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02.03.2026

Shades of Grey. Oder auch: Per Anhalter durch die Galaxis mit dem Plot von 1984?

Manchmal steht man ja einfach vor seinem Bücherregal mit 500 Büchern und hat einfach nichts zu lesen. So geschehen kurz vor den Feiertagen, als einfach nichts auf meinem SuB zu meiner faulen Schnarchstimmung passen wollte. Und während ich so daran herumüberlegte irgendein Tudor-Sachbuch zum 10. Mal zu lesen, stellte ich zufällig fest, dass wir ein Fforde Buch besitzen, dessen Titel mir so gar nichts sagte ... also zumindest nicht in diesem Zusammenhang. ;-)

So richtig erfolgreich war meine Reise ins Ungewisse zwar nicht, aber bevor wir dazu kommen, worum geht es in Shades of Grey (ja, der Titel ist sehr schlecht gealtert...) von Jasper Fforde?


 

Imagine a black and white world where colour is a commodity . . .

Hundreds of years in the future, after the Something that Happened, the world is an alarmingly different place.

Life is lived according to The Rulebook and social hierarchy is determined by your perception of colour. Eddie Russett is an above average Red who dreams of moving up the ladder by marriage to Constance Oxblood. Until he is sent to the Outer Fringes where he meets Jane - a lowly Grey with an uncontrollable temper and a desire to see him killed.

For Eddie,
it's love at first sight. But his infatuation will lead him to discover that all is not as it seems in a world where everything that looks black and white is really shades of grey ...

If George Orwell had tripped over a paint pot or Douglas Adams favoured colour swatches instead of towels, neither of them would have come up with anything as eccentrically brilliant as Shades of Grey.

Ich fürchte die Assoziation mit pseudo-BDSM hat eventuell nicht geholfen sich in das Buch einzudenken, aber ich denke es gehört auch einfach zum Stil des Autors, dass das Worldbuilding nur sehr sehr wenig Sinn macht, bis man sich so durch das erste Drittel der Geschichten gekämpft hat ... ;-) Bei der Eyre Affaire erinnere ich das nicht als so mühsam wie hier, aber das lag evtl. daran, dass eine Welt, in der fiktive Figuren ein Eigenleben haben vielleicht etwas weniger suspension of disbelief erfordert, als eine dystopische Zukunftsvision, in der niemand mehr in Vollfarbe sehen kann und daraus eine starre Gesellschaftshierarchie abgeleitet wurde ... 

Und es hilft evtl. auch nicht, dass ich bei Buch 1 der Eyre Affaire definitiv das Gefühl hatte, dass es als "Standalone mit Serienpotential" vermarktet wurde und man hier sehr deutlich das erste Buch in einer Reihe liest. Es bleibt also vieles bis zum Schluss sehr mysteriös, weil die Charaktere einfach auch sehr wenig über die Lügen ihrer Welt und ihres diktatorischen Regimes wissen (Dystopie-Klassiker).

Leider hat mich der erste Band nicht wirklich überzeugt die weiteren zu lesen und das hat mich zuerst überrascht - irgendwas zwischen Douglas Adams und Orwell klingt ja erstmal recht spannend, no? Aber es waren am Ende leider drei ineinandergreifende Faktoren, die mich gelangweilt haben:

1. Das Pacing ist unfassbar langsam. Die Storie ist als 3-Teiler konzipiert, das heißt wir halten uns mit endlosen Nebenquesten und Dutzenden von Charakteren auf und wissen bis zum letzten Drittel eigentlich immer noch nicht was unser Hauptcharakter mit irgendwas zu tun hat. Wie man weiß, leide ich an serieller Unfähigkeit, ich brauche ein wenig Erwatungsmanagement und will zumindest wissen wo mein Plot hingeht, sonst habe ich für die 10.000 total immersiven Worldbuildingdetails einfach keine Geduld.

2. Instalove wird auch durch ein Enemies to Lovers nicht besser ... Ehrlich, die Romance in dieser Story ist so seltsam, ich frage mich, ob sie nur da ist, weil irgendein Mensch beim Verlag der Meinung war, dass wir eine brauchen. Es liest sich jedenfalls nicht so, als hätte der Autor ein Interesse daran mir zu erklären was diese Leute aneinander finden. Unser Hauptheld Eddie ist insta-verliebt in Jane, weil sie eine hübsche Nase hat (ja, das ist der Grund, ich mache keine Scherze) und Jane hasst ihn genau wie alle anderen Menschen ihrer Welt, weil sie als Grey zum Bodensatz der Gesellschaft gehört. Zumindest bis wir uns im letzten Drittel, in dem die Handlung dann endlich mal anzieht, spontan entscheiden heiraten zu wollen ... Und ich so ... ok whatever. Zu der Hochzeit kommt es dann nicht und das wird aus irgendeinem Grund als großer Rückschlag geframed, als würden wir uns schon länger als 5 Tage kennen und/oder hätten irgendeine Art von Chemie, aber selbst das konnte mich nicht trösten. ;-) 

3. Nachdem es im letzten Drittel dann endlich mal interessant wurde, hat das Ende mich einfach nur geärgert. Ich versuche das mal so kryptisch und unspoilerhaft wie möglich zu begründen, aber wie immer read at your own risk:

Die Herausforderung einen Hauptcharakter in einer dystopischen Gesellschaft zu kreiren, besteht meistens darin zu zeigen, dass er/sie sich nur unter Zwang dem unterdrückerischen System unterordnet und eigentlich ein guter Mensch ist. Das macht Eddie eigentlich hervorragend, er eckt ein paar Mal an, weil er sich weigert sich der starren Hierarchie zu unterwerfen und Menschen ungeachtet ihrer Farbe für wertvoll zu halten. Soweit so gut. Sobald er allerdings in die Rebellion eingeweiht wird - es gibt immer eine Rebellion und Verschwörungen und auch hier tut einem das Schneckenpacing keinen Gefallen, weil wir alle erwarten was passiert und dann passiert es ewig nicht^^ - ist er plötzlich der Meinung Unschuldige zu Tode kommen zu lassen, gehört zum Greater Good. Und wir denken nicht einmal über eine Lösung nach, die irgendwie zwischen den Extremen Ich sterbe und Sie sterben liegt. Eddie wird also ein schlechterer Mensch, um ein schlechtes System zu unterwandern und das war ... definitiv a Choice.

Zusammengenommen sind die narrativen Entscheidungen also leider ausreichend, um mich nicht für die interessante Prämisse zu begeistern, aber wer weniger abgeschreckt von Pacing und Romanceproblemen ist, der sollte dem absurd-abgründigen Worldbuilding mal eine Chance geben, meine Weltsicht ist ja in keinster Weise ausschlaggebend.

Trotzdem reicht es in meiner kleinen Ecke des Internets nicht für mehr als 3 von 5 Farbtabellen und das auch nur, weil ich für das Ende keinen Punkt abziehe. Ein Stilmittel, das mir nicht gefällt, ist ja kein handwerklicher Mangel. ;-) 

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