Publikationen, Projekte, Persönliches

25.10.2010

Kurz und bündig: The Joy of Short Stories


Immer wieder muss ich feststellen, dass Konsumieren und Produzieren zwei völlig verschiedene Dinge sind.
Theater war bisher immer das beste Beispiel, denn auch wenn mir das Spielen auf der Bühne immer viel Spaß gemacht hat, bin ich ein furchtbarer, nörgeliger, unwilliger Zuschauer.;) Ich mag keine modernen Inzenierungen, wenig moderne Stücke und Tragödien eigentlich schonmal gar nicht. Dasselbe gillt für Bilder oder Gedichte - ich fabriziere zwar manchmal selber was in der Richtung, aber als Konsument tendiere ich zum vorschnellen "Kunst-Kacke" Label und verkrieche mich wieder in meine ignorante Amateurschale.

Seit ca. zwei Wochen ist eine neue Kategorie dazugekommen: Kurzgeschichten
Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich mir einen Kurzgeschichten Band zulegen - oder lesen - würde, aber habe tatsächlich das Schreiben für mich entdeckt.
Vielleicht liegt es nur daran, dass ich grade in puncto Romankonzept ein wenig auf dem kreativen Schlauch stehe, aber ich empfinde die völlige Loslösung von sämtlichen Zusammenhängen als total angenehm - man kann und darf alles andeuten, aber muss und sollte eben nicht alles erklären. Wo die logischen, nachvollziehbaren Erklärungen notwendig werden, fängt nämlich meistens auch die harte Konzept Arbeit an, vor der es mir momentan sehr graut.;)

Also jetzt erstmal Kurzgeschichten - wo ist eigentlich Seiten- und Inhaltsmäßig die Schwelle zur Novelle? Oder darf ich mir das selber aussuchen? - eine schon verfasst und eine in Arbeit. Und schon funktionieren auch die verlässlichen kreativen Tabs wieder: Die Idee zur Erstlingsgeschichte Unwillkommen kam ganz klassisch im Schlaf, die neue Baustelle Das Andere Haus war zuerst nur ein erster Satz, der mir in der Badewanne an den Kopf flog:

Seit meiner Kindheit war das Haus gegenüber für mich völlig selbstverständlich. Erst als ich älter wurde und man mir sagte es sei nicht real, wurde es für mich zum Problem...

Ich freu mich jetzt schon drauf!!!:)

Kommentare:

  1. "Also jetzt erstmal Kurzgeschichten - wo ist eigentlich Seiten- und Inhaltsmäßig die Schwelle zur Novelle?"

    Die Geschichte der Grenzen zwischen Kurzgeschichte und Novelle – ich gehe jetzt mal von der deutschen Literaturgeschichte aus – ist eine Geschichte voller Missverständnisse.
    Es ist vor allem kompliziert, weil weder Dinge, die gleich klingen in Deutsch und Englisch (Novelle vs. Novel), noch Dinge, die ganz nachweislich Lehnworte sind (Kurzgeschichte von short story) so wirklich kompatibel sind.

    Roman ist bekannt, denke ich.
    Die Novelle grenzt sich vom Roman meist vor allem dadurch ab, zumindest in der Idealform, dass sie sich auf ein einzelnes, zentrales Ereignis konzentriert und das auch, in sich geschlossen, darin abgehandelt wird. Man sagt der Novelle eine stilistische Objektivität nach, aber ich persönlich finde, jede Novelle der Romantik macht das Argument zumindest schwerer haltbar.
    Demgegenüber steht die deutsche Kurzgeschichte als eine sehr kurze, noch viel extremer komprimierte Erzählform da, die oftmals in Anfang und Ende offen ist und den Leser mehr in medias res in die Handlung kloppt. Ich nehme da gerne "Das Brot" von Borchert als Beispiel, falls du die kennen solltest. Auch das Eisbergmodell greift hier.

    Gerade im Unterschied zum englischen Themenkreis der short story ist die deutsche Kurzgeschichte, wie gesagt in der Regel, noch wesentlich dichter und komprimierter. Um mal zwei Lovecrafts zu nehmen, um das Problem zu verdeutlichen: "Cthulhus Ruf" ist wesentlich länger als Kandidaten wie "Das Brot", wäre vielleicht hierzulande eine Novelle, wird aber oft, weil short story, Kurzgeschichte gerufen.
    Umgekehrt weist "Der Fall Charles Dexter Ward" eine Reihe archetypische Kriterien einer Novelle auf, ist aber letztlich ein Roman.

    Mir sagte mal ein Dozent, wir sollten es im Zweifel halt als "kurze Erzählung" umschreiben. Das hilft auch noch bei anderen, deutschen Mistbiestern wie dem Märchen, das ja auch als Gattung im Grunde nicht mal mehr die volkstümliche Überlieferung braucht; vgl. "Der goldene Topf" von E.T.A. Hoffmann ;)

    Und jetzt hoffe ich, die Frage war keine rhetorische und ich nur zu müde, um das zu merken ;)


    Viele Grüße,
    Thomas

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  2. Selbst wenn eine rhetorische Frage gedacht gewesen sein hätte sollen, hätte ich mich über die ausführliche Beantwortung trotzdem gefreut - da ich's aber wirklich wissen wollte, freu ich mich dementsprechend noch mehr!;)
    Vielleicht wird ja aus dem neuen Dingsi eher dann eine Novelle, das hat Potential etwas länger zu werden...we will see!:)

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Vielen Dank!