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23.11.2020

Listening to: Mexican Gothic. Oder auch: There be Vampires?

Es ist Winter - in so ziemlich einem Monat ist Weihnachten, wobei ich jetzt nicht weiß wie viel Panik das in 2020 auslöst ;-) - und da ist es doch höchste Zeit über einen schönen Gruselschmöker zu sprechen, der vermutlich genau das richtige für neblige Abende ist.

Sprechen wir also endlich mal über Mexican Gothic geschrieben von Silvia Moreno-Garcia, gesprochen von Frankie Corzo:

 


After receiving a frantic letter from her newlywed cousin begging for someone to save her from a mysterious doom, Noemí Taboada heads to High Place, a distant house in the Mexican countryside. She’s not sure what she will find - her cousin’s husband, a handsome Englishman, is a stranger, and Noemí knows little about the region. 

Noemí is also an unlikely rescuer: She’s a glamorous debutante, and her chic gowns and perfect red lipstick are more suited for cocktail parties than amateur sleuthing. But she’s also tough and smart, with an indomitable will, and she is not afraid: not of her cousin’s new husband, who is both menacing and alluring; not of his father, the ancient patriarch who seems to be fascinated by Noemí; and not even of the house itself, which begins to invade Noemi’s dreams with visions of blood and doom. 

Her only ally in this inhospitable abode is the family’s youngest son. Shy and gentle, he seems to want to help Noemí but might also be hiding dark knowledge of his family’s past. For there are many secrets behind the walls of High Place. The family’s once colossal wealth and faded mining empire kept them from prying eyes, but as Noemí digs deeper, she unearths stories of violence and madness. 

And Noemí, mesmerized by the terrifying yet seductive world of High Place, may soon find it impossible to ever leave this enigmatic house behind.

Ich bin nicht sicher, ob man "das ist übrigens was der Twist am Ende NICHT ist" als Spoiler versteht, aber falls ja, ich werde erzählen was der Twist am Ende NICHT ist, also tread carefully!;-)

Lasst uns nochmal kurz festhalten, dass ich dieses Cover liebe - es ist eines der besten Cover, die ich dieses Jahr gesehen habe und das nicht nur, weil ich gerne so ein Kleid hätte...aber auch deswegen...;-)

Aber a good cover does not a good book make, also lasst uns mal kurz unser Literaturwissenschaft 101 wiederholen und uns daran erinnern, was traditionell eine Gothic Novel ausmacht:

1. Ein Setting in einem Manor House oder Castle

2. Eine mysteriöse Bedrohung, oft personifiziert durch einen charismatischen, aber irgendwie düsteren Fremden

3. Eine unschuldige, junge Heldin aus der upper-class

4. Böse Bösewichte, die Bösewichten, um böse zu sein

5. Eine konstante gruselige Atmosphäre voller Nacht, Nebel, Alpträumen und Dunkelheit

6. (Meistens) Verzicht auf große Schockmomente zugunsten von eher psychologischem Grusel

Ich bin ja einer dieser Menschen, die die Rezensionen zu Büchern immer erst zur Kenntnis nehmen, wenn sie das Buch schon ausgelesen haben und viele Rezensenten beschweren sich über einen der obigen Punkte, was der Autorin gegenüber vielleicht ein wenig unfair ist - sie hat in Großbuchstaben auf das Cover gedruckt, was euch erwartet...#justsaying ;-)

Unsere Protagonistin ist also eine reiche, junge Lady - oder eine verwöhnte, kleine Göre, wenn man böswillig sein will, wobei die agressiv unreife Attitüde würde sie vermutlich zum Actionheld machen, wenn sie ein Typ wäre, also daher... - die in ein gruseliges Herrenhaus gerufen wird, um ihrer Cousine mit ihrer gruseligen neuen Schwiegerfamilie zu helfen. Und sie hält sich dabei meistens ziemlich gut, was allerdings auch daran liegt, dass ihr jugendliches "Regeln sind für andere Leute da" Temperament, das man vielleicht unhöflich finden könnte, den absolut garstigen In-Laws entgegengesetzt wird, denen man in kürzester Zeit selber gerne Zigarettenlöcher in die Häkeldeckchen brennen würde...In einer Szene trägt sie allerdings glaube ich tatsächlich das gothicy weiße Rüschennachthemd, aber selbst das habe ich ihr verziehen.;-)

Die Geschichte baut ihre Spannungskurve außerdem seeeehr langsam auf und das Ende eskaliert sehr unvorhergesehen, aber habt ihr mal Dracula gelesen? Also nicht den Film gesehen, sondern tatsächlich den putzigen, kleinen Briefroman gelesen, in dem plötzlich auf den letzten 20 Seiten Verfolgungsjagdten passieren..? Ja... Es ist Mexican GOTHIC, nicht Mexican Horror Thriller, wer also ein fast-paced Horror Buch lesen will, sollte vielleicht ein anderes Buch aussuchen. Die meiste Spannung baut sich über die creepy Atmosphäre auf, Menschen unterhalten sich, finden dunkle Gerüchte heraus, unterhalten sich noch ein wenig mehr und alles explodiert erst zum Ende hin. Die Homage an Bücher wie Dracula, Rebecca und Northanger Abbey ist dabei deutlich erkennbar, also wer die alten Schmöker und ihr Pacing langweilig findet, wird hier vermutlich auch nicht wirklich glücklicher.

Für mich allerdings ist die Atmosphäre einer der großen Pluspunkte dieses Buches und der Fakt, dass alles in dieser Geschichte THEY ARE VAMPIRES schreit und oh boy, sind es am Ende keine Vampire...also die supernatural Komponente funktioniert genauso, als WÄREN es Vampire in fast jeder erdenklichen Weise, aber....nein. Der Twist ist ein völlig anderer und zugegeben es wird sehr weird gegen Ende hin, aber ich fand's spaßig.;-)

Die Bösewichte - ich nannte sie zwischendurch Onkel Nazi-Vampir und seine Minions - bösewichten mir ein wenig zu klischeehaft, aber nunja, diesmal ist es vielleicht auch der Homage geschuldet. Die Arschlochquote ist allerdings so hoch, dass unsere Heldin meinetwegen gerne noch öfter noch bratziger hätte sein dürfen, but maybe that is just me...;-)

Insgesamt bleibe ich bei meinem Eingangsresümee: Ein guter Gruselschmöker für den Herbst und damit definitv 4 von 5 Grabsteine wert!

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