rollt sich auch nicht einfach auf den Rücken und lässt unsere "Meisterkriminelle" (und ihr Plan ist um sovieles besser durchdacht, als der in Gone Girl...seriously...) einfach machen, sondern lernt tatsächlich dazu, nutzt ihre eigenen Talente (wie ihre YouTube Platform) um ihre eigenen Gegen-Spielchen zu spielen.

Natürlich wird hier auch ein Verhuschtes Vorstadt-Hausfrau Trope auf die Spitze getrieben, aber der Einsatz von YouTube war nett umgesetzt und die Hauptfigur macht eine Art von Entwicklung durch, bis sie der angeblichen Meisterkriminellen sogar überlegen ist. Das macht einfach mehr Spaß, als wenn alle immer nur hilflos danebenstehen, weil der Plot nunmal vorsieht, dass der Plan, den unser Moriarty of the Week von sich gibt, alternativlos funktionieren muss.

Anstatt dass hier also Film und Cast einfach kampflos ausgeben und ihrem halbgaren Psychopathentum absolut nichts entgegensetzen, sind alle anderen einfach genauso bekloppt. Das Finale eskaliert dann auch genauso völlig absurd wie in Gone Girl aber diesmal ist das dem Film selber zum Glück klar und es wird absichtlich komisch.

Merke also: Wenn du mir in 2020 noch einen Moriarty Trope Mastervillain verkaufen willst, dann nimm dich einfach nicht so ernst, denn Filme die ihre Charaktere und deren "Genialität" zu ernst nehmen, haben wir (aka ich) einfach über. Danke!;-)

Unterm Strich also doch noch ein Thriller, den ich vielleicht sogar nochmal kuken würde - was ein großes Kompliment ist, wenn es von mir kommt und mit Sicherheit 4 von 5 Elektroautos wert.

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