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02.01.2011

Going Postal. Oder: Wenn Bücher Filme werden...II

Weihnachtszeit ist ja bekanntlich Geschenkezeit und das hat - bei allen berechtigten Gegenargumenten zur kapitalistischen Ausschlachtung religiöser bla bla...;) - auch seine guten Seiten!
So kann ich zum Beispiel ausnahmsweise mal was über einen - zumindest in Deutschland - relativ neuen Film erzählen (normalerweise hinke ich da ja immer ein wenig hinterher;), den ich vor gar nicht allzulanger Zeit schon ankündigte: Going Postal!

Denjenigen, die das Buch schon kennen, brauche ich vermutlich nicht viel dazu zu sagen und denjenigen, die das Buch noch nicht kennen, kann ich nur sagen: Lest es vorher nicht, das verwirrt nur!;)
Womit ich natürlich schon (wieder) vorweggenommen habe: Ja, hier handelt es sich um eine "Verfilmung", die sich nur grob an den vorgegebenen Motiven orientiert - so grob teilweise, dass ich nicht mal  eine Aussage darüber wagen möchte, ob das Buch oder der Film tatsächlich besser sind. Beide erzählen auf ihre Genre-Art eine lustige, tragische, spannende Geschichte über (wie es so schön auf dem Cover heißt) Liebe, Rache und Briefmarken - ich würde noch Betrug, Marketing und Golems hinzufügen, aber das klingt dann vielleicht weniger snappy!;)

Nachdem ich mich allerdings darüber hinweg getröstet hatte, dass die Ver-Filmung wohl auf der Strecke bleiben würde, konnte ich dem Film an sich einiges abgewinnen. Hier meine Pros and Cons in Übersicht:

--- Mr. Gryle (die Banshee) ist im Buch eigentlich ganz cool, der Monster Auftritt im ersten Film ist allerdings me-ga-peinlich! Schlechtes Kostüm, schlechter Dracula-Abklatsch und das unverzeihliche Villain-Monolouging! *argh* (für alle, die The Incredibles nicht gesehen haben: Bösewicht-Monologe sind diese "Da ich dich sowieso gleich umrbinge, kann ich dir ja vorher noch meinen bösen Plan in allen Einzelheiten erlären" Peinlichkeiten, von denen ich gehofft hatte, sie wären inzwischen als Stilmittel ausgestorben...vielleicht sind sie ja auch un-tot*grmpf*)

-- (für Buch-Kenner) Statt der eigentlich netten Idee, dass die gelagerten Briefe die Post-Office in regelmäßigen Abständen in der Zeit zurückversetzen (was den Unfalltod der vorigen Postmaster zur Folge hat), bekommt Moist von Lipwig hier seine vergangenen Missetaten und deren "unsichtbare" Opfer aufgezeigt...Dass seine Vorgänger daher im Film von Mr. Gryle umgebracht werden (müssen), stört mich dabei nicht mal so sehr, eher schon finde ich den "moralischen Zeigefinger" etwas unnötig - das Buch ist da erfrischend Wertungsneutral(er)...

- Der Film macht aus dem Hauptcharakter eine Art Proto-Finanzkrisen-Auslöser, der für den Kollaps ganzer Banken verantwortlich ist, während das Buch sich eher auf der Kleinkriminellen Schiene bewegt. Die dadurch zugespitze Love-Interest Storyline (für Buch-Kenner: Hier ruiniert er eigenhändig Adorabells ganze Familie, statt sie nur einen Job zu kosten...) ist zwar irgendwie niedlich, aber hätte das wirklich sein müssen?

+ Im Gegensatz zu einigen (unnötigen) Story-Änderungen ist das Type-Casting hervorragend gelungen! Vor allem die Hauptcharaktere Moist & Adorabell sind großartig, dicht gefolgt von den Postboten (Groats&Stanley) und dem hellhaarigen, aber trotzdem unglaublich genialen Lord Vetinari! Hier hat sich jemand Mühe gegeben. Sogar der Bösewicht hat seine lustigen Momente (auch wenn ich mir Reacher Gilt etwas weniger als Böse Disney-Hexe vorgestellt hatte;)...

++ Die Liebesgeschichte wird sehr schön in den Kontext der umgebenden Story eingebunden - tatsächlich sogar fast besser als im Buch - und ist im zusammenspiel der Charaktere rührend komisch. Hier hatten die Drehbuchautoren einige gute Ideen, die ein wenig mit den anderen, weniger gelungenen Änderungen versöhnen...

+++ Was den Film wirklich als Film sehenswert macht, sind aber die detailverliebten Kulissen, Kostüme und die Sorgfalt und Begeisterung der Schauspieler, bin hin zu den Nebendarstellern und Statisten (speziell als England eingeflogene Pratchett Fanclub-Mitglieder, eine schöne Idee!;), die sich - bis hin zum Cameo-Autritt von Sir Terry himself (!) - sehr viel Mühe geben die richtige Scheibenwelt Atmosphäre aufzubauen, was ihnen auch gelingt! Die historischen Gebäude und Naturaufnahmen sind dabei genauso gelungen, wie die Set-Design Ideen - besonderds das Clacks System, das tatsächlich sehr großartig aussieht!

Mein Fazit daher: Ein guter Film mit überzeugenden Charakteren und einer nachvollziehbaren Geschichte - aber leider als Ver-Filmung mir doch zu weit weg von den auch guten Ideen der Vorlage...
Insgesamt vergebe ich deswegen mal 3,5 von 5 Flügelkappen für gute Unterhaltung "nach Motiven von" Terry Pratchett!;)
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