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01.02.2021

Listening to: Solaris. Oder: Eine Masterclass in Creepyness

Kommen wir mal zu dem Eintrag, der jetzt schon das Potential hat mein Hörbuch des Jahres zu werden, auch wenn wir grade erst angefangen haben. ;-)

Solaris geschrieben von Stanislaw Lem, gelesen von Alessandro Juliani in einer neuen Jubiläumsüberstzung, die scheinbar endlich mal das komplette Buch umfasst und nicht so willkürlich Dinge weglässt...habe ich schonmal erwähnt wie unfassbar agressionsauslösend ich das finde, wenn Übersetzungen das tun...? Ich glaube schon.;-)

To mark the 50th anniversary of the publication of Solaris, Audible, in cooperation with the Lem Estate, has commissioned a brand-new translation - complete for the first time, and the first ever directly from the original Polish to English. Beautifully narrated by Alessandro Juliani (Battlestar Galactica), Lem’s provocative novel comes alive for a new generation.

In Solaris, Kris Kelvin arrives on an orbiting research station to study the remarkable ocean that covers the planet’s surface. But his fellow scientists appear to be losing their grip on reality, plagued by physical manifestations of their repressed memories. When Kelvin’s long-dead wife suddenly reappears, he is forced to confront the pain of his past - while living a future that never was. Can Kelvin unlock the mystery of Solaris? Does he even want to?

Ich möchte ungern in ungezügeltes Fangirling abdriften, aber ich fand diese Hörbuch Version wirklich wirklich großartig, der Sprecher macht einen sehr guten Job und ich glaube ich habe das Buch innerhalb von einem Monat so ca. 3x durchlaufen lassen - es ist trotz ungekürzter Übersetzung auch nicht sonderlich lang, aber #justsaying. ;-)

1. Hard Sci-fi und die human condition

Tatsächlich habe ich Solaris damals nur gelesen, weil eine Bibliothekskollegin darauf bestand, obwohl ich ihr versichterte, dass ich keine Science Fiction mag und vermutlich sogar schon gar keine hard sci-fi, weil Wissenschaft und so...

Ich stehe also quasi für immer in ihrer Schuld, weil ich feststellen durfte, dass ich tatsächlich eigentlich nur hard sci-fi mag, wenn es schon um Dinge mit Weltraum geht.;-) 

Fantasy in Space mit Science-Magic und Schwertkämpfen und so ist nicht mein Ding, wie man inzwischen vermutlich weiß, aber Dinge mit Weltraum, die mir keine Heldenopern oder Kriegsdramen mit Aliens, sondern irgendwas über die Menschheit und Fortschritt erzählen wollen, dürfen auch schonmal in Seitenlange Chemiegleichungen abdriften, ohne dass ich ihnen das übelnehme.

Ich besitze leider keine alte Übersetzung von Solaris, aber ich würde vermuten, dass die meisten Kürzungen sich auf die "fiktionale Astronomie" beziehen, die der Autor uns zu lesen gibt - und zwar ausufernd, das gebe ich zu, aber fiktive Jahrzente eines fiktiven Forschungsstandes zu einem fiktiven Planeten muss man sich auch erstmal ausdenken, ok?!;-)

Das Worldbuilding, das über diesen fiktiven Forschungsstand, die verschiedenen Interpretationsansätze, Forschungsstoßrichtungen etc. betrieben wird, ist auch weniger ein "das ist Solaris", sondern ein "so denken Menschen und so versuchen sie Dinge zu verstehen, die sich absolut ihren Erfahrungsmaßstäben entziehen". Und daher habe ich jedes einzlene Kapitel dieser sehr langen Exkurse sehr spannend gefunden, auch wenn keiner mit Laserwaffen rumhantiert. Aber wenn sehr lange Exkurse in fortlaufenden Geschichten nicht so euer Ding sind, tread carefully.:-)

2. Eine Masterclass in creepyness

Was man vielleicht außerdem über dieses Buch noch wissen sollte, ist, dass es keine Monster enthält, keine fiesen Aliens, die dich fressen wollen. Nur einen Planeten, den die Forscher nicht verstehen und der ihnen Dinge aus ihrem eigenen Unterbewusstsein vorgaukelt - oder erschafft, so genau wissen wir das bis zum Ende nicht. Und das ist zwar wenig adrenalingehyped, weil es keinen survival horror, keine Verfolgungsjagdten und keine Kampfszenen gibt, aber es ist so gruselig auf einer sehr psychologischen Ebene, das ich schon denke man kann daraus Einiges lernen.

Zm Beispiel, dass Verfilmungen von psychological & cosmic horror schwierig sind, denn der Film ist einfach nur grottig, aber nun ja...

Für das Hörbuch gibt es unüberraschenderweise 5 von 5 Strohhüten - ein paar Sätze sind nicht gut gealtert, aber man konnte sie an einer Hand abzählen, also in Dimensionen von anderen Klassikern des Genre eigentlich schon kaum noch erwähnenswert.;-)

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