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27.05.2010

Der Löwe im Winter

Ja, ich hab's nach Monaten auch mal geschafft diese DVD zu kuken!
Ich bin schrecklich manchmal, aber wen es beruhigt, ich habe auch Filme, die ich mir selber schon vor über einem Jahr gekauft habe, noch nicht gesehen - was Fernsehunterhaltung angeht, bin ich eben doch eher einfach gestrickt und brauche manchmal sehr lange Anläufe, um mir was nicht sinnfreies anzutun.;)
Aber gestern beim Nähen war mir nicht nach den gebotenen Frauen-Serien im Fernsehn und da dachte ich ein bißchen klassische Unterhaltung kann nicht schaden. Heute also zur Rezension die TV-Produktion The Lion in Winter:

Man sollte sich von dem Ettikett "TV-Produktion" nicht abschrecken lassen, denn wie man weiss, sind manche (vor allem BBC) Fernsehfilme weit besser als so mancher Kinofilm - was die Besetzung der Hauptrollen mit Patrick Stewart und Glenn Close eindrucksvoll bestätigt.;)
Ich muss für meine Bewertung allerdings ein wenig zwischen dem Film als Film und der Darstellung der Historik unterscheiden, das eine kommt nämlich deutlich besser weg, als das andere (ja, sorry, ich hab' das studiert, ich kann nix dafür!;).

Die Geschichte des Filmes an sich liest sich ein wenig wie ein Kammerspiel: Die getrennt lebenden Eltern laden zum gemeinsamen Weihnachtsfest und dabei bleibt auf engem Raum ganz viel Platz für allerlei Streit - Vaters neue Liebelei befürchtet er könnte immer noch an seiner Exfrau hängen, die 3 Söhne sind zerstritten ums Erbe und darum wer wessen Liebslingssohn ist und der Cousin von ausserhalb verkompliziert das familiäre Durcheinander zusätzlich. Und natürlich ergeht sich das zerstrittene alte Ehepaar in einer Hass-Liebe in der schönsten Who's afraid of Virgina Woolf Manier.
Bis dahin ist das noch nicht deutlich neu, wenn allerdings Vater seine "Ex" schon seit 10 Jahren in einem Gefängnisturm festhält, seine neue Frau eigentlich die verlobte seines ältesten Sohnes ist, seine Söhne sich nicht nur am Esstisch, sondern auch auf dem Schlachtfeld untereinander und mit ihm um ein Erbe prügeln, das ganz Großbritanien und halb Frankreich umfasst und der Cousin der König von Frankreich ist - dann wird die Sache nicht unbedingt leichter.;)

Das Film ist ein sehr dramatisch-komisches Familienporträt - man merkt den Szenenwechseln und Konstellationen noch sehr an, dass das eigentlich mal für eine Theaterbühne gedacht war (Einheit von Zeit und Ort und so;) - Glenn Close und Patrick Stewart als Mittelalter Martha&George sind einfach großartig! Wenn es ein wenig mehr Frauenrollen gäbe, würd' ich's glatt mal für Actors Nausea vorschlagen.
Die Geschichte ist allerdings eher "nach Motiven von" erzählt - Patrick Stewart spielt den alternden König als vergangenes Idol (wohl eher inspiriert vom jungen Henry VIII), was man aus Henry II nun wirklich nicht machen kann. Die Akte Becket wird ganz unten in der Schublade vergraben, zusammen mit den blutigen Eroberungskriegen und allem was sonst noch vom schneidigen Image ablenken könnte. Ich bin ja vielleicht auch deswegen ein wenig kritisch der Betrachtung von Eleanor von Aquitanien gegenüber eingestellt, weil eines meiner Lieblingsbücher eben genau diese Geschichte erzählt - und da sieht das mit der "Liebe" am englischen Königshof dann doch etwas anders aus.;) Ausserdem hat der gute Richard Löwenherz auch nicht so beiläufig auf die feindliche Übernahme seiner Braut reagiert und die dargestellte Schwachsinnigkeit von Prinz John hält leider - trotz aller Robin Hood Filme - den historischen Quellen auch nicht stand, um mal nur ein paar Beispiele zu nennen.

Aber im Gehege des Films ist die Darstellung der Charaktere vielschichtig und von einem zynischen Humor, den man einfach in sein kleines, schwarzes Herz schließen muss, daher empfehle ich den Film (fast) ohne Abzüge und vergebe 4 von 5 Handspiegeln.
Ein Punkt muss bei leider auf der Strecke bleiben, weil sich die Handlung manchmal so verwirrt, dass man den Eindruck hat, irgendwann wussten selbst die Regisseure nicht mehr wer jetzt mit wem gegen wen und überhaupt...

Wer sich für die historischen Hintergründe interessiert, sollte allerdings lieber ein Buch lesen, die Erkenntnisse aus dem Film lassen sich leider nicht mal als gefährliches Halbwissen präsentieren.;)

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