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16.05.2010

Kritische Betrachtung von Kritik und Kritikern


Der Umgang mit Kritik und Kiritkern ist eine Geschichte voller Missverständnisse...Nein, keine Angst jetzt kommen keine OBs und seltsame Vorgänge mit Handflächen ins Spiel.;)
Die Sache mit der Kritik ist aber trotzdem eine höchst interessante und manchmal ziemlich lästige Angelegenheit, gerade im kreativen Bereich. Im Zwischenmenschlichen auch, aber da geht es ja um Kritik an der eigenen Person, was die ganze Sache von sich aus kompliziert macht - denn wer hört schon gerne negative Dinge über sich selbst?

Konstruktive Kritik in einem sachlichen Umfeld sollte eigentlich genau dieses Problem nicht haben - mit der Betonung auf eigentlich. Jeder reflektierte Mensch sollte doch in der Lage sein eine vernüftige Kritik an einer Sache so zu formulieren, dass sie weder persönlich angreifend, noch lobhudelig rüberkommt und der vernünftige, erwachsene Mensch auf der andere Seite sollte soch in der Lage sein diese Anmerkungen als das zu verstehen, was sie sind - rein subjektive Vorschläge, die man nun analysieren und vielleicht aufgreifen sollte.
Der fatale Fehler dieser ganzen Theorie liegt darin anzunehmen, dass erwachsene Menschen reflektiert und vernünftig miteinander umgehen können. Das ist nunmal einfach zu 98% nicht der Fall und wenn doch, sollte man sich glücklich schätzen.

Langjährige negativ Erfahrungen mit z.B. Internet-Foren oder auch Auseinandersetzungen mit anderen Menschen (manchmal sogar Freunden) haben in mir die Überzeugung reifen lassen, dass die Disziplin der Konstuktiven Kritik Äußerung und Annahme ein Buch mit sieben Siegeln ist, dem sich der menschliche Geist größtenteils verschließt. Und bisher hat mir in dieser Wahrnehmung niemand glaubhaft widersprochen.;)
Dabei könnte alles so einfach sein, das ganze lässt sich nämlich auf 5 einfache Regeln runterbrechen (und es hat seinen Sinn und Zweck, dass die Perlen damit anfangen!;)

Regel 1:
Der Kritiker liest den Text nicht nur einmal, sondern zweimal, bevor er sich an seine Kritik setzt. Der erste Eindruck ist nicht immer der richtige, und man kann durchaus mal was überlesen oder erstmal falsch verstehen.
Das ist sowohl dem Text, als auch dem Autor gegenüber ein Zeichen von Respekt - niemand kann mit einer Hoppla-Hopp Kritik etwas anfangen, die sich vielleicht auf einen völlig falschen Eindruck des Testes stützt. Wenn man keine Zeit zum gewissenhaften Beta-Lesen eines Textes hat, sollte man das von vorneherein sagen, oder vielleicht nur ausgewählte Szenen/Kapitel überarbeiten. Mit Ehrlichkeit hilft man hier mehr, als mit halbherzigem Arbeiten.

Regel 2:
Eine Kritik beginnt immer mit einem begründeten Lob. Dies führt dazu, dass der Schreiberling sich freut, Sympathie für den Kritiker aufbaut und in der Folge offener für dessen Kritik ist.
Ein kurzer Überblick "Das hat mir gut gefallen, aber" wird immer positiver wirken als "Das alles hat mir nicht gefallen, aber ansonsten ists schon ganz ok"...

Regel 3:
Kritik sollte immer sachlich und neutral formuliert sein. Beleidigungen haben dort nichts zu suchen, sie führen nur dazu, dass der Schreiberling dicht macht und auch für gute Argumente nicht mehr zugänglich ist.
Das mag selbstverständlich klingen, ist es aber nicht. Mit Beleidigungen sind hier nämlich auch Generalurteile gemeint, wie "Das ist alles Müll." oder "So kann man das nicht machen.", ohne weitere Argumente zu liefern. Eine Alles-Scheiße Einstellung ist weder sachlich, noch hilfreich, selbst wenn man sich wirklich schwertut überhaupt etwas Positives an einem Werk zu finden.

Regel 4:
Der Kritiker sollte es stets für möglich halten, dass es sich bei Merkwürdigkeiten einer Geschichte um bewusst eingesetzte Stilmittel handelt, und seine Kritik daran auch dementsprechend darstellen. Der Schreiberling wird so zum einen fair behandelt (da eine Kompetenz anerkannt wird), zum anderen kann er auf diese Weise viele handwerkliche Dinge dazulernen.
Beim Beta-Lesen eines Textes geht es darum die Vorlage handwerklich zu überarbeiten. Eine Dampfwalzen-Technik, die den fremdem Text darauf reduziert "wie ich es gemacht hätte" ist da ebensowenig hilfreich, wie die schon beschriebene Alles-Scheiße Mentalität. Beide bringen nur den eigenen Egozentrimus zum Ausdruck und beweisen, dass man nicht zu dezidierten Aussagen in der Lage ist, machen aber mit Sicherheit keinen guten Kritiker aus.

Regel 5:
Kritik sollte mit einer kurzen Zusammenfassung der Kritik und der lobenswerten Punkte an dem Werk enden.

Wenn man diese Punkte des Kritisierens erfolgreich hinter sich gebracht hat, ist man aber leider immer noch nicht aus dem Schneider, denn es gibt auch goldene Regeln (genau 2), wie man erfolreich Kritik annimmt:

Regel 1:
Kritiker haben nicht immer Unrecht.
Sein Werk der Kritik Anderer auszusetzen, ist vielleicht nich einfach (vor allem wenn viel mehr Korrekturen zurückkommen, als man je für möglich gehalten hätte;). Trotzdem kommt man nicht daran vorbei, will man wirklich etwas lernen und sich weiterentwickeln. Dazu gehört aber leider, dass man sich die Kritikpunkte - sofern sie denn vernünftig formuliert sind - genau anschaut und nicht sofort als persönlichen Angriff wertet. Wenn mir ein Werk, ein Text, oder ein Bild persönlich soviel bedeuten, dass ich mich nicht davon distanzieren und objektiv über Verbesserungsvorschläge nachdenken kann, dann ist das zwar in Ordnung - dann sollte man aber auch konsequent genug sein, diese Art von Werken gar nicht erst zur Beta-Korrektur zu geben.

Regel 2:
Kritiker haben nicht immer Recht.
Zu einer gesunden Reflektion über sich und seine Umwelt gehört auch genug Selbstbewusstsein, um nicht jede Kritik ungefiltert anzunehmen. Nicht jeder Beta-Leser muss den Text verstanden haben, egal wieviel Erfahrung er mitbringt und nicht jedes Stilmittel, dass den Geschmack des einen Kritikers nicht trifft, muss deswegen schlecht sein. Zu den eigenen Entscheidungen stehen gehört zu 50% zum Beta-Korrekturprozess dazu (und macht ihn anstrengender als das Schreiben an sich, aber da muss man nun durch;).

Aus dieser ganzen, schönen Frustration mit Korrekturprozessen im Allgemeinen und Internet-Foren Klüngel im Besonderen, ist übrigens obskurerweise eine neue Forenidee entstanden, die T. gerade ausklüngelt: Die Schreibhandwerker
Sobald es dazu was Konkretes zu sagen gibt, werde ich das naütrlich tun!;)
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