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03.10.2010

Der Anwalt des Königs

Ob man es nun mit meinem Film und Seriengeschmack vereinbaren kann, oder nicht, aber eigentlich mag ich keine Krimis. Im Medium Film&Fernsehen funktioniert Spannung bei mir einfach besser, als in Buchform, denn meistens bin ich für eine verschlungene, Hinweislastige Auflösung mysteriöser Umstände einfach zu ungeduldig - dann wird das Buch einfach von hinten augeschlagen und wenn mir dann auch noch die Auflösung nicht passt, landet der Schmöker gleich wieder beim Bücherflohmarkt.;)

Ich dachte mir auf diese prinzipielle Einstellung hinzuweisen, wäre ein guter Start meine letzwöchige Bettlektüre vorzustellen: Der Anwalt des Königs von C.J.Sansom


Manchmal kann Bücher im Internet kaufen ungeahnte Fallstricke bergen - Sachbücher wenn man Romane haben möchte und ungekehrt, ist ja alles schon vorgekommen. In diesem Fall hatte ich zum Einen wohl überlesen, dass es sich bei diesem 700Seiten Wälzer um die nette Gattung "Historischer Kriminalroman" handelt und zum Anderen, dass es sich bei den Geschichten des lieben Herrn Sansom auch um die Art von Krimis handelt, die in einer Reihe weg mysteriöse Begebenheiten um einen Hauptcharakter/Inspektor winden - und das ich quasi mit diesem Buch so mittendrin "einsteige".

Diese ganze Vorrede klingt allerdings ein wenig negativer, als es eigentlich gemeint ist. Die Intrigen und Machtspielchen um Heinrich VIII. und Catherine Howard (Ehefrau Nummer 5 - Ende unrühmlich bekannt) warem schon nett zu lesen und auch - den Literaturhinweisen nach - gut recherchiert. Das Bedürfnis die anderen Bücher der Reihe nachträglich noch zu lesen, hat sich trotzdem aber nicht eingestellt - zum Einen weil das Buch auch ohne Vorwissen als eigenständige Geschichte durchaus zu lesen ist (ein eindeutig positiver Punkt!;) und zum Anderen weil ich mich für die Hauptfiguren jetzt nicht so sehr erwärmen konnte.
Der kleine bucklige Anwalt ist zwar ein netter, ungewöhnlicher Hauptcharakter, um mir zu gefallen, hätte er aber ein wenig schlagfertiger sein dürfen (zumal wenn immer darauf rumgeritten wird, das er ja soviel cleverer ist, als die Leute, die auf ihm rumhacken - das darf man auch schonmal merken, die Behauptung alleine beweist das nicht!;). Außerdem tappt die Geschichte oft in die Falle der dramatischen Notwendigkeit - warum laufe ich ständig alleine im Dunkeln durch die Gegend, obwohl ich weiss, dass mich jemand umbringen will? Weil es aus dramatischen Gründen notwendig ist...kein guter Grund!;)

Insgesamt kann ich also nur 2,5 von 5 Schmuckschatullen vergeben für einen historisch vielleicht plausiblen, aber handwerklich etwas gezwungenen Kriminalfall aus der englischen Renaissance. Wer Krimis mag, wird dieses Urteil vielleicht zu hart finden, ich bin da gerne disskusionsbereit!;)
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