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01.01.2011

The Historian. Oder: Fan-Fiction kann auch Spaß machen!;)

Puh, wie faul und müde man an Neujahr sein kann, obwohl man nicht mal vor die Tür gegangen ist an Silvester!;)
Die übliche Nach-Festags-Trägheit hat sich heute ziemlich nachdrücklich eingeschlichen und irgendwie habe ich das Gefühl der Tag hat gerade erst eingefangen, da ist es draußen schon wieder dunkel *sfz*. Naja morgen ist ja wenigstens noch ein letzter Ferientag übrig, bevor es wieder raus ins feindliche Leben geht!

Ich finde es jedes Jahr wieder schwierig, mich davon abzuhalten die Tage zwischen den Feiertagen für irgendwelche "sinnvollen" Aktivitäten zu reservieren - dabei sollte man spätestens ab dem 3. Semester gelernt haben, dass a) die Woche zwischen Weihnachten und Silvester nur gefühlte 1,5Tage lang ist und b) man nie nie nie nie niemals irgendwas sinnvolles tun wird, egal wie sehr man es sich vorgenommen hat...
Da ist es tatsächlich ein Fortschritt diese Tatsache des Lebens einfach zu akzeptieren und einfach mal faul und träge zu sein - der Stress fängt schon früh genug wieder an!;)

Ich hatte also Muße und Zeit endlich mal wieder ein wenig zu lesen und kann daher eine sehr interessante Entdeckung präsentieren - trotz dem abschreckenden "Bestseller" Sticker;): The Historian von Elisabeth Kostova
Es heißt ja immer, man solle Bücher nicht nach ihrem Einband beurteilen - wobei ich diese Einstellung nicht ganz teilen kann/will, da ich mir mit meinen Buchcovern sehr viel Mühe gebe;) - und manchmal stimmt das auch. Wenn ich mich in diesem Fall nämlich tatsächlich vor dem Kauf mit mehr als dem Titel beschäftigt hätte - meint, mal zu schauen, worum es eigentlich geht;) - wäre mir die zunächst mal negativ belastete Erkenntnis erspart geblieben, dass es sich hier um eine Art Darcula Fan-Fiction handelt. Andererseits hätte ich das Buch vielleicht aus dem "Och nö, schon wieder Vampire?" Reflex vielleicht nicht gekauft und das wäre doch sehr schade gewesen!;)

Mit dieser leicht konfusen Einleitung habe ich also eigentlich schon viel vorweggenommen: The Historian ist tatsächlich eine kuriose Mischung aus History-Geektum und Dracula Fan-Fiction, bei der es mich allerdings erstaunt, dass sie es zum internationalen Bestseller geschafft hat - nicht weil das Buch nicht gut wäre, sondern weil ich nicht gedacht hätte, dass mit den doch sehr stark im Vordergrund stehenden kleinen Eigenheiten von Historikern, Archivaren und Anthropologen so viele Menschen etwas anfangen können, mal ganz abgesehen vom leicht antiquierten Briefroman-Stil...Vielleicht kommt hier der Vampir Hype-Bonus zum Tragen und Mrs. Kostova hatte einfach Glück!;)

Worum geht es denn aber nun? Im Grunde darum, was passiert, wenn Historiker dazu animiert werden sich zu fragen, ob es den historischen Vampir tatsächlich gegeben haben kann, was Vlad III. damit zu tun hatte und wie man einer so uralten Bedrohung heute begegnen kann. Und was passiert, ist für Historiker genauso vorhersehbar, wie possierlich: Indiana Jones verdächtige Schnitzeljagdten durch Archive und Bibliotheken!;)
Das klingt vielleicht nicht spannend, nachdem man sich aber durch die ersten, leicht gewollt klingenden, Ich-Erzähler Episoden gewühlt hat, nimmt die Storyline schlagartig Fahrt auf und entwickelt in Briefen, Tagebucheinträgen und Gesprächsnotizen eine Kontinuität, die bei so vielen Ich-Erzählern schon fast erstaunlich ist! Der Erzählstil der verschiedenen Personen ist allerdings sehr kohärent und daher gut zu verfolgen - natürlich bleibt dabei die Individualität der Charaktere ein wenig auf der Strecke, aber diese Entscheidung zugunsten des Erzähflusses kann ich leicht vergeben. Mir persönlich ist die Spannungskurve im Zweifel wichtiger als die fitzelige Charakterausgestaltung!;)
Nebenbei hat die Geschichte natürlich auch viele Trademarks der Vapmpir Fan-Fiction - die allmächtige, dunkel-faszinierende Vampirfigur mit seinen leicht zurückgebliebenen Schergen, alte Geheimbünde zur Vernichtung des Bösen, Mönche, Mittelalter, Gruften und viele, viele alte Bücher und Legenden...

Ich bin persönlich kein besonderer Freund der Fan-Fiction - oder des Briefromans, was das angeht;) - aber von dieser seltsamen Mischung habe ich mich dann doch sehr unterhalten gefühlt! Darcula im 20. Jahrhundert ist  eine nette Idee, die hier mit sehr viel Konsequenz umgesetzt wird, während man mit den erzählenden Personen wunderschön mitleiden, -hoffen, -lieben und -lachen kann!;)

Ich hatte überlegt für den etwas holprigen Anfang und die etwas zu kurz gekommene Erzählindividualtiät der Charaktere ein paar Abzüge zu machen, aber diese Kritikpunkte sind so minimal, dass sie nur einer Nörgelnase wie mir auffallen werden.;) Daher erteile ich mal Absolution aus dramatischer Notwendigkeit für eine wirklich gut erzählte, spannende Geschichte und vergebe 5 von 5 Drachenbannern!:)
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